Schluckstörungen: Ursachen und Schritte zur Beschwerdefreiheit bei Presbyphagie

Schluckstörungen kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Ausgelöst durch einen grippalen Infekt oder einfach, weil wir gestresst sind: Dass uns im wahrsten Sinne des Wortes etwas im Halse stecken bleibt, haben wir wohl alle schon einmal erlebt. Das ist nicht schön, wirklich bedenklich ist es in den meisten Fällen aber nicht. Nicht immer jedoch sind Schluckstörungen tatsächlich so harmlos: Betreffen sie etwa ältere Menschen, sollten Ärzte und Angehörige hellhörig werden. Denn das Auftreten einer altersbedingten Schluckstörung, der so genannten Presbyphagie, ist für die Betroffenen nicht nur unangenehm, sondern es bestehen sogar erhebliche Risiken für den gesamten Organismus…

Schluckstörungen: Alles was Sie wissen müssen

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Wenn das Schlucken zur Qual wird…

Jeder tut es – kaum einer denkt darüber nach: Wenn wir etwas herunterschlucken, so ist das ein überaus komplexer Vorgang, der zu großen Teilen unbewusst abläuft. Tatsächlich sind an die 50 verschiedenen Muskeln daran beteiligt. Im Normalfall machen wir uns keinerlei Gedanken darüber, und dennoch „altert“ dieses hochkomplexe System genauso wie alle anderen Körpervorgänge auch. Es ist bekannt, dass ältere Menschen häufig appetitlos und  noch seltener durstig sind. So trinken sie oftmals auch nicht genug. Schnell kommt es dadurch zum Ausstrocknen der Schleimhäute, insbesondere im Mundraum. Ständige Mundtrockenheit wird zudem durch eine Reihe von Medikamenten begünstigt, die typischerweise im Alter verschrieben werden. So stehen neben einigen cholesterinsenkenden Medikamenten und Kortison-Präparaten sowohl zahlreiche Antidepressiva als auch Medikamente gegen Parkinson in dem dringenden Verdacht, die Speichelproduktion zu blockieren. Hinzu kommt: Bei älteren Menschen ist häufig die Empfindsamkeit gegenüber Berührungen im Mundraum vermindert. Dies schwächt unmittelbar die Reflexe. Auch die Lippen- und Mundbewegungen werden im Alter zunehmend unkoordinierter. Mitunter kommt es zu einer Versteifung der Kiefergelenke. Ebenfalls typisch im Alter: Ein problematischer Zahnstatus. All diese altersbedingten Erscheinungen erschweren das Kauen und Schlucken zusätzlich. Kommt es in der Folge zu Unterernährung und Muskelabbau, wird die Schluckfähigkeit weiter eingeschränkt – und allzu schnell entsteht aus der Wechelwirkung all dieser ungünstigen Faktoren ein Teufelskreis…

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Häufige Ursachen

Die Ursachen von Schluckstörungen sind sehr vielfältig.

  • Neurologische Ursachen: Auf neurologischer Ebene können Erkrankungen der Nerven und Muskeln sowie des Gehirns für die Schluckstörung verantwortlich sein. Besonders häufig führen etwa Schlaganfall, Parkinson-Krankheit und Demenzerkrankungen zu Presbyphagie. Seltener wird das Phänomen auch im Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS) oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) beobachtet.
  • Mechanische Ursachen: Auf mechanischer Ebene wird das Schlucken durch ein tatsächliches Hindernis im Hals erschwert. Beispiele hierfür sind Tumore, Ausstülpungen und Entzündungen im Bereich des Gaumens, Rachens oder Kehlkopfs sowie seltener auch Veränderungen der Halswirbelsäule.
  • Erkrankungen der Speiseröhre (Ösophagus) verursachen häufig Schluckstörungen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Bewegungsstörungen der Muskeln. 
  • Krankhafte Veränderungen im mittleren Brustraum (Mediastinum) können die Speiseröhre von außen derart beengen, dass sie den Schluckvorgang indirekt behindern.

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Die Folgen können gefährlich sein!

