Denn dieses Frauen-Branchenbuch mit seinen 100 Seiten macht bereits bei der Wortgebung vieles anders. So können Frauen dort auf einem Frauenhof nicht etwa die Kühe melken, die Schweine füttern, Unkraut jäten oder mit der Bäuerin klönen, nein, der Frauenhof bietet die ‚Begegnung mit den Frauen, Tieren und Feldern des Hofes‚. Und wenn die Anlageberaterin für ihre weiblichen Dienste wirbt, dann gibt es keineswegs gewinnreiche Anlagestrategien, sondern ‚Visionsarbeit zum Thema Geld‚. Der Trick ist eigentlich ganz einfach: Jede normale Tätigkeit erhält einen pompösen Vorreiter oder eine Duftmarke: ‚Begegnung‘, ‚Visionsarbeit‘, ‚frauenspezifische Einkaufstätigkeiten‘. Es ist eigentlich das gleiche Gequake, dass wir aus Marketing, PR und Werbung kennen: ‚Unser Asset Manager wird für Sie diesen Service kompetent handlen‚. Gemeint aber ist: ‚Fürs Kaffeekochen ist bei uns der Willi zuständig‚. Also ist es doch ein höchst männerspezifischer Sprachgebrauch mit einigen frauenspezifischen Vokabeln an den entsprechenden Funktionsstellen.
Genau deshalb frage mich ja auch, ob das nun wirklich ein ‚Frauen-Branchenbuch‘ ist – oder man bloß ein ‚Solche-Frauen-Branchenbuch‘?
Hinweis via: taz.
