skuril oder skurril?

Ein weiterer Streitfall aus der Reihe der unsicheren Doppelkonsonanten. Die Aussprache lässt uns bei diesen Fällen oft glauben, dass wir einen Buchstaben mehr setzen müssen, als der Duden es vorsieht. Diesmal ist es anders. Denn das Adjektiv skurril schreibt man wirklich mit einem Doppelkonsonanten. Mal ganz unkonventionell? Skurril ist eben, was aus der Reihe tanzt.

Das Skurrile fesselt uns für kurze Zeit. In den Medien ist es neben dem Schockierenden und dem Sensationellen das einzige, das es vermag, spontan unsere Aufmerksamkeit zu erhalten. Was wir als skurril erachten, ist im heutigen Wortsinn nur im Vergleich zu dem auszumachen, das wir als normal empfinden. Eine ungewöhnliche Kleidung oder eine ungewöhnliche Sprungart, wie das Video über Dick Fosbury bei den Olympischen Spielen 1968 zeigt, kann sich zu einer normalen Sache mausern.

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Was schon immer skurril war – manches ändert sich nie

Früher gab es auch das Adjektiv skurrilistisch. Beide Adjektive leiten sich aus dem Lateinischen ab. Der scurra war ein Stutzer oder Possenreißer, der bei festlichen Anlässen, auch bei Beerdigungen, vom hohen Stande zum Zwecke der Belustigung eingeladen wurde. Die Witze waren oft nieder und vulgär. Im Englischen hat sich das Nomen scurrility deshalb die Gleichbedeutung mit vulgarity erhalten. Es kam auch vor, dass sich zwei scurra mit ihren Witzen duellierten.

Wenn das keine skurrile Entdeckung ist: schon damals gab es so etwas wie slams und rap battles. Offenkundiger ist die historische Entwicklung zum Hofnarren, die sprachliche Spuren hinterlassen hat. Spaßhaftes und Possenhaftes, Zoten und Skurrilität verbinden wir bis heute mit Hofnarren und dem Clowntum.

Die ganz frühe Bedeutung lautet Pflastertreter, Mann nach der Mode – auch ein seltsamer Wandel, den das Wort durchgemacht hat. Vom eleganten Mann von Welt zum niederen Possenreißer auf Bestellung!

Skurrilität – mehr als nur unkonventionell

Das Skurrile kann eine Situation, eine Sache oder auch eine Verhaltensweise sein. Im heutigen Verständnis ist sie eine Abweichung, eine Devianz vom Normalen. Die verschiedenen Bedeutungen, die von auffallend über belustigend, possenhaft bis unkonventionell und bizarr, verschroben reichen, fallen sehr eindrücklich in einer Person der Öffentlichkeit zusammen, die durch sehr skurrile Marotten und Schwächen im Ausdruck zu Amtszeiten für kontroverse Diskussionen und auch für sehr viel Heiterkeit gesorgt hat, Edmund Stoiber:

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Wie weit kann eine Verhaltensweise strapazieren, um nicht mehr nur als skurril, sondern als pathologisch zu gelten? Bedenklich ist die Skurrilität dann, wenn jemand unter ihr leiden muss. Im Fall Stoiber heißt es aber: nicht den Menschen und seine Taten zusammenwerfen – Stoibers Politik war die eine Sache, sein Verhalten eine andere.

Die täglichen Nachrichten, die mit absonderlichen Begebenheiten, Rekordversuchen und Zahlenschachereien den „schnellen Klick“ holen, verursachen sicher kein Leiden. Sie sorgen für kurzweiligen Spaß und sind ein unterhaltsamer Zeitvertreib.

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