Die Folgeerscheinungen von Schluckstörungen sind durchaus gravierend. Durch die eingeschränkte Fähigkeit der Nahrungsaufnahme kommt es nicht selten zu Gewichtsverlust. Damit einhergehend bleibt die Mangelernährung nicht ohne Folgen: So ist ein ausgeprägter Vitamin- und Mineralstoffmangel maßgeblich an der im Alter so typischen Entstehung von Immunschwäche beteiligt. Hinzu kommt: Durch die Schwierigkeiten beim Schlucken trinken die Betroffenen oftmals viel zu wenig. Der ständige Flüssigkeitsmangel macht sich zunächst durch unangenehme Mundtrockenheit bemerkbar. In der Folge kommt es allerdings auch schnell zu Kreislaufproblemen, zum starken Austrocknen der Haut und zur vermehrten Faltenbildung, sowie auf psychischer Ebene zu Zuständen der Verwirrung bis hin zur Apathie.
Eine weitere sehr unangenehme Begleiterscheinung von Schluckstörungen ist die so genannte Aspiration: Wenn wir Nahrungsteile herunterschlucken, dann wird im Normalfall „automatisch“ der Eingang zur Luftröhre abgedichtet. Ist dieser Mechanismus gestört, so kann Nahrung dort hineingelangen. Ein solches Schluckversagen hat mitunter geradezu traumatische Folgen für die Betroffenen. Der subjektive Eindruck des Erstickens führt so mitunter zur Verweigerung jeder weiteren Nahrung. Zudem erhöht sich durch Aspiration beim Verschlucken die Gefahr einer Lungenentzündung.

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Eine Schlucktherapie schafft Linderung…

Für die Behandlung einer Presbyphagie ist die enge Kooperation von behandelnden Ärzten, Fachpflegepersonal, Ernährungsberatern und Logopäden unerlässlich. Denn die so genannte Schlucktherapie setzt auf mehreren Ebenen an: Während einerseits durch gezielte Anleitungen und Übungen der Schluckvorgang neu erlernt wird, liegt besonderes Augenmerk auch auf einer Optimierung der Ernährung. Dafür planen und gestalten Ernährungstherapeuten aktiv die individuell mögliche Nahrungsaufnahme und unterstützen die Patienten bei der praktischen Umsetzung. Da zwischen dem Sprechen und dem Schlucken enge Wechselwirkungen bestehen, sind außerdem sprachtherapeutische Interventionen im Rahmen einer logopädischen Betreuung sehr hilfreich. Möglicherweise werden ergänzend auch medikamentöse und chirurgische Maßnahmen erforderlich. Operativ kann etwa durch eine Spaltung des oberen ringförmigen Speiseröhrenmuskels die Schluckfähigkeit erheblich verbessert werden. Da Schluckstörungen häufig auch als Begleitsymptome anderer Erkrankungen auftreten, müssen sich weitere Behandlungsmöglichkeiten natürlich auch auf die jeweiligen Grunderkrankung fokussieren. Sie sehen: Aufgrund der vielfältigen Anforderungen der Störung ist das wichtigste Qualitätsmerkmal einer Schlucktherapie die multiprofessionelle und enge Kooperation der beteiligten Helfer. In den meisten Pflegeeinrichtungen für Senioren, ebenso wie in der häuslichen Pflege ist der verantwortungsvolle Umgang mit Patienten, die an einer Schluckstörung leiden, übrigens heute Standard. Das Ziel der Therapie ist es in jedem Fall, die beeinträchtigte Schluckfunktion wiederherzustellen oder zumindest deutlich zu verbessern. Nach Möglichkeit sollen Aspirationen vollständig unterbunden werden. Idealerweise sind die Betroffenen mithilfe der Therapie letztlich wieder vollständig in der Lage, sich selbständig auf oralem Wege zu ernähren.

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Achtung: Diese Symptome bemerken Sie als Angehöriger!

Nicht immer können Betroffene sich im Alter noch ausreichend artikulieren, um ihr Leiden adäquat zu kommunizieren. Es gibt jedoch eine ganze Reihe an Anzeichen, die Sie als Angehörige darauf aufmerksam machen, dass eine Schluckstörung vorliegt.
Auf diese Anzeichen sollten Sie achten:

  • auffallend viel Zeit zum Schlucken benötigt
  • nach dem Schlucken ständig hustet oder sich räuspert
  • eine belegte Stimme nach dem Schluckversuch aufweist
  • sich häufig verschluckt, würgt, nach Atem ringt
  • seine Lippen sich blau färben (Erstickungsgefahr!)
  • sich beim Kauen selbst verletzt durch Fehlbisse
  • unter ständigem Speichel- und Nasenfluss leidet
  • auffallend häufig Nahrungsreste im Mund oder auf der Kleidung aufweist
  • zur häufigen Ablehnung von Nahrung und Flüssigkeit neigt

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