Abschalten im Rheinland

Finden Sie nicht auch, dass das Leben des modernen Menschen ganz schön anstrengend geworden ist? Auch ich habe oft das Bedürfnis dem Stress zu entfliehen. Das gelingt mir am besten, wenn ich mich auf eine Reise begebe. Aber das ist natürlich nicht immer möglich. Also mache ich öfters mal am Wochenende einen Ausflug. Denn schon die nähere Umgebung hat viel zu bieten. Allerdings muss man wissen wohin, vor allem, weil die schönsten Plätzchen ja manchmal recht versteckt liegen.

Also habe ich mir gesagt, da schreibe ich mal einen Wanderführer oder besser gesagt Ausflugsführer der etwas anderen Art. Einen der zu ganz besonderen Plätzen führt – zu Orten der Muße. Das können ganz verschiedene Fleckchen sein, z.B. ein altes Kloster, eine kleine Kapelle, ein stiller See oder ein einsamer Berggipfel. Einfach Orte, an denen man dem Alltag entfliehen und abschalten kann.

Fraubillenkreuz

Zusammen mit meinem Co-Autor Willy Peter Müller und unserem Fotografen Eddi Meier war ich dann über ein Jahr lang vor allem in der Eifel unterwegs, die zu meinen Lieblingslandschaften gehört. „Ertippelt“ haben wir unter anderem das zauberhafte Lampertstal. Dort führt ein jahrhundertealter Kreuzweg auf den Kalvarienberg. Das Besondere ist: Ringsherum wachsen Wacholderbüsche – und die sehen aus wie Zypressen, so dass man sich fast wie in Italien fühlt.

Spannend fand ich auch unseren Rundgang durch den Schlosspark von Türnich. Denn dieser große Garten ist nicht nur sehr hübsch, er hat auch eine abwechslungsreiche Geschichte. Im 19. Jahrhundert existierte hier ein recht berühmter Landschaftspark. Damals waren solche Parks ja komponierte Gesamtkunstwerke, wie ein Gedicht oder ein Gemälde. Doch dann kam der Tagebau und das Grundwasser senkte sich ab. Das bekam der Natur natürlich gar nicht gut. Die Bäume starben und auch das Schloss bekam Risse.

Seit gut 25 Jahren versucht der Besitzer, der Graf von Hoensbroech, das Areal zu rekultivieren. Allerdings im Sinne eine neuen ökologisch-orientierten Landschaftsarchitektur, bei der auch ungewöhnliche Methoden zum Einsatz kommen. So wurde dieser Park u. a. akupunktiert. Ein slowenischer Künstler kam und setzte Steine in die Erde, welche die Wirkung wie Akupunkturnadeln haben sollen.

Gleich mehrere Ausflüge wert ist auch das Ferschweiler Plateau. Bei unserer achtstündigen Wanderung über das Hochplateau sind wir keinem anderen Menschen begegnet – und es ist wirklich ein magisches Fleckchen: Dort findet man die Reste von prähistorischen Ringburgen, römische Gräber, die einfach so im Wald herumliegen und geheimnisvolle Menhire, wie das Fraubillenkreuz. Ein 3,5 Meter hoher Menhir, der irgendwann zu einem Kreuz umgemeißelt wurde. Was es damit für eine genaue Bewandtnis hat, weiß niemand. Aber es gibt viele Legenden, die sich darum ranken. Auch wir haben in unserem Buch viele Geschichten einfließen lassen, die um die Orte gewebt wurden. Historisches, aber auch Sagen oder Schauermärchen. Davon ist manches natürlich nicht ganz ernst gemeint – eher als atmosphärische Anregung gedacht. Wer sich darauf einlässt, kann vor Ort vielleicht noch besser abschalten.

Orte der Muße. 12 Ausflüge zu zauberhaften Plätzen im Rheinland, Autoren: Gerti Keller, Willy Peter Müller, Fotograf: Eddi Meier, erschienen im J. P. Bachem Verlag, 2006, ISBN: 3761619375 EUR 12,95, www.bachem.de

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