Mont St. Michel: Abtei im Ärmelkanal

Das Benediktinerkloster hat in seinem 1300-jährigen Bestehen so manches an Geschichte erlebt. So wurde der Sakralbau mehrfach zur Festung umfunktioniert: in frühen Aufzeichnungen zum Schutz vor plündernden Wikingern, später, im Hundertjährigen Krieg, als englische Belagerungsstätte sowie als Gefängnis zu Zeiten der französischen Revolution.  Auch architektonisch lässt sich in der Abtei Mont St. Michel eine stilistisch abwechslungsreiche Entwicklung von der Vorromanik bis zur Gothik verfolgen. Victor Hugo war seinerzeit mindestens genauso begeistert von dem Bau, wie in unseren Landen einst Goethe vom Dom in Köln. Durch den Begründer der französischen Romantik wurde ein landesweites Bewusstsein für das kulturelle Erbes des Mont St. Michel geschaffen, das die Erhaltung und die spätere Restaurierung erst ermöglichte.

Pilgerstädte am Golf von St. Malo – damals und heute

Erstmals im 12. Jahrhundert wurde die Stiftskirche von ersten Pilgerströmen aufgesucht. Der Jakobsweg trug sicherlich seinen Teil dazu bei, ebenso die Gründungslegende von Mont St. Michel, der eine Erscheinung des Erzengels Michaels zugrunde liegt. Dieser erschien dem Erzbischof von Auverche und befahl nicht weniger, als den Bau einer Kapelle auf einem Felsen am Ärmelkanal. Dieser lehnte erst ab, so das der himmlische Vertreter eine brutale Bestrafung anwenden musste, um den Geistlichen zur Grundsteinlegung zu bewegen. Noch heute ist dieser durchlöcherte Schädel des Bischofs als Reliquie zu sehen. Und dieser wird auch heutzutage bestaunt. Über das gesamte Jahr verteilt, drängeln sich 3,6 Millionen Besucher durch die kleine Stadt am Fuße des Berges hinauf durch die schmalen Gasse der Grande Rue in das Kloster.

Fluten schnell wie galoppierende Pferde

Den Ausspruch soll  Victor Hugo geäußert haben, als er den raschen Gezeitenwechsel um Mont St. Michel beobachtete. Seitdem das Bauwerk 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde, hat dieses Naturschauspiel allerdings indirekt nachgelassen; die Felseninsel liegt nun eher im trockenen Watt und das Meer rauscht ein paar Kilometer entfernt. Seit 2006 unternimmt die französische Regierung kostspielige Vorkehrungen um diese Versandung der Bucht buchstäblich zu dämmen. So sorgt  unter anderem seit 2008 ein Gezeitendamm für ein kontinuierliches Ansteigen des Wasserspiegels um den St. Michel, damit aus der Felseninsel in ein paar Jahren auch wieder eine echte Insel wird, die wie zu Hugos Zeiten malerisch von den Gezeiten umspült werden kann.

Eine Meinung

  1. Toller Artikel und schönes Foto vom Mont-Saint-Michel! Wem der Artikel Lust macht selbst hinzureisen, der muss unbedingt beachten, dass sich ab dem 28. April 2012 die Parkplatzsituation und die Anfahrt komplett verändernt wird!Der 1869 angelegte Straßendamm, der aktuell noch den Mont-Saint-Michel mit dem Festland verbindet, trägt zur Verlandung der Bucht bei. Deshalb wurde ein ambitioniertes Renaturierungsprojekt ins Leben gerufen, im Zuge dessen die Pkw- und Busparkplätze auf das Festland verlegt werden. Mehr Infos: http://www.normandie-tourisme.fr/articles/renaturierung-der-bucht-des-mont-saint-michels-1274-3.html

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