Robert Wilson „Freischütz“-Revue in Baden-Baden

Carl Maria von Webers Oper beschäftigt Robert Wilson schon seit zwanzig Jahren. 1989 inszenierte er in Hamburg und ein Jahr später im österreichischen Fernsehen „The Black Rider: The Casting of the Magic Bullets“. Damals bearbeitete Wilson in Zusammenarbeit mit William S. Burroughs und Tom Waits die ursprüngliche Sage und weniger die Oper selbst. Heraus kam eine verstörende und morbide Mär, die dennoch mit gesellschaftlicher und emotionaler Relevanz aufwarten konnte, die auch stark an expressionistische Filme à la „Dr. Caligari“ erinnerte.

Opernfassung von Robert Wilson

Die zu den Pfingsfestspielen in Baden-Baden uraufgeführte Version des Freischütz nun kann dagegen außer in Robert Wilsons Lichtdesign kaum mithalten. Wilson zielt ab auf die Gegensätze seiner eigenen, minimalistischen Gestaltung der Bühne, den spärlichen Bewegungen der Sänger und Schauspieler zu den schillernden Kostümen und der eigentlich zutiefst romantischen Geschichte von Webers Oper.

Bunt, aber nicht laut: Der Freischütz in Baden-Baden

In knallbunten Bonbon-Farben und mit über 1,2 Millionen Swarovskisteinen präsentieren sich die Designs von Viktor & Rolf aus den Niederlanden. Die Kostüme zeigen ganz genau, um was es bei den Rollen geht: Jäger Max sieht aus wie ein Busch, seine Braut Agathe wie ein Blumenstrauß, Kaspar ist seiner verkauften Seele gemäß mit goldenen Ketten behängt, um die ihn jeder Rapper beneiden würde.

Und falls jemand im Zuschauerraum doch noch nicht mitbekommen haben sollte, welche Rolle wer hat, hängt auch gerne einmal die Berufsbezeichnung „Bauer“ in riesigen Lettern um den Hals des Sängers. Samiel selbst erscheint als laufender Blitz.

Doch auch neben der überdimensionierten Symbolik kann man beim Freischütz in Baden-Baden subtile Gesellschaftskritik finden, wenn man die Augen danach offen hält. Doch wie es bei dieser Oper häufig der Fall ist, wartet das Publikum meistens nur auf den Auftritt des Jägerchors und eine möglichst spektakuläre Wolfsschluchtszene.

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