QuarterlifeCrisis und andere Schwierigkeiten…

Eine mehr oder weniger glückliche, deutsche Wohlstands-Kindheit zwischen Ü-Eiern mit sinnfreiem Inhalt, dämlich-dauergrinsenden Playmobil-Figuren und mehr oder weniger prestigeträchtigen Markenklamotten; eine mehr oder weniger glückliche Schulzeit mit Schüleraustausch, Klassenfahrten und einer riesengroßen Abschluss- oder Entlassungsfeier; eine mehr oder weniger glückliche Berufsausbildung, ein mehr oder weniger glückliches Studium oder einem befristeten Aufenthalt bei der Bundeswehr mit oder ohne beruflicher Ausbildung. So kennen wir das fast alle.
Also Friede, Freude, Eierkuchen, alles in Butter und überhaupt alles Sonnenschein?
Jetzt sind wir mittlerweile jedenfalls irgendwo zwischen 20 und 30, und sollten eigentlich so richtig mittendrin im Leben angekommen sein – und gefälligst glücklich und zufrieden und vor allem dankbar für die wohl sorgenfreiste Kindheit und Jugend, die je eine Generation seit Anbeginn der Zeiten verleben durfte.
Sind wir aber nicht. Nicht so richtig. Nicht wirklich.
Was ist mit uns los?

Also nochmal der Reihe nach.
Eigentlich sollte man in unserem Alter erwachsen sein und auf eigenen Beinen stehen. Wenn es nach den Eltern ginge, würden wir wahrscheinlich allesamt schon längst in ewiger Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und allgemeiner Dankbarkeit einen sicheren (und natürlich erzgrottenscheißlangweiligen) Beruf ausüben – am besten auf Lebenszeit verbeamtet (mit Pensionsanspruch) – und so langsam ans Heiraten, Häuslebauen und Kinderkriegen denken.

Die Realität sieht meistens ganz anders aus:
Das Studium beispielsweise erweist sich als völlig unbefriedigend – sollte man vielleicht nicht doch noch irgendwie versuchen, das Studienfach zu wechseln? Oder gar überhaupt etwas ganz anderes anfangen, vielleicht doch lieber eine Ausbildung? Denn selbst, wenn man irgendwie doch noch ein brauchbares Examen bauen sollte, sind die Berufsaussichten auch damit immer noch miserabel. Der Dienst beim Bund scheint erfüllend zu sein und man(n) freut sich über jede Steigerung in der Gehaltsklasse, aber was passiert wenn aus dem Zeitsoldat, trotz jahrelanger Bemühungen, kein Berufssoldat wird?!
Das Liebesleben, wenn man überhaupt davon reden kann, erweist sich ebenfalls eigentlich als eine einzige Folge von Enttäuschungen oder wird zur Gewohnheit.
Mit den Eltern, Geschwistern, Großeltern daheim gibt's eh nur noch Stress.
Und der Geldbeutel ist natürlich auch andauernd leer.
Kurz: Es fühlt sich manchmal so an, als hätte man alles falsch gemacht – kaum ist man seine ersten kleinen mehr oder weniger selbst verantworteten Schritte ins Leben hinein gegangen, schon hat man das abgrundtief miese Gefühl, einen völlig falschen Weg eingeschlagen zu haben.
Ist man ein für alle mal falsch abgebogen? Kann man, darf man, muss man jetzt noch das Steuer herumreißen und versuchen, doch alles ganz anders zu machen? Hätte man überhaupt genug Mumm dazu? Ist nicht alles schon zu spät? Aber was wären denn überhaupt die Alternativen…? Wahrscheinlich würde man doch, ginge der Traum einer Chance zum Neuanfang in Erfüllung, ohnehin wieder alles falsch machen…
Ist doch eh alles sinnlos…

