Wer wird Platz nehmen im Elysée-Palast?

Jacques Chiracs Tage sind gezählt. Er wird nicht versuchen, seinen Platz im Elysée-Palast zu verteidigen, entgegen hartnäckiger Gerüchte, denen er Anfang März eine knallharte Absage erteilte.

 

Der ausscheidende Präsident Jacques Chirac.

In der letzten Zeit hatte Chirac mehr und mehr seinen Charme und seinen anfänglichen Reformergeist verloren. Die Ablehnung der Franzosen beim Referendum über die neue EU-Verfassung im Jahre 2005 schien ihm schon vor Ablauf seiner Präsidentschaft das handlungspolitische Handwerk gelegt zu haben.

Die drei heißesten Anwärter

Für Abwechslung sowie für Diskussionsstoff sorgen die momentan in den Wählerumfragen ganz vorn rangierenden Kandidaten für das höchste Staatsamt: der konservativ-bürgerliche Nicolas Sarkozy (UMP), die Sozialistin Ségolène Royal (PS) und der zentristische François Bayrou (UDF). Zwar wird der bis vor kurzem noch als Innenminister agierende Sarkozy als Favorit gehandelt, aber sowohl Royal und Bayrou werden gute Chancen auf den zweiten und entscheidenden Wahlgang am 6. Mai eingeräumt. In dieser Stichwahl treten die beiden Gewinner von der Wahl am 26. April gegeneinander an.

Royal offenbart inhaltliche Schwächen

Royal kam kurz nach ihrer Wahl von ihrer Parti socialiste (PS) als erste Frau für das Präsidentschaftsamt sehr große mediale Aufmerksamkeit zu Teil. In Umfragewerten führte sie gar eine zeitlang vor ihrem Hauptkonkurrenten Sarkozy das Feld an. Doch schon in den Fernsehduellen mit „Sarko" offenbarten sich ihre größten Schwächen: die schwache Argumentation und ihre unklare politische Linie. Zudem tat sie sich in den außenpolitischen Gefilden schwer und formulierte nur vage, wie sie den EU-Verfassungsprozess bei gewonnener Wahl vorantreiben wolle. Zudem wechselte Royal ihre Themenschwerpunkte fast wöchentlich ohne sie dabei wirklich zu konkretisieren. So blieb die von den Bürgern bestimmte Politik, die Royal dann ausführen wolle, bis zum heutigen Tage undefiniert.

 

Sie könnte die erste Präsidenten Frankreichs werden: Ségolène Royal  

Mittlerweile liegt sie ein paar Prozentpünktchen hinter Sarkozy. Um sich eine Chance auf die Stichwahl und somit auf den Einzug in den Elysée-Palast zu bewahren, muss Royal ihre politische Position und damit auch einhergehend ihren politischen Kurs klar erkennbar für die Bürger Frankreichs bestimmen. Dann könnte sie Sarkozy, nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Ausstrahlung und ihrer immer noch vorhandenen Medienpräsenz, Paroli bieten.

Statt auf schwammige Formulierungen setzt Bayrou auf die Haushaltssanierung

Doch bis vor kurzem hatte fast niemand die Rechnung mit dem gemäßigten Liberalen François Bayrou gemacht, der der UDF vorsitzt – der Partei Giscard d'Estaings. Leise und ohne Aufsehen arbeitete sich Bayrou, der bereits 1993-97 Bildungsminister war, bis 1998 zum Parteivorsitz hoch. Im Gegensatz zu den relativ schwammig formulierten Vorhaben von der linken Royal und dem bürgerlichen Sarkozy, setzt Bayrou konkret zunächst auf die Sanierung des arg maroden Haushalts, allerdings ohne dabei die Bildungsinvestition zu vernachlässigen. Zudem wirbt er für eine vereinfachte EU-Verfassung, da er nicht zuletzt der Meinung ist, dass die EU eine der schönsten Konstruktionen der ganzen Menschheit sei.

