Sein oder nicht sein: Was war eigentlich Shakespeares Frage? – Interpretation und Inhalt von Hamlets Monolog

„Hamlet“ ist eines der beliebtesten Stücke Shakespeare, das vielfach bearbeitet wurde – für Film, Oper und in der Popkultur. „Sein oder nicht sein“, aber auch andere Zitate aus dem Stück (zum Beispiel „Etwas ist faul im Staate Dänemark“) sind zu geflügelten Worten geworden.

Die Ursprünge des Hamlet

Die tragische Geschichte des dänischen Prinzen, dessen Vater von seinem eigenen Onkel ermordet wird, geht zurück auf die altnordische Literatur, in welcher ein dänischer Autor die historisch nicht nachweisbare Figur Amlethus beschreibt. Außerdem wird die Tragödie in einer altisländischen Saga erzählt. Die dänische Version der Geschichte war zu Shakespeares Zeit auch in England zu finden. Geht man direkt von Shakespeare aus, so spiegelt die Welt des Hamlet nicht zuletzt Shakespeares eigene Lebenswelt und deren Ideale, in der die Renaissance sich die Antike zum Vorbild nahm und gleichzeitig mit den neuen Ideen der Reformation konfrontiert wurde.

Interpretationsansätze bei Shakespeares Hamlet

Zu einen sind in dem Drama abstrakte Prinzipien zu erkennen, wobei Hamlet die „Tugend“, sein Onkel Claudius dagegen die „Heimtücke“ repräsentiert. Zugleich ist der Brudermörder Claudius aber auch ein machthungriger pragmatischer Mann, der die höchste Position im Staat anstrebt. Dabei schreckt er  nicht davor zurück, nur einen Monat nach dem Tod des Königs dessen Witwe Gudrun zu heiraten. Hamlet dagegen ist idealistisch und sensibel, auch wurde er mit neuen Lehren vertraut gemacht und steht damit für die Verkörperung einer neuen, vergeistigteren Zeit, in der nicht jeder allein auf den eigenen Vorteil bedacht ist.
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Der Hamlet-Monolog

Das wohl berühmteste Selbstgespräch der Theatergeschichte vom „Sein oder nicht sein“ wird von Hamlet geführt, als bereits klar ist, dass sein Vater ermordet wurde. Dessen Geist ist ihm erschienen mit dem Auftrag, den Mord zu sühnen. Der schwermütige Hamlet zweifelt, ob es ihm gelingen kann, den Mörder seines Vaters zu töten, ohne selbst dabei zu sterben. Er ist nun hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Rache und dem Wunsch nach Selbstmord. In der Szene wähnt sich Hamlet allein, merkt aber nicht, dass er im Hintergrund von Claudius belauscht wird.

Der Hamlet Monolog beginnt mit dem Satz (in der Übersetzung von August W. Schlegel): „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage: Ob's edler im Gemüt, die Pfeil' und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden, oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, im Widerstand zu enden.“ Bei „Sein oder nicht sein“ geht es also vereinfacht gesagt um die Frage, ob das eigene Schicksal, also das Leben, oder aber der Tod leichter zu ertragen ist.
Später vergleicht Hamlet das Sterben und den Tod mit dem Schlaf und hofft, dass dieser sein „Herzweh“ beenden mag und sinniert auch darüber, welche Träume einen wohl in solch einem „Schlaf“ erwarten mögen. Er spricht von dem, was ihm Angst macht: „der Zeiten Spott und Geißel, des Mächt'gen Druck, des Stolzen Misshandlungen, verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub, den Übermut der Ämter und die Schmach, die Unwert schweigendem Verdienst erweist (…), wer trüge Lasten und stöhnt' und schwitzte unter Lebensmüh'?„. All diesem irdischen Leiden, dass mit Pflichten und Mühen verbunden ist, möchte er am liebsten entgehen durch den Tod. Dementgegen steht die Aufforderung des Geistes an Hamlet, zu handeln und sich zu rächen.

Doch zugleich hält Hamlet auch die Furcht vor dem „unentdeckten Land, von des Bezirks kein Wandrer wiederkehrt„, also dem unbekannten Jenseits, zurück. Er sagt, dass „wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen, als zu unbekannten fliehn. So macht Bewusstsein Feige aus uns allen (…)“. Diese letzten Gedanken gehen weg von seinem persönlichen Schicksal und bringen ihn zu der Schlussfolgerung, dass zu starke Bedenken aus den Menschen Feiglinge machen. Wer nicht handelt, ist demnach ignorant und feige. Diese letzten Gedanken bringen ihn dazu, sich vom Selbstmord wieder abzuwenden und stattdessen Rachepläne zu schmieden.

Hamlet drückt sein inneres Hin- und Hergerissensein mit poetischen und philosophischen Mitteln aus, die zu seiner akademischen Bildung passen. Im weiteren Verlauf des Dramas überwindet der Prinz all seine Zweifel und nimmt Rache. Dabei sterben allerdings auch Unschuldige, wie beispielsweise Polonius, der Vater Ophelias. Ophelia, anfangs eine innige Freundin Hamlets, die ihn jedoch später auf Betreiben Claudius' ausspioniert, wird nach dem Tod ihres Vater wahnsinnig und ertrinkt.

Hamlets Ende

Hamlet wird schließlich von Laertes, dem Sohn des Polonius und Bruder Ophelias, zu einem Duell aufgefordert. Dahinter steckt allerdings zugleich ein Komplott, welches Claudius und Laertes geschmiedet haben. In weiteren Verlauf tötet Hamlet sowohl Laertes als auch Claudius. Währenddessen trinkt seine nichtsahnende Mutter von dem für Hamlet bestimmten vergifteten Wein. Aber auch Hamlet stirbt schließlich an der vergifteten Klinge des Laertes, mit den berühmten letzten Worten: „Der Rest ist Schweigen“.

Foto: photology1971 – Fotolia.com

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