Kulturprojekte. Rammstein

Das Kapitel mit der Überschrift „Unterhaltung" fand dabei am meisten Zuspruch. So hatte ich zwei Studenten, die über klassische Musik sprachen, speziell Mozart. Eine der Beiden studiert Musik und spielt das Saxophon. Ihr Partner aber wählte Mozart, weil er von dessen Leben fasziniert war, besonders von seiner Produktivität. Beide kannten den Film Amadeus (http://de.wikipedia.org/wiki/Amadeus_(Film)) und untermalten ihre Presentation mit Clips von der DVD. Das lief also wie geschmiert.

Anders zwei Jungen, die über Rammstein http://de.wikipedia.org/wiki/Rammstein sprechen wollten. Grundsätzlich ist meine Einstellung, die Leute an dem arbeiten zu lassen, was ihnen gefällt und ihre Hobbys und Interessen in den Unterricht einzubringen. Aber bei Rammstein war ich mir nicht sicher, in wieweit die Texte für den Rest der Klasse verletzend sein könnten. Schließlich wurde die Gruppe bekannt durch Lieder wie „Bestrafe mich", „Bück dich" oder „Weißes Fleisch". Also habe ich mir vorher sagen lassen, welche Titel die Beiden spielen wollten (keinen der Inzest, Pädophilie, Nekrophilie oder Sadomasochismus Songs).

Die Tatsache, dass Student A über Rammstein sprechen wollte, ist auch Ausdruck davon, dass die deutsche Gruppe in den USA bekannt ist. Der Rest der Klasse war ebenfalls mit deren grössten Hits vertraut. Natürlich eher weniger mit dem (deutschen) Text der Lieder. Ich komme besser, wenn ich das akzeptiere, als wenn ich eine künstliche Deutsch-Lern-Atmosphäre herstelle.

Alle wussten, dass Rammstein nach einem Konzert hier in Massachusetts verhaftet wurde, eben wegen indecency (Unanständigkeit, Anstößigkeit), die darin bestand, einen Song sehr lebhaft nachzustellen (war es „Bück dich"?). Kurze Zeit darauf wurden sie nach Bezahlen einer Strafe wieder entlassen. Eine kritische Darstellung wäre mir am liebsten gewesen, vor allem eine Stellungnahme dazu, inwieweit die Gruppe rechts eingeordnet werden kann/muss oder nicht nach deren eigenen Aussagen. Zu einer Diskussion kam es nicht. Die Studenten stellten die Band und ihre Mitglieder vor, deren Alben und zwei Videos. Wie bereits in dem exzellenten Wikipedia Artikel geschrieben, erwähnten sie die Mehrdeutigkeit von ‚du hast’ und  ‚du hasst’ – ein Zugeständnis an meine Forderung, Vokabeln zu besprechen, so dass für den Rest der Klasse ein Lerneffekt entsteht.

Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass nicht jede Stunde perfekt verlaufen kann. Nach diesem Vortrag war ich nur erleichtert, keine schlafenden Hunde geweckt zu haben. Eine Diskussion über Sexualpraktiken wäre wirklich das Letzte, was ich mir für den Deutschunterricht wünschte. Positive Aspekte? Der Vortrag passte zum Thema …, war weder sexually, religiously and / or racially offensive; Deutsch-Lern-Effekt wenigstens durch die Titel der Alben, das besprochene Lied und einige Textzeilen erzielt. Manchmal muss man sich eben mit weniger zufrieden geben.  

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