Andrea Corr: Lifelines

Eine Reise durch ihr Leben sei die Platte, „Songs wie versteckte Edelsteine“ – so sagt Andrea Corr selber. Ein Leben, abgebildet auf elf Songs; hierfür gibt es wohl vor allem zwei Möglichkeiten. Entweder man schafft Eigenes und in der Form Neuartiges, verarbeitet darin seine Erfahrungen, seine Schritte, seinen Weg. Oder aber man bedient sich an bereits vorhandenen Songs, die einen wiederum geprägt haben und vertont sie neu. Corr hat sich für letzteres entschieden und es ist ein gutes, interessantes, gleichwohl bisweilen etwas beiläufiges Album entstanden.

Anderea Corr und ihre Lebenslinien

Andrea Corr versuchte sich während einer musikalischen Auszeit zwischen The Corrs und ihrer Solokarriere am (Theater-)Schauspiel, das überwiegend mit positiven Kritiken bedacht wurde, dann aber kehrte sie sehnsuchtsvoll zurück zu ihrer eigentlichen Passion und veröffentlichte mit „Ten feet high“ ihre erste Soloplatte. In England landete sie damit auf einem sehr durchschnittlichen Platz 38, in Deutschland stand das Album sogar nur auf der 84. Vier Jahre später nun also die Rückkehr mit „Lifelines“. Dabei legt die Sängerin auf die Feststellung großen wert, dass die Entstehung des Albums jenseits jeglichen kommerziellen Drucks entstanden ist. Sie und insbesondere John Reynolds (arbeite mit U2 oder Sinead O'Connor zusammen; letztere taucht im übrigen im Hintergrund ab und an auf der Platte auf) nahmen sich die Zeit, die es zum Reifeprozess bedurfte.
Und tatsächlich kam eine Platte heraus, in der der Facettenreichtum einer Andrea Corr erstmals richtig zum Ausdruck kommt. Ohne den roten (oder grünen?) irischen Faden gänzlich aufzugeben, gibt sie einen variablen und interessanten Einblick in ihr bisheriges Leben. Sie spricht selber davon, dass ihr wichtig war, sich vorstellen zu können, wie die Musiker im Studio stehen und sitzen und die Songs einspielen – das funktioniert tatsächlich. Der Folk-Einfluss ihrer musikalisch-familiären Sozialisation bleibt dabei (größtenteils) erhalten. So interpretiert sie ihre erste Singleauskopplung „Tinseltown in the rain“ irisch. Im Original ist der Song von 1984, gesungen von den Schotten The Blue Nile und weist seinerseits keinerlei Spuren des Herkunftslandes der Interpreten auf.

Liebe, Verlust, Herzschmerz und -klopfen: Lifelines als Einblicke ins Seelenleben

Großartig gelang Andrea Corr die Einstieg- und Schlussgestaltung des Albums. Mit „Some things last a long time“ (ursprünglich 1961 von Daniel Johnston gesungen) hinterlässt sie nachdenkliche Zuhörer. Eingangs überrascht sie mit einem Bar-Blues, findet dann aber bereits in Song zwei („Pale blue eyes“) ihre englische Linie. Es folgt mit „Blue bayou“ der erste schnellere, belebende Track. Nachdem eine gute Hälfte geschafft ist, kann das Niveau leider nicht ganz gehalten werden, die Songs bleiben gut, wirken jedoch ein wenig beiläufig, bis es auf den Schluss zugeht und dieser ist, das kann gern ein zweites mal betont werden, wirklich besonders.
Einblicke und ein Kennenlernen mit Corr gefällig? Dann schauen Sie hier:

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„Falling in love, heartbroken, lost, found and lost again… Living.“ Mit diesen Worten überschreibt Corr das spartanisch gehaltene Booklet. Ihr Album ist authentisch, liebevoll produziert und Musik für entspannte Stunden – auch wenn sich der ein oder andere Song mit den Schattenseiten eines Lebens auseinandersetzt.

Andrea Corr ist im Reinen mit sich – und das lässt sich hören. Am 17. Juni kommt die Scheibe in Deutschland in den Handel, sie wird wohl zunächst um die 15€ kosten.

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