Studie: Situation für Alleinerziehende noch schwieriger als früher

Die Lage der Alleinerziehenden – sie ist auch nach der Reform des Unterhaltsgesetzes von 2008 nicht wirklich besser geworden. Laut einer neuen Studie der Bertelmann Stiftung hat sich seitdem die Vorstellung etabliert, Solo-Elternteile könnten auch Vollzeit arbeiten. Erziehung mache sich nebenbei und ließe sich gut mit einem achtstündigen Arbeitstag „erledigen“. Getreu dem Motto: Wenn es der Gesetzgeber vorsieht, dann wird es sich schon so umsetzen lassen.

Rechtsprechung setzt Alleinerziehende massiv unter Druck

Dass es schwieriger ist, ein Trennungskind zu erziehen, als ein Kind, das mit beiden Elternteilen aufwächst – und dass alleinerziehende Elternteile oft am Limit ihrer Kräfte sind – darüber haben sich die Experten offenbar keine Gedanken gemacht. Warum auch: Wir leben schließlich in einer Leistungsgesellschaft – und da hat jeder seinen Beitrag zu leisten. Wenn die Kraftakkus leergelaufen sind, dann möge man das bitteschön mit sich selbst ausmachen und sich zusammenreißen. „Auch die Rechtsprechung setzt Alleinerziehende massiv unter Druck, in Vollzeit zu arbeiten“, sagt Bertelsmann-Expertin Anette Stein. Vollzeit-Job und „nebenbei“ das Kind erziehen – die Herrschaften, die über das Leben der Alleinerziehenden in Deutschland entscheiden, haben offenbar keine Ahnung, wie es sich tatsächlich im Leben einer alleinerziehenden Mutter oder eines alleinerziehenden Vaters verhält.

WGs mit Kindern – Alleinerziehende organisieren sich neu

Alleinerziehende haben es im Laufe der Jahre gelernt, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen – und so haben sich in Großstätten Wohngemeinschaften als neue Lebensform etabliert. Laut Angaben der Internetplattform „WG-Gesucht“ habe sich die Anzahl der Inserate des Typs Wohngemeinschaft mit Kindern seit 2011 verdreifacht. An der Spitze: Berlin, es folgen Hamburg und München. „Gerade Alleinerziehende mit höherem Bildungsstand organisieren sich zunehmend in Netzwerken“, sagte die Soziologin Sabina Enzelberger gegenüber dem „Spiegel“. In einer WG hätten Kinder von Alleinerziehenden die Möglichkeit, neue Bezugspersonen zu finden. Doch Miriam Hoheisel vom Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter (VAMV) warnt. Denn natürlich könne eine WG im Einzelfall „gut funktionieren. Hoheisel weiter: „Das entlässt aber den Staat nicht aus seiner Verantwortung.“

Foto: Thinkstock, iStock, PeterTG

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