Alltag eines Satirikers

Ich finde für meinen ersten Bericht sollten meine noch unbescholtenen Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben. Von daher werde ich mal einen Tag aus meinem Leben schildern, der mich und meine Trinkgewohnheiten nachhaltig geprägt hat. Mein persönlicher 11. September oder so ähnlich…..

 Ein einschneidendes Ereignis sollte meinem bis dahin eher geordneten  Leben eine beeindruckende Wende geben. Es war eigentlich ein Tag wie jeder andere, meine besten Kumpels Hansa-Hannes, Dornkaart-Willy und Asbach-Arni nippten ein wenig lustlos an ihren Bierflaschen rum. Man kann nicht behaupten, dass sie auf mich warteten, aber man traf sich halt so gegen 1o Uhr am Stammkiosk zum wohlverdienten Frühschoppen. Ich war spät dran und das stärker werdende Zittern meiner linken Hand verriet mir, dass mein Körper Unpünktlichkeit hasste. Ich wusste nicht warum meine Kumpels so eine Leidensmiene aufzogen, sollte Ede unser liebgewordenes Urgestein und Kioskbesitzer der ersten Stunde etwa nach 10 Jahren zum ersten Mal die Bierpreise erhöht haben, schon der bloße Gedanke daran ließ mich erschauern, hätte der Monat dann doch glatt zwei Tage mehr, wo ich hätte anschreiben müssen. Ich merkte wie meine nun noch stärker zitternde Hand mein letztes Kleingeld in meiner Hosentasche noch fester umschloss. Doch je mehr ich mich meinen Kumpels und dem Kiosk näherte umso sicherer wusste ich, dass etwas faul war.

Kein noch so aufgesetztes Lächeln durchzog ihre unrasierten Gesichter, als ich weiter auf sie zulief und auch wenn so pseudofreundliche Begrüßungen bei uns verpönt waren, so wurden zur Begrüßung doch sonst eigentlich immer rituell die Pullen gehoben. Aber nichts dergleichen geschah und übelste Befürchtungen, dass Ede zumindest einen Bruchteil unserer offenen Deckel einfordern wollte, schlugen sich in meinem zermarterten und verkaterten Gehirn Bahn. Es musste ja einmal soweit kommen, warum konnten meine Kumpels auch genauso schlecht mit Geld umgehen wie ich, das war einfach zu viel. Meine Knie begannen auch schon zu schlottern, als ich mit schlimmsten Befürchtungen den Kiosk erreichte.

Ich grummelte ein „moin, moin" und schaute Asbach-Arni ein wenig fragend in seine schon leicht glasigen Augen. „Ist wer gestorben?" Meine Frage klang schon wie ein Vorwurf, aber das kollegiale Trübsal blasen ging mir tierisch auf den Wecker. Als allesamt die Köpfe leicht senkten und ihre Pullen mit beiden Händen wie zum Gebet umschlossen, wusste ich, dass ich mit meiner nicht ernst gemeinten Frage, dem Nagel die Birne eingeschlagen hatte.

Aber wer, waren doch alle da, oder hatte ich einen aus unserer Stammrunde vergessen……hmm…nein, wir waren immer zu viert, doch ehe mein Verstand mir signalisieren konnte, dass das mal wieder einer der alkoholumschwängerten Scherze meiner Kumpels war, vernahm ich aus dem halbdunkel des Kiosks jenseits der Konsumentenseite eine piepsige Stimme, die noch nicht ganz dem Stimmbruch „Good-Bye" gesagt hatte. Wollen sie irgendetwas kaufen? Ich muss wohl ein wenig entsetzt in dieses milchbübische Gesicht geschaut haben, aber die mir gänzlich unbekannte Person  wiederholte ihre Frage….wollen sie irgend etwas haben?

