Niagara am Morgen danach

Einige in der Reisegruppe sind tatsächlich noch müder als wir oder kommen erst gar nicht. Niagara ist nämlich auch bekannt für seine Casinos und da sind wohl ein paar gestern Nacht versumpft.

Die Zeit in der Schlange nutzen wir abwechselnd, um uns das Besucherzentrum anzusehen. Dort wird die Geschichte der Entdeckung und Nutzung der Wasserfälle bildlich und textlich dargestellt. Die Kraft des Wassers wird seit dem vorigen Jahrhundert als Energiequelle genutzt. Vielleicht sollte ich mich also mit meiner Kritik an der Kommerzialisierung des Naturwunders zurückhalten, schließlich wollen wir ja nicht mehr so sehr vom arabischen Öl abhängig sein … ähem, weiter gehts. Endlich ist es soweit: die Fahrt mit dem Boot auf der sogenannten Maid of the Mist. Das ist der poetische Name eines Bootes, welches so nah an den Wasserfalll heranfährt, dass die Passagiere nass gespritzt werden. (‚Mist‘ heisst Nebel oder Dunst.) Deshalb bekommen wir alle einen blauen Regenmantel ausgehändigt, den wir danach auch behalten können und stürmen blaubemäntelt aufs Boot.

Die Menschen drängen. Jeder will den besten Platz fürs Fotografieren abkriegen. Und dann fahren wir los, entlang der seitlichen Wasserfälle, wie ich sie für mich bezeichnet habe, direkt ins Zentrum des Geschehens hinein (wo sich übrigens endlich mal ein paar Möwen tummeln). Später, als auch ich wie ein gewöhnlicher Tourist Postkarten kaufe, lerne ich die richtigen Namen kennen: Horseshoe (Hufeisen) Wasserfall; Brides Veil (Brautschleier). Diese Fahrt lohnt sich wirklich, weil man den Wasserfällen so am nahesten kommt. Wir werden vollgespritzt, die Leute schreien, vor Freude, manche sicher auch vor Angst, viele aus Frust, weil sie vor dem Spektakel fotografiert werden wollen und ständig fremde Köpfe dazwischenkommen.

Nun komme ich zu dem Punkt, auf den Kenner der Niagara Fälle sicher schon warteten. Hier sollte nun eventuell ein Loblied auf die prachtvolle Sicht auf die Wasserfälle von der kanadischen Seite gesungen werden. Aber ich muss euch enttäuschen und das ist ganz allein meine Schuld. Als Doktorantin bin ich hier mit einem Visum und einem Formular ausgestattet, auf dem sich ein Strichkode und alle Informationen über mich befinden (nennt sich I-20). Um zur kanadischen Seite zu gelangen, muss man Ausweispapiere zeigen. Man wird schnell rüberwunken, aber nicht so schnell wieder reingelassen, wenn besagtes I-20 fehlt …

Deshalb belasse ich es bei diesem Eindruck, vielleicht ist es mir ja vergönnt, noch ein zweites Mal in die Gegend zu kommen. Dann werde ich mir definitv die andere Seite der Medaille ansehen, auch wenn es mir dort ebenso wenig nach Natur aussieht …

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