Schauerliches Gerede

Während der Amerikaner es beherrscht, den Smalltalk im richtigen Moment zu beenden und zum eigentlichen Punkt des Gespräches zu kommen (oder sich schnell zu verabschieden), sind viele Deutsche überhaupt nicht in der Lage, das Smalltalk-Level zu verlassen und eine Sprosse auf der Leiter der kommunikativen Qualität nach oben zu steigen. Stattdessen zelebrieren sie die Oberflächlichkeit, als wäre sie die einzig denkbare Form, miteinander zu reden.

Da ich mich weigere, dieses unehrliche (und in diesem Sinne unhöfliche) Spiel mitzuspielen, würge ich jeden Smalltalk-Versuch bereits im Ansatz ab und teste die Contenance meiner Gesprächspartner mit Bemerkungen wie "Hier ist es viel zu hell, um Dir jetzt ungestraft meine Tätowierungen mit verfassungsfeindlichen Symbolen zu zeigen" oder auch "Gerne komme ich noch mit zu Dir nach Hause, aber ich muss Dich warnen: im Bett bin ich ein totaler Psychopath". Die Trefferquote, mit dieser Methode den einzigen interessanten Menschen in einem Meer von Langweilern zu finden, liegt bei 100 Prozent. Nur unwesentlich geringer ist allerdings die Chance, dass jemand die Polizei ruft (oder, im Falle eines in erster Linie von südländischen Mitbürgern frequentierten Etablissements: einen Mob aus rauflustigen Brüdern und Cousins).

Kürzlich wurde ich gefragt, womit ich denn meinen Lebensunterhalt verdiene – nein, halt: die eigentliche Frage lautete "Und…? Was machst Du so?". – Egal: eine derartige, völlig unpassende Karikatur geheuchelten Interesses verlangt förmlich danach, bestraft zu werden. So bestand meine Antwort im Wesentlichen aus der mit schamlos überzeichneten Details ausgeschmückten Behauptung, dass ich Babyspielzeug verkaufe, aber momentan Berufsverbot habe, weil sich einige Babies tödliche Verletzungen an dem Spielzeug zugezogen hätten. Offenbar sind kritisches Denken und ein skeptischer Umgang mit den Geschichten fremder Leute dem modernen Mitteleuropäer völlig unbekannt, denn auf meine (klar als Konfabulation eines offenbar sehr verwirrten Menschen erkennbare) Geschichte folgte eine längere Debatte über die Frage, ob ich wegen des tödlichen Spielzeuges denn keine moralischen Bedenken hätte. Da ich – wie eingangs erwähnt – recht ungeübt in lockeren Plaudereien bin, zog ich mich aus der Affäre, indem ich plötzlich sehr unruhig um mich schaute und die Worte "Ich glaube, der Typ da drüben im Rollkragenpullover ist ein Zivilbulle" murmelte, während ich den Raum durch ein geöffnetes Fenster verließ.

Foto: (CC) 2006 by joypopturbo.

7 Meinungen

  1. Hallo!Also ich war echt geschockt als ich die Bilder zu Madonna’s Show im TV sah!Ich finde es wirklich schlimm was sie sich einbildet…haja aber mit den Christen kann man ja alles machen!!! >:-(Die Moslems hätten Madonna schon längst GESTEINIGT wenn sowas bei denen passiert wäre!!Ich glaub Madonna weis gar nicht was sie da überhaupt macht, aber sowas ist für mich totale Gotteslästerung und Missbrauchung des Kreuzes!!!!Lg,Larissa

