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    Start » Politikverdrossenheit: Warum uns die Politik immer weniger interessiert
    Politik Inland

    Politikverdrossenheit: Warum uns die Politik immer weniger interessiert

    18. Januar 20124 Minuten Lesezeit

    Belege für Politikverdrossenheit

    Einige gravierende Beispiele, welche die Politikverdrossenheit von heute erklären und untermauern:

    • 62% der Menschen glauben, dass man keine großen Fähigkeiten haben muss um Bundestagsabgeordneter zu werden – 24% sagen doch. (Quelle: Institut für Demoskopie in Allensbach)
    • Nur 9% glauben, dass Politiker immer die Wahrheit sagen. Damit liegen sie deutlich hinter Ärzten (57%)  oder auch Richtern (56%)
    • Nur knapp die Hälfte der Menschen ist zufrieden mit der Demokratie, wie wir sie im Moment in Deutschland haben. Besonders im Osten Deutschlands ist der Wert auffallend hoch.
    • 29% wären gar bereit „zum Teil auf demokratische Mitspracherechte zu verzichten, wenn dadurch der Wohlstand gesichert werde“. (Infratest dimap 2009)

    Diese Zahlen belegen die offensichtliche Diskrepanz zwischen Volk und Volksvertretern. Das Vertrauen ist schwach, die Achtung vor dem Beruf des Politikers ist extrem gesunken. Damit geht ein offensichtliches Desinteresse an der Poltik einher. Politikverdrossenheit ist die Konsequenz. Doch darf man es sich so einfach machen?

    Es ist nicht zu übersehen, dass es der Politik heutzutage an glaubwürdigen Politikern, welche die Menschen mitreißen und zulassen, dass man sich mit ihnen identifiziert, mangelt. Eine Ursache für den Mangel an wahren politischen Persönlichkeiten wird häufig darin gesehen, dass man ein enormes Vorkommen an sogenannten Parteisoldaten hat. Auch findet man äußerst wenig Menschen beispielsweise aus dem handwerklichen Bereich im deutschen Bundestag. Die große Mehrheit unserer Volksvertreter sind Juristen. Es scheint als sei der Beruf des Berufspolitikers neuerdings erlernbar. Persönlichkeiten fernab von kleinkariertem Parteigeschacher sucht man dagegen oft vergebens. Auch dieser Zustand trägt ohne Frage dazu bei, dass Menschen ihr Bild der Politik negativer besetzen. Und wer sauer auf die Politik im allgemeinen ist, geht auch nicht mehr wählen, es sei denn aus Protest.

    Partizipation des Volkes trotz Politikverdrossenheit

    Doch auf der anderen Seite ist das Parlament von uns allen gewählt, die Repräsentanten spiegeln nunmal den Willen des Volkes wieder. Doch hat das Volk überhaupt noch den Anspruch selbst über sein Schicksal zu entscheiden? Allein diese Frage sollte jeden echten Demokraten aufhorchen lassen. Die Antwort sollte außerdem nicht schwer sein. In jüngster Vergangenheit hat es Ereignisse gegeben, welche im Wiederspruch zu der empirisch belegten deutschen Politikverdrossenheit stehen. Das bekannte Beispiel Stuttgart 21 ist heute schon eine Art Musterbeispiel von erfolgreicher politischer Partizipation des Volkes. Wer weitere Gegenargumente benötigt kann sich an der Causa Guttenberg oder am Beispiel der Piratenpartei In Berlin ganz vorzüglich bedienen. Die Beispiele zeigen, dass Poltik eben nicht nur stagniert, sondern das der Einsatz der eigenen Meinung und Stimme etwas bewirken kann. Der Mensch ist für politische Teilhabe geschaffen. Als „Zoon politikon“ beschrieb bereits Aristoteles den Mensch, als teilhabenden, interessierten und mündigen Bürger. Sind wir das überhaupt? Stellen Sie sich die Frage doch mal ganz persönlich.

    Warum ist der deutsche Durchschnittsbürger also so wenig an Politik interessiert? Was sind die Folgen dieses Desinteresses, gibt es überhaupt eine Lösung? Es ist schon ein wenig schwierig, denn mangeldes Vertrauen spiegelt sich eigentlich in einer sehr kritischen Position gegen die Politik wieder. Wer der Politik nicht vertraut ist also eher an Politik interessiert – er meint zumindest ein Bild von ihr zu haben. Der Vertrauensbruch kann jedoch ebenso die apathische Reaktion auf eine Reihe von Enttäuschungen sein. Der Unzufriedene ist also nicht automatisch auch politikverdrossen.

    Auch eine niedrige Wahlbeteiligung, welche ja meist als Hauptindikator für Politikverdrossenheit herhalten muss, kann verschieden gedeutet werden. Es gibt auch bedeutende Stimmen in der Politikwissenschaft, die eine niedrige Wahlbeteiligung als Zufriedenheit interpretieren. Nach dem Motto: Der Wutbürger geht aus Frust wählen, dem Zufriedenen sind die Geschehnisse egal. Die Sache hat immer mehrere Seiten.

    Bürgerbeteiligung ist wichtig

    Was bleibt also? Ein Volk, das sich scheinbar wenig für seine Pflichten als Souverän des Staates interessiert und Volksvertreter, die scheinbar nicht sonderlich daran interessiert sind dies zu ändern. Statt die Menschen in dieser politisch so brisanten Zeit mitzunehmen, distanziert man sich vom Bürger. Das beflügelte Wort Transparenz ist zwar gerade schwer in Mode, doch bisher nicht mehr als ein Wort. Bürgerbeteiligung ist unerwünscht. Welcher Bürger versteht schon die Hebelung des ESFS, so argumentiert man allen Ernstes. Man ist in einer Sackgasse gelandet.

    Bleibt mir als Autor noch die Ehre an Ihre persönlich politischen Teilhabe zu appellieren. Nutzen Sie ihre Stimme, sie zählt und sie ist wichtig. Sollten Sie einer der vielen deutschen Poltikverdrossenen sein möchte ich Ihnen Folgendes nahelegen: Wer sich nicht beteiligt, darf sich auch nicht über die anderen beschweren.

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