Seitdem 2003 die selbst von derlei Problemen betroffenen US-Amerikanerinnen Alexandra Robbins und Abby Winter ein Buch veröffentlichten, in dem sie für diese und ähnliche Symptomatiken den Begriff der „Quarterlife-Crisis" prägten, macht dieses neue Wort eine steile Karriere.
Das schlechte Gefühl, irgendwie den falschen Lebensweg eingeschlagen und eigentlich überhaupt grundsätzlich etwas falsch gemacht zu haben, beschleicht offenbar immer mehr Mittzwanziger – gerade in Umbruchssituationen wie dem Abschluss der Ausbildung oder beim Wechsel vom Studium/Ausbildung ins Berufsleben. Die angespannte soziale und wirtschaftliche Lage in Deutschland tut ein Übriges, um die Situation noch weiter zu verschärfen, indem sie das subjektive Elendsempfinden durch handfeste Negativ-Fakten bestärkt:
Der Einstieg ins Berufsleben scheitert heute dank der katastrophalen Arbeitsmarktlage auch oftmals bei bestens ausgebildeten Absolventen -teilweise wird ein gut ausgebildeter ehemaliger Soldat einem Hochschulabsolventen mit einem Durschnitt von 1,0 vorgezogen, da dieser sich immerhin unterordnen kann und nicht so schnell zum Querschläger mutiert. Und die, bei denen der Einstieg gelingt, müssen oft eine Stelle in einer Branche, einem Aufgabenbereich oder einer Gegend annehmen, die ihnen nicht wirklich zusagt. Die Einstiegsgehälter sind oft halsabschneiderisch niedrig. Vielfach gibt es schon prinzipiell gar keine regulären Arbeitsverträge für Einstiegspositionen mehr – man muss auf magerer Provisionsbasis oder in einem unter- bis unbezahlten Praktikumsverhältnis arbeiten, will man nicht seine Berufskarriere als HartzIV-Opfer beginnen. Der dadurch eintretende Geldmangel bei den „Young Professionals" der gegenwärtigen „Generation Praktikum" führt beispielsweise dazu, dass (vor allem in den teuren Städten im Westen und Süden der Republik mit ihren irrsinnig hohen Wohnmarktpreisen – ich nenne symbolisch nur die Großräume Düsseldorf, Stuttgart, München,…) viele gezwungen sind, mit Ende 20 wieder bei den Eltern einzuziehen, weil sie sich trotz Fulltime-Job eine eigene Wohnung einfach nicht leisten können – was wiederum unweigerlich zu Familienkonflikten des Typs „Werd endlich erwachsen!", „So lange Du Deine Füße noch unter meinen Tisch streckst…" oder „In Deinem Alter habe ich damals schon längst…", führt, die bei allen Beteiligten für noch mehr Frust sorgen.

Der psychologische Subtext der Quarterlife-Crisis-Symptomatik besteht aus grundlegenden Defiziten in der Persönlichkeitsentwicklung:
Das Fehlen fester Grundwerte, aus denen sich eine klare Wertorientierung mit entsprechenden Lebenszielen und konkreten Lebensprinzipien als moralischen Leitlinien ergeben würde – für deren Einhaltung man dann auch Widrigkeiten besser in Kauf nehmen könnte.
Die Folgen dieser Defizite sind eine gewisse Orientierungslosigkeit, sowie Unstetigkeit und Unsicherheit in der Lebensführung; das Gefühl von Haltlosigkeit, Antriebslosigkeit und Demotivation, zudem eine geringe Frustrationstoleranz (Fähigkeit, Misserfolge zu ertragen und zu verarbeiten).
Das sind dann auch die Leitsymptome der Quarterlife-Crisis, die sich zu einer behandlungsbedürftigen Depression auswachsen kann.

Anstatt uns gegen diese Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen zu wehren und die berechtigten eigenen Ansprüche und Rechte druckvoll und offensiv gegen den Rest der Gesellschaft durchzusetzen, züchten wir eben Neurosen. Ja, wir sind wohl irgendwie zu schlapp, zu individualistisch, zu angepasst. Wir sind einfach auch zu wenige, schließlich gibt es in Deutschland schon heute doppelt so viele Rentner wie Schüler. So wird die Entwicklung von Staat und Gesellschaft zu Lasten der jungen Generation wohl weitergehen. Eine Rente, das ist jedem von uns klar, der denken kann, werden wir, wenn wir in 40 Jahren so weit sind, jedenfalls garantiert nicht mehr bekommen – allerdings werden nur die wenigsten von uns jemals in ihrem Leben genug verdienen, um privat so gut vorsorgen zu können, dass im Alter ein Lebensstandard möglich wäre, der mit dem unserer Eltern und Großeltern von heute mithalten würde.
Die Aussichten stehen also hervorragend, dass wir die Probleme, die uns bereits jetzt aufgeladen wurden, auch künftig nicht mehr loswerden… von einer späteren Entschädigung oder Kompensation ganz zu schweigen.

Es ist Zeit das sich was ändert, das wir uns ändern, dass wir offensiv an unsere Probleme rangehen, aber auch in der Lage sind unsere Fähigkeiten selbstsicher zum Besten zu geben!!!

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