Wie macht man Zukunft? Ein Erfahrungsbericht.

Ich saß und lag also 48 Stunden unter einer uralten riesigen Kiefer auf rund 1.000 m Höhe. Zwei Tage, die ich mir selbst schenkte. Langsam kam das Denken zur Ruhe. Ich machte Zwischenbilanz. Seit rund 20 Jahren beschäftige ich mich nun intensiv mit Zukunft und Innovation. Habe in meiner journalistischen Zeit hunderte Experten interviewt. Wer ist mir jetzt noch am stärksten in Erinnerung, wer hat mich wirklich beeindruckt und geprägt?

Vor allem zwei Gespräche sind mir in Erinnerung. In den frühen 90ern interviewte ich Uffe Elbaek in Arhus, den Gründer der Kaospiloten. Ich war fasziniert von dem, was er da auf die Beine gestellt hatte: Eine neuartige Schmiede für angehende ManagerInnen, die lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Wie Piloten, die plötzlich ein brennendes Triebwerk oder Terroristen an Bord haben und in diesem Chaos blitzschnell entscheiden müssen. Ich liebte die sprühende, inspirierende Atmosphäre in den bunten Räumen einer ehemaligen Fabrik. Einen Satz von Uffe habe ich bis heute nicht vergessen. Wir sprachen darüber, wie man denn am besten die Zukunft voraussagen kann. „Christoph, the best way to predict the future is to create it!“ Er meint, ein aktives eigenes Gestalten der Zukunft gibt die größte Sicherheit beim Vorhersagen dessen, was auf uns zukommt.

Es war ein kalter Januartag 1998, als ich mit dem Zug von Manhattan raus nach Westport fuhr, um mit Watts Wacker zu sprechen. Es gefiel mir, wie er da am Land in einem einfachen Haus lebt und mutig über die Zukunft vordenkt. Er hatte gerade das Buch „The 500 year delta“ geschrieben. Echt wahr: Er wagt Prognosen für die nächsten 500 Jahre. Und Unternehmen wie Coca Cola bestellten Studien, wie ihr Unternehmen in 500 Jahren dastehen wird. Watts Wacker sagte mir: „To be honest: The future is unpredictable. But the good news is: We enter the age of possibility.“ Beide, Elbaek und Wacker, beeindruckten mich am meisten, weil sie eine so positive Einstellung und Ausstrahlung haben. They walk their talk. Sie glauben, dass vieles möglich ist, und sie handeln danach. Ich will jetzt nicht verraten, was in meinen 48 Stunden alles geschehen ist. Sicher mehr als sonst in einer ganzen Woche . Nur soviel: Es hat mein Leben, mein Engagement, meine Arbeit (lieber als Arbeit sage ich: mein Schaffen) wieder zurechtgerückt. Hat mich ermutigt, meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Meine ganz eigene Zukunft zu erschaffen. Jeden Tag neu. Unabhängig davon, was andere von meinem Weg halten. Hey, es gibt so viel Spannendes zu erleben und zu tun – und wir leben wirklich im age of possibility. Ja, ich möchte die Grenzen des Möglichen austesten. Auch wenn ich dabei immer wieder mal auf die Fresse falle. Der uralte Baum, unter dem ich saß, hat schon viele Stürme überlebt, und sogar Waldbrände. Aber er wächst immer noch. Jahresring um Jahresring. www.kaospilot.dk www.firstmatter.com

Eine Meinung

  1. Christiane Wolff

    Hey Christoph,erst mal herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag nachträglich und alles Liebe für Dich! Du hast Dir mit den zwei Christoph-Alleinsein-Tagen ein ganz großes Geschenk gemacht und uns mit Deinem Beitrag. Wow! Gänsehaut…Liebe GrüßeChristiane

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