Ja den Ede, aber wacker zischte ich, ohne die Situation wirklich begriffen zu haben. Ede war seit 12 Jahren immer da und wenn mal nicht, dann war die Bude zu, also was wollte der Rotzlöffel von mir, dachte ich. Der Milchbubi gab nicht auf und für einen Augenblick vergaß ich meinen Bierdurst. „Hey Kleiner", wenn du nicht sofort  Edes Bude verlässt rufe ich die Polizei, sagte ich, wohlwissend, dass das wohl die Letzten wären, die ich je rufen würde.

Hansa-Hannes stellte seine noch fast volle Bierpulle an die Seite und wendete sich mir zu. Mit gedämpfter Stimme sagte er: „Ede wird nie wieder ein Bier über die Theke reichen"…….wieso, ist sein Rheuma in den Händen so schlimm geworden, antwortete ich leicht genervt und schaute den Milchbubi aus dem Augenwinkel immer noch ein wenig argwöhnisch an. „Ede ist Tod!" Sagte nun Dornkaat-Willy mit etwas lauterer Stimme, die Kellertreppe, er ist gestolpert, dabei ist er die Strecke doch schon Hunderttausendmal zum Bierholen gegangen, er schüttelte dabei langsam und ungläubig den Kopf. Asbach-Arni ergänzte noch, dass Ede sofort Tod, der Milchbubi sein Neffe war und die Bierpreise vorerst nicht erhöht werden würden. Ich war irgendwie erleichtert, aber merkte ich, dass unverhohlene Erleichterung der Situation nicht gerecht werden würde. Und so zwang ich mich mit ruhiger gedämpfter Stimme mein überfälliges erstes Bier zu bestellen, waren meine Schweißausbrüche doch kaum noch zu kontrollieren. Und du bist der Wodka-Wolli? Fragte der Milchbubi. Meine Miene wusste, dass sie nun ein Pokerface ziehen musste und so halbwegs gelang es mir auch. Mit einer heimlichen Bewegung deutete ich meinen Saufkumpanen an die Klappe zu halten, dann sagte ich, nein ich bin der Kaviar-Kalli! Der Milchbubi musste wohl oder übel die Kröte schlucken und auf meinen neuen Namen ließ ich direkt ne Runde anschreiben um meinen Kumpels einen Grund zu geben meiner Lüge nicht zu widersprechen. Ich freute mich diebisch, war ich doch so auf einen Schlag alle Altlasten losgeworden.

Zur Feier des Tages holte ich mir noch zwei Six-Packs beim Discounter, als ich an der Kasse schon wieder jemand Neues antraf umklammerte ich unmerklich meine kaum erworbenen Bierbestände, dass Ede so früh ging verschmerzbar, aber diese blutjungen Kassiererinnen, irgendwie tragisch, wo waren denn die Älteren? Die können doch nicht alle die Kellertreppe runtergestürzt sein…..und überhaupt…..das Bier wird doch wohl nicht teurer geworden sein

3 Meinungen

  1. Wieviele Menschen glauben an Astrologie und welche Unsummen werden täglich dafür ausgegeben.Sie können diesen Leuten 1000 mal erklären, daß Merkur, Venus, Mars oder gar Jupiter, Saturn, Uranusund Neptun soweit von uns entfernt sind daß da garantiert nichts mehr zu uns strahlt.Was der Mensch glauben möchte, das glaubt er. Mag es noch so unsinnig sein

  2. @ Realist.“Was der Mensch glauben möchte, das glaubt er. Mag es noch so unsinnig sein.“.Und das schlimme dabei ist , dass er das geglaubte auslebt und damit fälschlicher Weise meint, sein Glaube ist damit in Erfüllung gegangen..Aber lassen wir sie doch glauben, solange sie friedlich bleiben..αιλ

  3. Haha 😀 Das kenn ich nur zu gut… Das Discountersixpackschlepping… Jeden Freitag – allerdings bei mir weniger Bier, dafür mehr alkoholfrei 😉

    Ich lass mal ein paar Grüße da.

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