Für mich erfüllen sich nach und nach diese Reiseträume. Und wie es so ist mit Träumen, schraubt sich die Erwartung von Monat zu Monat höher, bis sie eigentlich gar nicht mehr erfüllt werden kann. Aber von Anfang an: ich gebe zu, eine BUS-reise zu den Niagara Wasserfällen ist sicher nicht die bequemste und schnellste Art und Weise, ans Ziel zu kommen, aber bei weitem die preiswerteste. Es gibt sogenannte ‚package deals‘, wo man für 200 Dollar Fahrt, Übernachtung, Führung zu den Wasserfällen und Bootsfahrt bekommt. Dazu gehören ein Reiseführer, der ununterbrochen redet, eine Klimaanlage, die dem Einen zu kalt und dem Anderen zu warm und dem Dritten zu laut ist, und Pausen aller 3, 4 Stunden. Der Busfahrer hält an Autobahnparkplätzen, wo es außer McDonalds weit und breit nichts zu sehen gibt. Zum Glück haben die mittlerweile Salate im Angebot, sonst würde ich nur noch rollen statt laufen …
Die Niagara Wasserfälle befinden sich nördlich von New York, 27 km von der Stadt Buffalo entfernt; die USA und Canada teilen sich das natürliche Spektakel, weshalb es den Ort Niagara Fall zweimal gibt. Einmal kommt hinter dem Komma Ontario, Canada als Orts- und Landangabe und der amerikanische Ort gehört zum Bundestaat New York. Wir kommen abends an, es ist schon dunkel, aber das ist Teil des Plans. Wir treffen uns gleich nach der Zimmerbelegung wieder mit der Gruppe und sehen die Wasserfälle in Dunkelheit, aber angestrahlt mit verschieden farbigen Lichtern. Es ist unheimlich laut. Die Wassermassen kommen im Getöse herunter. Es ist alles viel größer, als ich es mir vorgestellt habe, aber auch viel kommerzieller. Wie ich mich auch drehe und wende, keine Stelle ohne Souvenirstände und Geschäfte. Kitsch hoch drei, aber die Leute kaufen. Es ist schwer, unter diesen Umständen eine Bezug zu diesem Wunder der Natur zu finden, einfach, weil keine Natur mehr besteht. Ich laufe auf Betonwegen, lehne mich an Metallgeländer, erkenne das Wasser durch künstliches Licht. Ich versuche es am nächsten Morgen nochmal.
