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    Start » Studiengebühren in Hessen
    Bildung & Beruf

    Studiengebühren in Hessen

    18. Mai 20063 Minuten Lesezeit

    Am 5. Mai hat die hessische Landesregierung die Einführung
    allgemeiner Studiengebühren für alle Studierenden ab Herbst 2007 beschlossen.
    Und zwar die bisher teuersten Deutschlands. Zu zahlen sind ab diesem Zeitpunkt
    500 Euro pro Semester. Diese Gebührenhöhe ist zwar frech, weil vielen Studenten
    einfach nicht zumutbar, ansonsten erst einmal aber nichts Ungewöhnliches – ist
    es doch der Betrag, der auch an vielen anderen Universitäten festgesetzt wurde.
    Hessen geht aber noch einen Schritt weiter. Für Promotionsstudiengänge können
    bis zu 1500 Euro pro Semester verlangt werden, ab 2010 gilt dies auch für die
    gerade neu eingeführten Masterstudiengänge.
     

    Die Landesregierung erhofft sich so
    Zusatzeinnahmen für die Hochschulen von bis zu 135 Millionen Euro pro Jahr. Diese
    Netto-Einnahmen sollen allein den Hochschulen zugute kommen und ausschließlich
    zur Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre verwendet werden. Wissenschaftsminister Udo Corts versprach außerdem, die staatliche Hochschulfinanzierung
    im Gegenzug nicht zu kürzen. Zudem äußerte er sich überzeugt, dass
    Studienbeiträge in Höhe von 500 Euro je Semester aufgrund des damit verbundenen
    Darlehensanspruchs niemanden von einem Studium abschrecken würden. Schließlich
    entstünden dadurch während eines Studiums keine finanziellen Belastungen und
    ein Darlehen müsse frühestens zwei Jahre nach Abschluss des Studiums
    zurückgezahlt werden und dies auch nur dann, wenn bestimmte Einkommensgrenzen
    überschritten würden.
     
    Dass der Beschluss der Landesregierung unter den Studenten
    zu Protesten führt, ist nur allzu verständlich. Doch nun formiert sich auch in
    den Universitätsverwaltungen Widerstand.
     

    In einem Interview sprach sich der Präsident der TU Darmstadt, Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner, gegen Studiengebühren aus:
    „Studiengebühren sind für die Universitäten ein Minus-Geschäft, weil sie
    Studieninteressenten abschrecken. Ich erwarte einen deutlichen Rückgang der
    Studierendenzahlen, was sich eigentlich niemand wünschen kann. Damit schrumpft
    auch der Landes-Etat für die Universitäten, weil sich die Finanzierung leider
    im Wesentlichen an der Anzahl der Studierenden festmacht. Die
    Gebühren-Einnahmen werden nicht das Defizit kompensieren, das sich aufgrund der
    zurückgehenden Studierendenzahlen auftut. Aber es wird vermutlich einen
    verrückten „positiven“ statistischen Effekt geben: Weniger
    Studierende, weniger Geld vom Land plus Studiengebühren werden vielleicht unter
    dem Strich eine höhere Geldsumme pro Student ergeben.“ Gerade auch unter ausländischen
    Studenten würde Hessen an Attraktivität verlieren. Eine Sorge, die durchaus
    ihre Berechtigung hat. Denn auch nicht aus der EU stammende Ausländer können
    mit dem Höchstsatz von 1500 Euro pro Semester zur Kasse gebeten werden.

    Gestern sprachen sich dann auch die Universität Kassel und
    die FH Frankfurt gegen Studiengebühren aus. Aus Kassel heißt es, die Einführung allgemeiner Studiengebühren sei das falsche Mittel zur vermeintlichen
    Verbesserung der finanziellen Situation der Hochschulen. Vielmehr müsse die
    Hochschulfinanzierung weiterhin steuerfinanziert bleiben. Der Senat der
    nordhessischen Uni fordert in seiner Resolution, dass die staatlichen
    Zuweisungen an die Hochschulen erhöht werden müssen.
    Der Senat der FH Frankfurt fordert die Hessische Landesregierung
    dazu auf, den Entwurf des Hessischen Studienbeitragsgesetzes (HStubeiG) in
    Gänze zurückzuziehen.
    Der Senat der FH Gießen-Friedberg hat sich bereits am 11.05.
    ohne Gegenstimme gegen Studiengebühren ausgesprochen. Mit großer Mehrheit
    verabschiedete der Senat der Fachhochschule Fulda eine von den Studierenden
    eingebrachte Resolution zur Erhebung von Studiengebühren in Hessen. Darin heißt
    es: „Der Senat der Fachhochschule Fulda spricht sich gegen jede Form von
    Studiengebühren aus und fordert zudem die Landesregierung auf, ihren Beschluss
    zu allgemeinen Studienbeiträgen in Hessen zurückzuziehen.“
     
    An der Johann-Wolfgang-Universität Frankfurt ist sich der
    Senat noch nicht sicher, wie er sich entscheiden soll. „Nach emotional und
    kontroverser Diskussion in der vollbesetzten Aula hat der Senat der Universität
    in seiner heutigen Sitzung die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die sich
    mit dem Thema Studienfinanzierung und dem auf dem Tisch liegenden Gesetzentwurf
    der Landesregierung zur Einführung von Studienbeiträgen befassen soll“, heißt
    es aus der Presseabteilung.

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