Viel Gegacker um kein Ei

Bekanntlich haben die G8-Mitglieder im Jahr 2005 in Gleneagles einigen besonders angeschlagenen afrikanischen Staaten einen Schuldenerlass und weitere Hilfen zugesichert, sogar mit konkreten Summen, was aber gar nicht so recht vom Fleck kommen will. Denn alle Finanzminister haben, wenn ein Scheck unterzeichnet werden soll, einen stacheligen Igel in der Tasche. Dieses Nichthandeln soll wohl auch das politische Ideal der G8 für die kommenden Jahre bleiben. Andererseits hat man vor zwei Jahren ja etwas versprochen. Was tun?

Die Standfestigkeit in Sachen Nichtstun ist unter diplomatischem Gesichtspunkt da doch etwas, was sich schon einmal wunderbar und mit viel dröhnendem Pathos hervorheben lässt: 'Wir unterstreichen unsere feste Entschlossenheit …' mit diesen Worten beginnt der Afrika-Resolutions-Entwurf für Heiligendamm. Boah, ej, 'wild entschlossen' sind unsere Politiker, und das wird sogar noch 'unterstrichen' – – – bleibt die Frage: Wozu sind sie entschlossen? Ist doch klar, dazu 'die Verpflichtungen zu Entwicklung umzusetzen'. Ah ja, das waren sie doch vorher aber auch schon – oder nicht? Dazu hatten sie sich doch 2005 schon verpflichtet. Genau – sie haben sich jetzt wild entschlossen dazu verpflichtet, so zögerlich wie bisher mit der Umsetzung der Gleneagles-Beschlüsse fortzufahren, die sie immerhin noch nicht widerrufen.

Verbindlich ist hier nur die Unverbindlichkeit – das ist eben die Sprache der Diplomatie, dazu benötigt sie die pompösen Vorreiter, die mit viel Fanfarengeschmetter einen Hauptgang ankündigen, der dann nicht kommt: Links antäuschen, rechts überholen – und Afrika soll gefälligst am Daumen lutschen. Nationalstaatliche Egomanie bis zum Abwinken. Dass manchen Rockstars wie Bono oder Grönemeier dabei der Kragen platzt, ist nur zu verständlich.

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