Alkohol bei Jugendlichen: Aufklärung und Präventivmaßnahmen

Jugendliche testen gern ihre Grenzen aus und experimentieren mit allem möglichen herum. Dazu gehört auch Alkohol, der relativ einfach verfügbar ist und bei manchen Familien sogar offen zugänglich im Schrank steht. Wein, Bier und Sekt darf bereits an Sechszehnjährige ausgeschenkt werden, in Begleitung der Eltern sogar an Vierzehnjährige, während höherprozentiges, aber auch die beliebten Alcopos erst ab 18 Jahren konsumiert werden dürfen.
Stress in der Schule, Liebeskummer, Angst vor der Zukunft, mangelndes Selbstbewusstsein oder andere Probleme lassen Jugendliche besonders gern zu Alkohol greifen, da dessen Genuss entspannen und von Sorgen ablenken kann. Alkohol bei Jugendlichen muss zwar nicht zwangsweise zu späterem Alkoholismus führen, wird aber von vielen noch immer unterschätzt.

Für etwa zehn Prozent der Jugendlichen, die schon frühzeitig und oft zu Alkohol greifen, beginnt damit früher oder später ernstzunehmender Alkoholismus. Dies wird noch begünstigt dadurch, dass Alkohol hierzulande eine gesellschaftlich akzeptierte Droge ist. In Deutschland sind nach neueren Untersuchungen 1,6 Millionen Menschen (!) alkoholabhängig. Außerdem ist Deutschland, was den Alkoholkonsum angeht, ein Spitzenreiter in Europa.

Umstrittene Flatrate Parties, bei denen ein Pauschalbeitrag bezahlt wird und man dann soviel trinken kann, wie man möchte, führen oft zu einem verstärkten Alkoholkonsum. Diese Parties sind zunehmend in die Kritik geraten.

Manche Jugendliche veranstalten untereinander regelrechte Besäufnisse (gern auch als „Koma-Saufen“ bezeichnet) mit Wettbewerbscharakter. Das fatale daran ist der Gruppenzwang unter Jugendlichen – wer nicht mitmachen will, gilt schnell als Außenseiter. Besäufnisse dieser Art können im schlimmsten Fall mit einem unfreiwilligen Besuch im Krankenhaus enden. Aber auch andere Folgen, wie Erbrechen, Übelkeit und ein Kater am nächsten Morgen, sind alles andere als „cool“.

Alkohol bei Jugendlichen: Darauf sollten Sie achten!

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Aufklärung über Alkohol

Alkohol bei Jugendlichen ist ein ernstes Thema, das auch der Aufklärung durch die Eltern bedarf. Es gibt mittlerweile schon Kampagnen, die Jugendliche und junge Erwachsene über Alkoholmissbrauch aufklären möchten, z.B. „Kenn dein Limit“ – auf den Plakaten und in Werbespots sieht man fröhliche, attraktive junge Erwachsene beim Alkohol trinken, kombiniert wird dies mit erschreckenden Sätzen wie „Er verliert nicht nur den Führerschein“. Machen Sie Jugendlichen die Risiken übermäßigen Alkoholkonsums deutlich und verharmlosen Sie nichts.
Gehen Sie dabei auch mit Verständnis auf die natürliche Neugier der Jugendlichen ein. Falls Sie selbst als Jugendlicher mit Alkohol herumexperimentiert haben, können Sie das natürlich erzählen, aber stellen Sie es nach Möglichkeit nicht als tolles Abenteuer dar, sonst machen Sie Teenager erst recht neugierig. Hier sind einige Wirkungen von starkem Alkoholkonsum, auf die Sie eingehen sollten:

  • Gedächtnislücken oder Erinnerungsschwierigkeiten
  • Betäubende Wirkung, Schmerzen werden unterdrückt – teilweise kann das gefährlich sein, da Schmerzen natürliche Schutzmechanismen sind, die einen vor Schlimmerem bewahren können.
  • verzerrte oder vernebelte Wahrnehmung
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Sichtfeld verkleinert sich
  • taumelnder Gang, mangelde Balance
  • Lallende Sprache
  • Hemmschwelle sinkt, Bereitschaft zu riskantem Verhalten steigt
  • Aggressivität kann deutlich zunehmen
  • Langfristiger starker Alkoholkonsum führt zu Leber-, Nerven- und Gehirnschäden

Es gibt auch sehenswerte – und abschreckende – Dokumentationen über Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen, z.B. „Saufen, bis der Arzt kommt“.

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Präventivmaßnahmen

Hier sind einige Maßnahmen, die Sie selbst vorbeugend gegen allzuviel Alkohol bei Jugendlichen ergreifen können.

  • Versuchen Sie nicht, alle Probleme ihres Kindes zu lösen. Helfen Sie ihm eher dabei, wenn möglich, seine Probleme selbst zu lösen.
  • Übernehmen Sie eine Vorbildfunktion, indem Sie Ihren eigenen Konsum von Alkohol und Zigaretten soweit wie möglich einschränken.
  • Halten Sie Alkoholvorräte in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus unter Verschluss. Am besten ist es, wenn Sie so wenig Alkohol wie möglich auf Vorrat zuhause haben.
  • Lassen Sie ihr Kind nicht für Sie Alkohol einkaufen.
  • Vermeiden Sie, mit Alkohol zu kochen. Kaufen Sie auch keine Fertiggerichte, Süßspeisen oder Mundspülungen, die Alkohol enthalten. 
  • Stellen Sie gemeinsam mit dem oder der Jugendlichen Regeln für ihren oder seinen Alkoholkonsum auf, aber seien Sie nicht zu streng. Allzu strikte Regeln führen meistens nur zu Widerstand beim Jugendlichen und es ist wahrscheinlich, dass er sie früher oder später heimlich brechen wird.
  • Sprechen Sie mit ihrem Kind über Probleme oder bieten Sie zumindest Gespräche an. Zeigen Sie dabei, dass Sie Verständnis für die Sorgen und Probleme ihres Kindes haben, auch wenn Sie diese eventuell selbst für etwas übertrieben halten. Auch negative Erfahrungen und Gefühle, wie Wut, Frustrationen und Trauer gehören zum Leben dazu. Sprechen Sie mit ihrem Kind verständnisvoll auch über solche Gefühle. Machen Sie ihm deutlich, dass es diese nicht verdrängen muss.
  • Schaffen Sie Möglichkeiten für zwanglose gemeinsame Gespräche, zum Beispiel regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten am Wochenende in entspannter Atmosphäre.
  • Unternehmen Sie viel mit Ihrem Kind, zum Beispiel Ausflüge, Spielenachmittage oder ähnliches. Achten Sie dabei auf die Interessen ihres Kindes. 
  • Geben Sie ihm auch die Möglichkeit zu Aktivitäten mit Gleichaltrigen, z.B. Sport oder Musizieren.
  • Lassen Sie ihr Kind altersgerechte Aufgaben übernehmen, aber überfordern Sie es nicht. So lernt es Verantwortung zu übernehmen und fühlt, dass es gebraucht wird.
  • Halten Sie schon früh eine gute Balance in der Erziehung – zuviel Strenge und Regeln wirken sich wahrscheinlich letztendlich ebenso negativ aus wie zuviele Freiheiten, so dass Kinder in beiden Fällen das Bedürfnis entwickeln könnten, über die Stränge zu schlagen.

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