Panasonic Jaguar Racing vor ePrix Berlin zuversichtlich

Zum Formel E-Rennen in Berlin ist man bei Panasonic Jaguar Racing hochmotiviert. Wir sprachen im Vorfeld des so genannten ePrix mit Craig Wilson, dem technischen Leiter des Teams über den Jaguar I-Type.

 Welche Herausforderungen bringt der Wechsel vom letztjährigen Straßenkurs aufs Tempelhofer Feld mit sich?
In unserer ersten Formel E-Saison ist der gegenüber dem Formel E-Debüt im Jahr 2015 leicht veränderte Kurs für uns gänzlich neu. Um unsere Fahrer Mitch Evans und Adam Carroll vorzubereiten, haben wie sie im Simulator üben lassen. Anders als die Berliner Straßen ist die Oberfläche zwar eben, aber sehr rau, nutzt die Reifen also stark ab.

Wie sehen Sie ihre Chance auf den Titel?
Ich selbst sehe keine Chance, obgleich wir in den letzten drei Rennen in die Punkteränge gekommen sind. Wir nutzen unsere erste Rennsaison, um das Team aufzubauen und zu festigen sowie zum Sammeln von Erfahrungen. Realistisch betrachtet ist der Titel außer Reichweite, Panasonic Jaguar Racing tritt in einer äußerst stark besetzten Rennserie an.

Wie lief die Saison bisher?
In der diesjährigen Saison haben wir Fortschritte verbucht, haben die Performance verbessert. Womit wir schon sehr zufrieden sind, ist die Zuverlässigkeit unseres Jaguar I-Type. Für die nächste Saison haben wir vor, sowohl Effizienz als auch Gewichtsverteilung zu verbessern.

Die Formel 1 soll den Technologietransfer in die Serie fördern, gilt das auch für die Formel E? Etwa ein Transfer vom I-Type zum in der Jaguar Land Rover Markenboutique München präsentierten Jaguar I-Pace Concept?
Ja, die Formel E bietet bestimmt mehr Möglichkeiten zum Technologietransfer als die Formel 1, speziell was Batterietechnologie und Rekuperation angeht. Das vorrangige Ziel ist die Antriebsstrang-Entwicklung. Im Motorsport liegt die besondere Herausforderung darin, einerseits genug Energie zu rekuperieren, andererseits müssen die Rundenzeiten schnell sein. Aerodynamik ist angesichts der geringeren Geschwindigkeiten indes weniger von Belang als in der F1.

Was gibt es über die Batterie zu sagen?
Bei der hinter dem Fahrer positionierten Lithium-Ionen-Batterie handelt es sich um ein 320 kg wiegendes Konstrukt in einem Karbon-Sicherheitskäfig, bei dem 200 kg auf die Zellen entfallen. Das entspricht etwa 300 Laptop- oder 4000 Smartphone-Batterien.

Jaguar war einst in der Formel 1 aktiv, konnten Sie von den dort gesammelten Kenntnissen in punkto Fahrwerk profitieren?
Ein bisschen. Zwar nutzen alle Teams der Formel E das gleiche Dallara-Chassis mit zwei standardisierten, separaten Hydraulik-Bremssystemen mit Karbon-Scheiben. Dabei geht es auch um die Kostenbegrenzung, grundsätzlich ähnelt die Wishbone-Aufhängung aber der in der Formel 1. In der Wahl der Federn und Dämpfer ist Panasonic Jaguar Racing aber frei.

Wie lauten die Performancewerte des Jaguar I-Type?
Nun, unser 880 kg schwerer I-Type beschleunigt in drei Sekunden von 0 auf 100 und erreicht so 225, 230 km/h Spitze. Im Qualifying ist die Leistung unseres an ein sequentielles Zweistufen-Getriebe gekoppelten Permanent-Magnet-Motors auf 200 kW/270 PS begrenzt, im Rennen selbst verordnet die FIA den Formel E-Fahrzeugen 170 kW/230 PS. Beide Komponenten sind von uns eigenständig entwickelt.

Und das Drehmoment?
Diesbezüglich hüllen wir uns in Schweigen.

No talk about torque?
Ganz genau. Was ich aber verraten darf, ist: Beim I-Type handelt es sich um ein Performance-EV, da fällt das Drehmoment sehr hoch aus.


Mr. Wilson, haben Sie vielen Dank! Wir drücken Panasonic Jaguar Racing fürs Formel E-Wochenende die Daumen!

Bilder: ©Arild Eichbaum

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