Momentan wird der Mann als Heilsbringer gefeiert. Nach seinem überragenden Sieg bei den Präsidentschaftswahlen in den USA fliegen dem Newcomer die Herzen der Welt entgegen. Sein Charme verzaubert dabei nicht nur die Menschen im eigenen Land, selbst in Europa genießt Barack Obama nie gekannte Sympathiewerte.
Das Phänomen Barack Obama ist für mich noch immer nicht ganz greifbar. Sicherlich, er verkörpert im Moment genau das Gegenteil von George W. Bush, der zuletzt nur als Platzhalter im Weißen Haus in Erscheinung trat und gestern seinem Nachfolger im Oval Office begrüßen durfte. Nach den tristen Monaten der Finanzkrise erscheint er den Amerikanern als Erlöser in der Not, aber mal ganz ehrlich – woher soll dieser Mann diese Kompetenz besitzen?
Barack Obama hat Politikwissenschaften studiert, nicht Wirtschaftswissenschaften. Er lernte die Mechanismen des Geschäftes kennen, nicht wie man eine Weltwirtschaft zum Laufen bringt. Seine Karriere war von jeher darauf ausgerichtet, einmal in andere politische Dimensionen vorzustoßen, um nicht im Nirwana der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dieses Streben ist positiv, ebenso die Sammlung von Wirtschaftsexperten, mit denen er sich in seiner ersten Pressekonferenz umgab, aber ein wirkliches Konzept konnte er bisher nicht präsentieren.
Wenn man dann im Spiegel liest, die Amerikaner hätten sich mit Obama neu erfunden, verschlägt es mir die Sprache. Nur weil er der erste Präsident mit einer anderen Hautfarbe ist – habe ich da etwas nicht verstanden? Ganz ehrlich, ich hoffe, dass ich mich wirklich irre. Die wirklichen Ergebnisse lassen sich in einem Jahr ablesen – auch für Europa.
