‚a god somewhere‘: Der Fall eines Superhelden

Stellt euch vor, euer bester Freund würde ein schreckliches Unglück nicht nur überleben, sondern vollkommen unangetastet überstehen. Stellt euch vor, er wäre danach anders, stärker, kräftiger, unbesiegbar. Stellt euch vor, er wäre so etwas wie ein Superman.
Wie lange braucht es, bis diese Kraft sein Ego und letzten Endes sogar seine Menschlichkeit korrumpieren? Und gibt es irgendjemanden, der ihn aufhalten kann, wenn er doch der stärkste Mann der Welt ist?

a god somewhere – Das Menschliche im Göttlichen suchen

Die Geschichte der Freundschaft zwischen den Brüdern Hugh und Erik, Shawn und Hughs Frau Alma dient als Rahmen einer Superhelden-Story, die schneller aus den Fugen gerät, als selbst im zynischen „Watchmen“ dargestellt.
Autor John Arcudi spinnt die Überlegung weiter, was ein Mensch tun würde, wenn er Kräfte hätte, die das Menschliche übersteigen. Der vorwiegend für humoristische Comics a la „The Mask“ und „Major Bummer“ bekannte Autor wirft einen kritischen Blick auf die Entfremdung, die das Superhelden-Dasein für das Individuum bedeutet, erzählt dies gleichzeitig aus der Perspektive des besten Freundes, der – hilflos wie der Leser – versucht, zu verstehen, was mit seinem Freund passiert.

Das Alles wird von Peter Snejbjerg („The Dreaming“, „The Abyssal Plain“) in Schatten gezeichnet, mit klaren Linien wird so der Blick auf das Wesentliche gerichtet, interessanterweise färben sich die Seiten zum Ende hin in immer dunklere Farben, um in den letzten Panels den blauen Himmel herauf zu beschwören.

Wie auch in der Story selbst wird nicht alles erwähnt, bleiben die Gesichter fragend im Dunkeln, so dass man den Soap Opera Moment, in dem die Emotionen klar wie Brühe dargestellt werden, niemals zu fassen bekommt.

Was wäre wenn…

In „a god somewhere“ (man beachte das kleingeschriebene „god“) werden Fragen der Menschlichkeit gestellt, das hypothetische Szenario, wie die Medien, die Umwelt, aber auch die Familie eines neu geborenen Superhelden auf den Übermenschen reagieren und wie all diese Macht sich auf ihn selbst auswirkt.
Dabei wird es dem Leser nicht einfach gemacht, Fragen bleiben unbeantwortet, die Moral am Ende muss schon von uns selbst gezogen werden.

Brutal, erbarmungslos und vor allem durch die individuellen Schicksale der Protagonisten persönlich gehalten, ist „a god somewhere“ eine schwere Kost, die im Superhelden-Genre definitiv hervor sticht, nicht zuletzt, weil sie die oftmals glorifiziert beantwortete Frage in ein anderes Licht rückt: Was würde ich tun, wenn ich plötzlich ein Superheld wäre? Oder anders gefragt: Was würde ich tun können, wenn mein Freund Superheld wird?

Ab dem 13.2.2012 im Handel unter Vertigo/Panini.

Eine Meinung

  1. Ich hasse gute Geschichten. Die Welt ist nicht gut. Aber sie ist auch nicht schlecht. Es ist zum Kotzen kompliziert. Deshalb ein paar Selbstverständlichkeiten vorneweg: Erstens, selbst wenn ich gelebt hätte, würde es mich nicht geben. Und zweitens: Alle waren in Woodstock – außer mir und den Beatles

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