Sakralisierung wider Säkularisierung – Warum Gott über die EU wachen muss

Die EU muss sich an Gott erinnern – Juden- und Christentum haben Politik und Religion unterschieden. Vergisst die Politik das, wird sie leicht zum Religionsersatz, meint der Autor Peter Wick, der in Bochum Neues Testament lehrt, im Rheinischen Merkur Nr. 21/2007 auf Seite 24.

W. versteht den Gottesbezug in der künftigen EU-Verfassung nicht als Verpflichtung gegenüber dem christlichen Erbe, sondern als interne verfassungsrechtliche Sicherung, dass die EU "etwas Irdisches, Begrenztes und Menschliches" bleibt.

Seine Argumentation: Säkularisierung befreit den Mensch zwar von mythischen Auffassungen über die Wirklichkeit, doch seine Sakralisierung – sein Eingebettetsein in etwas "Unverfügbares, Heiliges, Gottgegebenes" – bewahrt ihn davor, "dem Götzen des Konsums" zu verfallen. Und dies gilt natürlich auch für ein Europa, dass sich von dieser sakralen Grundlage lossagt.

Doch wer legt verbindlich fest, was oder wer Gott ist?

Es ist interessant, zu untersuchen, wie W. von dieser magischen Vokabel GOTT Gebrauch macht. Dieser Gebrauch ist nahezu symptomatisch für das moderne theologische Sprechen über Gott. W. beginnt seinen Zeitungsartikel gewissermaßen alttestamentarisch: Sich auf die Schöpfungsgeschichte beziehend, behauptet er, dass das Universum bereits im Kern durch diese Geschichte als säkularisiert gilt. Als Beispiel wählt er die Gestirne, die in der Schöpfungsgeschichte, anders als in den Mythen des Alten Orients, nicht mehr als gottgleiche Mächte wahrgenommen werden. In den biblischen Schöpfungsgeschichten sei, wie er betont, nur noch Gott allein heilig. Und was mit Gott gemeint ist, bleibt nicht lange im Dunklen. Das Buch Deuteronomium zitierend, versteht W. Gott als den HERRN.

Doch in dem Maße, wie sich W. in seinem Artikel historisch der Moderne nähert, verliert der Tonfall seinen biblischen Impetus. Am Ende wird aus Gott, dem Herrn, etwas sehr viel Abstrakteres – etwas "Unverfügbares" nämlich. Dieser der Moderne scheinbar angepaßte Gebrauch der Vokabel GOTT ist kennzeichnend für die meisten Theologen. Doch dahinter verbirgt sich eine zumeist archaische und patriarchische Denkweise.

Wenn Theologen sich im Kontext der biblischen Überlieferung bewegen, bedienen sie sich offen einer archaischen, bildgewaltigen Sprache – und auch die Emotionen, die zwischen den Zeilen spürbar sind, sprechen diese Sprache. Was uns entgegenblickt, ist ein mächtiger Gott, der in einsamer, allmächtiger Manier als Herr und Herrscher über alle Geschöpfe des Universums verfügt. Doch wenn dieselben Theologen zu einem rationalen Diskurs im öffentlichen Raum genötigt sind, wenn sie also gezwungen sind, den mentalen und kulturellen Bedingungen der technisch-wissenschaftlichen Moderne Rechnung zu tragen, dann wird ihre Sprache sehr viel verhaltener und abstrakter. Und nirgendwo ist dies deutlich spürbarer als in der Art und Weise, wie sie von dem Wort GOTT Gebrauch machen. So wird beispielsweise bei W. aus dem Verfügenden das Unverfügbare. Mit dieser Wendung wird aus dem unbequemen, sperrigen Gottesbegriff der Genesis, dem Allmächtigen, ein dem Zeitgeist sehr viel angepaßterer Gottesbegriff, nämlich ein heiliger, unverfügbarer Grund – und an genau diesen unverfügbaren Grund glauben auch heute noch sehr viele Menschen. Sie glauben daran, dass etwas jenseits der sichtbaren Welt gibt – etwas für uns Unverfügbares. Aber eine deutlich geringere Zahl glaubt daran, dass dieses Unverfügbare auch über uns verfügt.

Dieses "dialektischen" Umganges mit dem Gottesbegriff sollte man sich stets bewusst sein, wenn man es mit Texten und Büchern von Theologen zu tun hat. Sie scheinen über einen transzendenten, uns entgrenzenden und befreienden Grund zu sprechen, doch in Wahrheit sprechen sie über Gott – den Allmächtigen.

In Trace Two – auf den Spuren des zeitgenössischen Gottesbegriffes – werde ich ein weiteres Fallbeispiel anführen. In diesem Fall sah sich der Theologe gezwungen, über den von ihm verwendeten Gottesbegriff genauer Rechenschaft abzulegen. Schauen wir, wie es ihm dabei ergangen ist …

3 Meinungen

  1. Sabine Danuser: „Kinder sind Monster , ein tolles Buch, welches ich nur empfehlen kann.
    Supper Tipp an dieser Stelle.

  2. Das ist bestimmt ein Buch, das man erst nach einigen Jahren Kindererziehung
    begeistert lesen kann. Die Illusionen, die man noch beim 1. Kind hat alles
    pädagogisch sinnvoll zu gestalten, nur mit guten Worten jeden Streit zu schlichten ……
    Balsam für die Seele zu hören, das auch andere Eltern und Kinder nur
    Menschen sind.

  3. na das hört sich doch sehr erfrischend an. Dass man auch mal als Elternteil sagen kann, dass die Kinder echt manchmal nerven. stimmt jeder ist nur ein mensch!!!

    Das Buch werde ich mir mal besorgen.

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