Altes aus Bücherhausen – ein kleiner Blick zurück auf 2006

Man nannte es das Mozart-Jahr. Oder das Heine-Jahr . Oder das von Sigmund Freud, Bertolt Brecht oder Robert Schumann. Es war auch das Jahr der Fußball-Bücher. Das Jahr des Sommers. Man  hätte es sogar das Kerkeling-Jahr nennen können.

Denn laut Spiegel-Liste sortierten wir in diesem Jahr vor allem Schätzings und Kerkelings in unsere Sachbuch-Regale. Besonders Letzterer hat als Bestseller-Neuling den Buchhandel über ein eher verkaufssensations-armes Jahr gerettet. Und er half kräftig mit beim Erreichen des Amazon.de-Rekords in einem insgesamt nicht überdurchschnittlich erfolgreichen Weihnachtsgeschäft.

Die Spiegel-BELLETRISTIK-Bestseller-Liste 2006 enthält neben den Grishams, Browns, Leons und Rowlings auch 9(!) deutschsprachige Autoren, die bemerkenswerterweise sogar komplett die Top 3 besetzen. Auf Platz 1: Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt". Zwar war das Buch bereits im Jahr 2005 veröffentlicht worden, die „Kehlmannisierung" wurde aber erst 2006 ausgerufen. Jedenfalls haben sich die Aussichten für deutsche Autoren damit nicht verschlechtert. Und auch Maxim Biller will ja jetzt im Lande bleiben.

Das Alter wurde zum Thema gemacht. (Walser, Bovenschen u.a.). Und größtenteils unselige Plagiats-Diskussionen (u.a. Zaimoglu, McEwen). Andere große Kontroversen betrafen Günter Grass, Peter Handke in Serbien, Jostein Gaarders Meinung zu Israel, Übersetzungsvergütungen und Urheberrecht, Eva Herman, Suhrkamp und Klagenfurt. Denn die Frage, ob Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig ernsthafte Schriftstellerin und damit dieses Preises würdig war oder nicht, beschäftigte das Feuilleton. Auch eher überraschend war der Deutsche Buchpreis für „Die Habenichtse" von Katharina Hacker. Der Nobel-Preis wurde dagegen etwas erwartungsgemäßer an Orhan Pamuk verliehen.

Gestorben sind im letzten Jahr Carola Stern („Doppelleben"), Karin Struck („Klassenliebe"), Peter Benchley („Der weiße Hai"), Hilde Domin („Aber die Hoffnung"), Jurij Brězan („Der Gymnasiast"), Stanisław Lem („Solaris"), Muriel Spark („Der letzte Schliff"), Robert Gernhardt („Lichte Gedichte"), John Jahr (Gruner&Jahr), Nagib Mahfuz („Die Kinder unseres Viertels"), Joachim Fest („Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches"), Oskar Pastior („Jalousien aufgemacht"), Allen Carr („Endlich Nichtraucher").

Kleiner Ausblick auf 2007:

Die großen Buchhandels-Ketten kaufen und kaufen und vielleicht sollten es die wahren Bücherfreunde gerade deswegen lieber woanders tun.

Das Internet wird auch der Buchbranche weiterhin neue Impulse geben, denen gegenüber sie sich nicht sperren sollte. Entsprechend zukunftsorientiert ist Literatur-TV als Spartenfernsehsender bereits auf Sendung gegangen und soll demnächst auch in Buchhandlungen zu sehen sein.

Voller Spannung erwarten wir die deutsche Veröffentlichung des französischen Buchs des Jahres 2006: „Les Bienveillantes" von Jonathan Littell und dessen deutsche Rezeption.

Und im Sommer wird der letzte Harry Potter erscheinen. Und es ist nicht schwer zu erraten, dass er wieder allerlei Rekorde brechen wird. Die Zahl der Vorbestellungen hob ihn (und seine deutsche Übersetzung) bereits jetzt auf Platz 1 (und 2) bei Amazon.de. Ob er da das ganze Jahr über stehen wird?

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