Vor 70 Jahren: Hiroshima verglüht im Atominferno

Am 6. August ist es genau 70 Jahre her, dass der US-Bomber mit dem Spitznamen „Enola Gay“ über der japanischen Stadt Hiroshima seine tödliche Fracht abwarf. Diese Fracht mit dem trügerischen Namen „Little Boy“ löste ein Inferno aus, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte. Auch heute diskutieren Fachleute, ob dieser erste Abwurf einer Atombombe half, den Zweiten Weltkrieg zu beenden oder ob er völkerrechtlich und ethisch nicht zu verantworten war.

Codename „Manhattan-Projekt“

Seit 1942 hatten die USA unter Leitung des Physikers Robert Oppenheimer den Bau der Atombombe vorangetrieben. Codename: „Manhattan-Projekt“. Zunächst war Deutschland für den ersten Einsatz vorgesehen, aber nach dessen Kapitulation am 7. Mai 1945 rückte Japan in den Fokus. Zumal das Kaiserreich Mitte 1945 weiterhin große Teile Asiens beherrschte und die meisten seiner Soldaten immer noch äußerst kampfbereit waren.
Am 26. Juli 1945 verlangte US-Präsident Harry S. Truman die bedingungslose Kapitulation Japans und kündigte weitere Luftschläge an. Einen möglichen Einsatz der Atombombe erwähnte Truman dabei nicht. Japan hoffte auf eine Vermittlung der Sowjetunion – die nie erfolgte – und ignorierte die amerikanische Drohung.

Die erste Bombe: Hiroshima

Als Ziel wählten die USA Hiroshima im südlichen Japan aus – eine Stadt, die ein Truppensammelpunkt war und in der sich keine Gefangenenlager befanden. Am 6. August 1945 um 8.16 Uhr warf der Bomber „Enola Gay“ eine vier Tonnen schwere Atombombe mit dem zynischen Namen „Little Boy“ in 600 Metern Höhe über der Innenstadt ab. Eine verheerende Druckwelle und ein Feuerball von über 6000 Grad Celsius verwüsteten binnen Sekunden über 80 Prozent der Stadt. 70.000 bis 80.000 Menschen waren sofort tot. Der Atompilz aus radioaktiven Trümmern ragte 13 Kilometer hoch. Sogar Jahre danach starben noch Menschen an den Folgen der Verstrahlung – insgesamt erreichte die Zahl der Opfer etwa 170.000.

Die zweite Bombe: Nagasaki

Am 9. August sollte der Bomberpilot Charles W. Sweeney mit einer zweiten Atombombe die Stadt Kokura angreifen, ein Rüstungszentrum in Südjapan. Aufgrund schlechten Wetters Sicht entschied sich Sweeney für Nagasaki als Ausweichziel, wo sich der Sitz des Rüstungskonzerns Mitsubishi befand. Um 11.02 warf der Pilot die Bombe „Fat Man“ über dicht besiedeltem Gebiet ab. „Fat Man“ hatte mit 22.000 Tonnen TNT wesentlich mehr Sprengkraft als „Little Boy“, allerdings dämpften die umliegenden Berge die Druckwelle, sodass sich kein Feuersturm wie im flachen Hiroshima konnte. Aber auch in Nagasaki wurden 22.000 Menschen sofort getötet, in den nächsten Monaten starben weitere 70.000 und 80.000 Menschen an den Folgen.

Am 14. August 1945 erklärte Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans, die am 2. September auf dem amerikanischen Schlachtschiff „Missouri“ unterzeichnet wurde.

Atombombe als erste Salve im Kalten Krieg?

Die damalige US-Regierung argumentierte mit militärischen Gesichtspunkten: Durch den Abwurf der Bomben sei Kapitulation herbeigeführt worden, sie hätten vielen US-Soldaten und auch Japanern das Leben gerettet, die sonst im Endkampf um Japan gestorben wären. Eine Sichtweise, die auch heute noch in den USA vorherrschend ist. Aber viele Historiker – auch außerhalb Japans – bestreiten inzwischen, dass die Abwürfe völkerrechtlich, ethisch und politisch verantwortbar waren und sehen in ihnen vielmehr ein Kriegsverbrechen: Das wirkliche Ziel sei gewesen, die Sowjetunion, die sich inzwischen auch im Krieg mit Japan befanden, von einem weiteren Vorrücken in Fernost abzuschrecken und ihr die Überlegenheit der USA zu demonstrieren.


Fotoquelle: Thinkstock, 479518736, iStock, Manakin

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