 

Mutiert der Zentrumspolitiker François Bayrou zum möglichen Präsidenten Frankreichs?

In Sachen Charisma und Ausstrahlung sind ihm seine beiden Hauptkontrahenten allerdings weit voraus. Royal aber vor allem Sarkozy inszenieren sich gekonnt und auch pompös während Bayrou die Wirkung der kleineren Auftritte einkalkuliert. So verkündete er in seinem bäuerlichen Heimatdorf Bordères seine Präsidentschaftskandidatur, was im krassen Gegensatz zur Wahl Sarkozys zum Kandidaten stand, die in einer fünf Millionen Euro teuren Veranstaltung vollzogen wurde. Der immer ruhig artikulierende Bayrou offenbart seinen Ehrgeiz für das höchste Staatsamt nicht so offensichtlich wie Sarkozy, doch es könnte ihm dennoch gelingen, seine Union pour la démocratie française (UDF) in der politischen Mitte zu etablieren und sich wohlmöglicherweise in die Stichwahl zu katapultieren.

Sarkozy ist ehrgeizig und polarisiert wie kein Zweiter

Nicht selten lagen die Demoskopen falsch, daher sollte sich niemand, schon gar nicht der überambitionierte Sarkozy, in Sicherheit wiegen. Der Ehrgeiz und sein Durchsetzungsvermögen wurden ihm in die Wiege gelegt. Auf der Flucht vor den kommunistischen Auswüchsen, verschlug es ihn mit seinem ungarischen Vater nach Frankreich. Dort startet Sarkozy, dessen großes Vorbild Jacques Chirac war, seine politische Karriere und durchschritt schnellen Schrittes verschiedenste Stationen. So wurde er mit 28 Jahren der jüngste Bürgermeister in Frankreich vom Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine. Von 1993-97 war er Haushaltsminister unter dem Premierminister Balladur und seit Ende 2004 ist er Vorsitzender der von Chirac 2002 neugegründeten Union pour la Majorité Présidentielle (UMP). Doch bereits 1995 entzog Sarkozy seinem Vorbild seine Unterstützung im Präsidentschaftswahlkampf und schenkte diese stattdessen Chiracs parteiinternen Herausforderer Balladur. Nach einer harten Aufholjagd des späteren Wahlsiegers Chirac beruft dieser Sarkozy erst im Jahre 2002 zum Innenminister. Nicht nur in diesem Amt polarisiert Sarkozy wie kein anderer französischer Politiker.

Wird Nicolas Sarkozy seiner Favoritenrolle gerecht werden können? 

Höhepunkt bildeten bis dato seine Beschimpfungen randalierender Jugendlicher in den Pariser Vororten als „Abschaum" Ende 2005, was Sarkozy vor allem im Lager der Jugendlichen zu einer regelrechten Hassfigur stigmatisierte. Ob sich Sarkozys politisches Motto, dass er nicht erwarte, dass man ihm etwas gibt, sondern dass er sich es einfach nehme, nicht als ein Bumerang entpuppt, werden gerade die vielen unentschlossenen Wähler entscheiden. Auch die Stichwahl wird eine hohe Spannung in sich bergen, da es wegweisend sein wird, welcher Partei die Wähler ihre Stimme geben, wenn ihr Favorit nicht mehr zur Wahl für das höchste Parteiamt stehen wird.

4 Meinungen

  1. auch wenn die Royal schwächelt, lieber die „Sozialistin“ als den rechten Hardliner.watch:http://www.youtube.com/watch?v=rsKryWZ69bM

  2. „Deutschland hat den Genozid im Blut“. Wer hat das gesagt? Sarkozy !Und keine Reaktion der deutschen Regierung !!!!

  3. ich würde mich freuen wenn die Leute so wie in Frankreich auf die Straße gehen. Aber dieses hat Frankreich schon seit Jahrhunderten im Blut.

  4. Hallo,so ein langweiliges Blog gibt es nicht noch mal hier im Net.Hier ist seit Wochen nichts los.Und Tschüß.Stark bleiben!

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