Shoegazer: Entstehungsgeschichte und die besten Bands zum Reinhören

Weil die britischen Alternative, bzw. Postpunk Bands in den späten 80ern so schüchtern waren, sahen sie während ihrer imposanten Gitarrenschrammelein lieber auf den Boden, als zum Publikum, sprich, sie sahen auf ihre Schuhe. Shoegazer heißt in der Übersetzung nichts anderes (Shoe = Schuh, Gaze = Blick). Aber Schüchternheit hat nicht ausschließlich etwas damit zu tun, denn um den komplexen Gitarrensound zu erreichen, mussten die Musiker viel mit Pedalen arbeiten, deren richtige Bedienung notwendig für einen guten Sound war, weshalb der Blick nach unten auch musikalisch unablässig war.

Shoegazer in den 80ern

Musikalisch waren diese Bands vor allem durch das geprägt, was man im Journalistenjargon gerne als Gitarrenwand bezeichnet. Besonders durch die Lo-Fi Produktionen (wenig technische Bearbeitung bei der Produktion der Musik) und die gewollte „Abschiebung“ der Stimme in den Hintergrund, kreierten Shoegazer Bands damals einen Sound, der für den ungeübten Zuhörer schnell als Krach angemutet werden konnte, tatsächlich aber eine rohe, fast punkige Überlagerung von Sounds (oder Noise) war, die zusammen mit dyssonanten Melodien die Unzufriedenheit, Klaustrophobie und Hilflosigkeit der Generation X verkörperten.

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Die typischen Shoegaze-Bands der 80er/90er waren dabei die Cocteau Twins, My Bloody Valentine, The Jesus and the Mary Chain und Hüsker Dü, wobei man jedoch Moose als die originale Band des Genres benennen kann, da eine Review ihres Konzertes den Begriff zum ersten Mal in die Printmedien brachte.

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Shoegazer heute

So stark der Trend Ende der 80er/Anfang der 90er auch war, so schnell ging er vorüber. Schnell stürzte sich die Presse auf die coole Attitüde, die intellektuellen Auftritte und die „hippe“ Szene, so dass sie auch bald als „Szene, die sich selbst feiert“ bekannt wurde und spätestens Mitte der 90er durch Grunge und Britpop ersetzt wurde. Nichtsdestotrotz sind die Bands dieser Zeit auch heute noch Kult und haben maßgeblich große Noise- und Postpunk Bands des 21. Jahrhunderts beeinflusst.

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Besonders in den letzten 2-3 Jahren hat es einen neuen Aufschwung des Genres gegeben. Nicht zuletzt durch bedrückend eindrucksvolle Bands wie A Place to Bury Strangers (die auch ein wenig Joy Division in ihrem Herzen tragen), entwuchsen nun vielmehr der amerikanischen Musikszene (allen voran der Brooklyn Szene) die Gazerbands oder auch Nu-Gazer, unter denen vor allem The Pains of Being Pure at Heart, Wavves und Sad day for Puppets bekannt sind, die allesamt Einflüsse aus anderen Genres einfließen lassen, so dass die Musik der Wavves beispielsweise eine große Schippe Surfrock in sich trägt.

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Dream Pop

Da nicht alle Gazer Bands durchweg „dröhnen“ und beängstigen, wenn sie aufspielen, haben die treibenden, manchmal ausufernd langen Songs auch den Begriff „Dream Pop“ verpasst bekommen, der sich auch von Gitarren weg zu Bands wie Beach House oder den Braids ausbreitet, die das Konzept des „Klangteppiches“ in ihren Songs ausweiten und den Rock außen vor lassen.

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