  2. Hallo Larissa,ich habe das Konzert in Hannover besucht. Und ich kann als Christ beim besten Willen keine Gotteslästerung feststellen. Ich habe auch Berichte im Fernsehen gesehen, wo die Stelle mit dem Kreuz – aus dem Zusammenhang gerissen – gezeigt und nur negativ kommentiert wurde.Tatsächlich macht bei der besagten Szene sie auf den Hunger in der 3. Welt aufmerksam. Hungernde und kranke Kinder werden im Hintergrund auf Videoleinwänden gezeigt und es wird unter anderem Jesus zitiert: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“Sicherlich provoziert Madonna auch manchmal und überschreitet Grenzen in dem was sie tut. Auch ich finde nicht alles gut, was Madonna auf der Bühne und sonst so veranstaltet, sie ist eben auch nur ein Mensch – anders als unsereins wird sie aber Tag und Nacht von der Presse überwacht, verfolgt und jeder kleien Fehltritt kommt ans Tageslicht.Aber sie ist auch eine engagierte und – das ist wichtig zu wissen – religöse Künstlerin. Sie hat vor 21 Jahren bei „Live Aid“ mitgemacht (eine Aktion von Künstlern gegen den Hunger in der Welt) und auch durch sie wurde – in diesem speziellen Fall – ein Mädchen aus Afrika gerettet. Dieses Mädchen stand 20 Jahre später also im letzten Jahr zusammen mit Madonna bei „Live 8“ (eine Neuaflage von Live Aid bei der es um die Entschuldung der ärmsten Länder der Welt ging) auf der Bühne.Dieses soll nur ein kleines Beispiel sein, daß man nicht eine kurzen Auschnitt aus dem Zusammenhang reißen kann und dann sein Urteil fällen kann.Ich verstehe als Christ nicht warum man sich als Christ über diese Szene aufregen sollte. Im Gegenteil Madonna macht – so sehe ich es – auf christliche Werte aufmerksam.Vielmehr erkenne ich für mich – wenn ich die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann lese – die zum Boykott der Konzerte aufgerufen hat. Das die so geführte Kirche, wohl nicht mehr meine Kirche ist. Sie hält an verstaubten Dogmen fest und entfernt sich von ihren Mitgliedern. Ein Grund mehr für mich über einen Kirchenaustritt nachzudenken. Meine Glauben jedoch werde ich behalten, aber mir wohl eine Kirche suchen, die dem mehr entpricht was ich über Jesus aus der Bibel weiß.

  3. Die Alte spinnt doch eh total….erst christ, dann Jude, und wenn es morgen schick ist wird Sie Moslem….Solchen Menschen muss man keine Aufmerksamkeit schenken. Nur des lieben Geldes wegen wird eine Show veranstaltet, aber es würde sowas nie geben, wenn nicht Millionen und aber Millionen Kopflose Menschen sich sowas reinziehen würden….und den mist auch noch kaufen, und Konzerte besuchen…

  4. vor 65 jahren sind unsere Väter mit dem Kreuz in den WELT-Krieg gezogen, und … ? Und nach dem 11.11….wissen viele Christen, dass es überhaupt andere Religionen gibt. Und das Geschrei der Kirche um Madonna’s Auftritt könnte ich verstehen, wenn diese Kirche auch mitschreien täte, wenn … Ich befürchte, dass die westliche Kirche sich nicht wesentlich von anderen unterscheidet. Vielleicht trennt uns nur 65 Jahre – denn viele haben wenig dazu gelernt. Auch die „Öffentliche Meinung“, die uns via Fernsehen (wie schon oben erwähnt) vermittelt wird oder werden soll, zeigen keine hoffnungsvolle aspekte. Gott sei Dank gibt es das noch freie Internet! – noch 🙂

  5. Auf amerikanisch-lässige (heute Buddha, morgen Scientology, siehe Show-Jet-Set), hüpft Madonna mitten hinein in die pralle Kabbala, deren Lehre sie sicher nicht interessiert, und handelt merkbefreit, aber werbewirksam.Darauf kommt es an. Das Event-Publikum dankt ihr das fragwürdige Patchwork. Das hat sie sich wohl von Herrn Carriere abgeguckt?*gg*

  6. 100%ige zustimmung!

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