Wiebke Lorenz: Allerliebste Schwester

Noch kurz vor ihrem Tod hat Marlene versucht, Eva zu erreichen. Doch die ist nicht an ihr Handy gegangen. Sie lag mal wieder bei irgendeinem Fremden auf der verzweifelten Suche nach Liebe, ausgebrannt und frustriert. Immer war sie das schwarze Schaf, immer Marlene das Goldkind. Marlene dafür zu hassen, das gelang ihr nicht. Das wollte sie auch nicht. Und doch konnte sie nicht anders als das zu begehren, was die Schwester hatte. Unter anderem deren Mann. Aus Schuldgefühlen heraus heiratet Eva sogar den Witwer und nimmt die Stelle ihrer Schwester ein. Sie arbeitet in ihrem Job, führt ihr Leben und versucht so, Vergeltung zu finden. Statt dessen findet sie seelische Abgründe, von denen aufgrund der äußeren Fassade nichts zu merken war. Das macht ihr klar, wie wenig Verbundenheit noch zwischen ihr und ihrem Zwilling herrschte und gemeinsam mit dem Geist der Toten, der ihr regelmäßig erscheint, versucht sie, aus dem Teufelskreis auszubrechen. Wobei sie neue heraufbeschwört….

Ein spannendes Psychodrama, dessen Ausgang zwar irgendwann erahnbar aber nicht vorhersehbar ist. Der Autorin ist es gelungen, die feinen Spinnweben der Verbundenheit, die noch herrschen, sichtbar zu machen und dabei deutlich zu zeigen, wie fest auf der einen Seite und wie verletzlich auf der anderen ein solches Netz sein kann.

Wiebke Lorenz: „Allerliebste Schwester“, erschienen im März 2010 bei Karl Blessing, zu haben für rund 17 Euro.

 

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