Walter Moers‘ Arschloch in Öl: Kunst, Parodie und Provokation

Walter Moers‘ kleines Arschloch hat in vielen Comics, Satirezeitschriften und sogar zwei Kinofilmen bewiesen, dass es eine der unflätigsten und witzigsten Erfindungen der deutschen Comiclandschaft ist.

Der Autor und Zeichner hat seinem infamen Protagonisten aber nicht nur Kurzgeschichten gewidmet, sondern sich auch andere Medien vorgenommen. So ist „Schöner leben mit dem kleinen Arschloch“ geradezu die Krönung des Schaffens rund um seine anarchische Figur – und mit „Arschloch in Öl“ präsentiert Walter Moers eine Parodie nicht nur auf klassische Kunstwerke, sondern vor allem auf deren Rezeption.

Walter Moers parodiert fünftausend Jahre Kunstgeschichte

Tatsächlich ist Walter Moers immer dann am Besten, wenn seine Einfälle auf mehreren Ebenen funktionieren. So ist sein „Kapt'n Blaubär“ gleichzeitig eine aberwitzige Figur aus dem Kinderfernsehen und eine ironische Satire innerhalb seiner „Zamonien“-Romane. „Arschloch in Öl“ nun stellt sich der Herausforderung, nicht nur die Stile verschiedener Künstler aus vier bis fünf Jahrtausenden nachzuahmen, und sein kleines Arschloch in den Fokus zu rücken, er emuliert auch die aus Kunstkatalogen bekannten Bildunterschriften auf gekonnte Weise.

Von erotischen Vasen aus Griechenland und den Dämonen von Hieronymus Bosch über den Post-Impressionismus von Toulouse-Lautrec (aus dessen Ölgemälde „Aristide Bruant dans son cabaret“ wird dabei „Le petit connard et son chien masochiste“) und Picassos Kubismus bis zu Pop-Art-Künstlern Andy Warhol und Roy Lichtenstein lässt Moers keine wesentliche Phase aus und positioniert sein kleines Arschloch prominent in seinen Bildern mit dazu passender Erläuterung des Künstlers und seiner Zeit.

Gelungene Kunst-Parodie mit Selbstironie

Die Parodie richtet sich trotz ihrer oftmals brachialen Ansätze nicht an ein schenkelschlagendes Publikum, sondern einerseits an Kenner der parodierten Bilder und andererseits an eine Leserschaft, die sich an der Kunst der Formulierung erfreuen kann. Denn der Erfinder des kleinen dicken Jungen mit Brille ist nicht nur ein begnadeter Zeichner, sondern auch ein Meister des geschliffenen Wortwitzes.

„Arschloch in Öl“ ist bereits 1993 erschienen, kann aber immer noch bestellt werden. Für Comicfans und für Kunstliebhaber mit einer gesunden Portion Selbstironie darf dieses parodistische Meisterwerk in der Sammlung nicht fehlen.

Eine Meinung

  1. Ist wirklich uuuuuuralt das Buch, aber witzig…………… Moers ist irgendwo Kunst…….

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