Schläge und Prügel – läuft die NFL aus dem Ruder?

< Wenn es nicht bald ruhiger wird in der NFL, könnten wichtige Sponsoren verloeren gehen.[/caption]strong>Es sind keine guten Tage für die National Football League (NFL) – nach den Affären um die Profis Adrian Peterson (Minnesota), Ray Rice (Baltimore) und Ray McDonald (San Francisco) hat die Liga ein echtes Imageproblem. Sponsoren stehen vor dem Absprung, die Fans protestieren und NFL-Boss Roger Goodell (55) gerät gehörig unter Druck.

Häusliche Gewalt im Blickpunkt

Im Februar hatte Ray Rice (27) von den Baltimore Ravens seine damalige Verlobte und jetzige Ehefrau Janay Palmer in einem Fahrstuhl in Las Vegas bewusstlos geschlagen. Die NFL sperrte Rice im Juli, nach einigem Zögern, zunächst für zwei Spiele. Erst als ein Video auftauchte, in dem der Vorfall in seiner schockierenden Gesamtheit zu sehen ist, zogen Godell und die Liga echte Konsequenzen: Rice wurde auf unbestimmte Zeit gesperrt, sein Team suspendierte den Running Back. Nun dreht sich die Diskussion darum, wie lange die NFL das Video schon kannte. So erklärte ein Polizeibeamter gegenüber der Nachrichtenagentur AP, er hätte der NFL bereits vor fünf Monaten ein von Sicherheitskameras aufgenommenes Video geschickt. Die NFL beharrt darauf, die bewegten Bilder erst jetzt gesehen zu haben.
Adrian Peterson (29), Superstar der Minnesota Vikings, hatte seinen vierjährigen Sohn mit einer Gerte geschlagen. Das Kind musste im Krankenhaus behandelt werden, Peterson wurde der Kindesmisshandlung angeklagt und kam gegen Kaution auf freien Fuß. Sein Team entschied, den Running Back bis zum Prozess spielen zu lassen. Erst als der Wind drehte, Sponsoren und sogar Minnesotas Gouverneur Mark Dayton protestierten, stellten die Vikings Peterson bis auf weiteres frei. Gegen Ray Mcdonald (30) schließlich wird ermittelt, weil er seine schwangere Verlobte Ende August geschlagen haben soll.

NFL-Sponsoren werden unruhig

Drei Fälle, ein Problem: In den Augen der Öffentlichkeit greift die NFL bei Verfehlungen ihrer Spieler abseits vom Feld nicht genug durch. Auch die Sponsoren murren. So erklärte die Imbisskette McDonalds, dass sie „harte und notwendige Maßnahmen“ erwarte. Auch die Brauerei Anheuser-Busch gab zu Protokoll, sie sei „unzufrieden und zunehmend besorgt.“ Ähnlich äußerten sich auch die NFL-Sponsoren Federal Express und General Motors. Sogar US-Präsident Barack Obama ließ verlautbaren, dass häusliche Gewalt „verachtenswert und inakzeptabel in einer zivilisierten Gesellschaft“ sei. Derweil hielten am letzten Spieltag viele Zuschauer in den Stadien Anti-Goodell-Plakate in die Kameras. Und eine Frauenrechtsorganisaton hatte mehrere Flugzeuge gechartert, die mit Spruchbändern über die Arenen flogen. Text: „Goodell must go.“

Die Liga teilte nun mit: „Wir haben verstanden. Wir ergreifen Maßnahmen, und es wird noch einiges folgen.“ Was auf diese eher schwammige Aussage folgen soll, ist unbekannt. Goodell jedenfalls ist mehr als angeschlagen. Sogar der Vorwurf der Vertuschung wird laut: Der NFL-Boss behauptet, die NFL habe erfolglos versucht, an das Überwachungsvideo im Fall Rice zu gelangen. Der Sportjournalist Bill Simmons spottete daraufhin, diese Aussage sei so glaubhaft wie die Entschuldigung eines Grundschülers, der Hund habe seine Hausaufgaben gefressen. In den US-Medien wird Goodell bereits mit dem ehemaligen Präsidenten Richard Nixon verglichen, der 1974 wegen der Watergate-Affäre zurücktreten musste.

Ende der Ära Goodell in Sicht?

In seiner achtjährigen Amtszeit hat Godell bislang noch jeden Skandal weggesteckt: Quarterback Michael Vick, der illegale Hundekämpfe ausrichten ließ. Wide Receiver Plexico Burress, der sich im Nachtclub selbst eine Schussverletzung beibrachte. Trainer Sean Payton, der ein Kopfgeld für die Verletzung gegnerischer Spieler aussetzte. Alles Fälle, in denen einzelne Spieler oder Teams angeklagt waren. Nun aber steht die Liga selbst am Pranger. Und eine Nachfolgerin für Goodell wird auch schon positioniert: Condoleezza Rice, ehemalige US-Außenministerin, soll die NFL wieder auf Vordermann bringen. So forderte die „Washington Post“: „Roger Goodell hat eine Schweinerei angerichtet. Es ist Zeit für die ehemalige US-Außenministerin, die eine große Liebe für diesen Sport verspürt, einzugreifen und die NFL zu retten.“

Foto: Thinkstock, Fuse

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