Mangabilder zeichnen: Ein umfassender Grundkurs mit Bildern

Mangabilder zeichnen ist wie bei allen künstlerischen Werken zunächst eine Frage der Übung, des Willens und des Handwerks. Wie bei jedem Zeichenstil muss man sich auch bei diesem mit den Eigenheiten auseinander setzen und vor allem auf eine gewisse Basis, was Anatomie, Technik und Farbgebung angeht, zurückgreifen können. In diesem Grundkurs sollen also die wesentlichen Merkmale des Stils aufgezeigt werden und er soll eine Art Rüstzeug für die ersten Schritte beim Mangabilder zeichnen bieten, ohne aber durch allzu genaue Vorlagen die eigene Inspiration zu hemmen.

Mangabilder zeichnen: So wirds gemacht!

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Manga

Manga, die japanische Form von Comics, zeichnet sich durch einerseits hohe Abstraktion bei den Charakteren und andererseits unglaubliche Detailverliebtheit und Realismusanspruch bei Technik, Kleidung und Architektur aus. Darüber hinaus sind vor allem die Illustrationen von großer Dynamik, extremen Perspektiven und Experimentierfreude geprägt.

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Comics und Illustrationen

Ein Comic ist keine Illustration ist kein Comic: Während sich ein Manga-Buch durch die Bilderfolge definiert, ist das Mangabilder zeichnen eher eine Form von stylischer Momentaufnahme. Beides benötigt eigenes Handwerkszeug und einen speziellen Fokus. Bei einem Einzelbild muss die „Geschichte“ allein durch Positionierung, Accessoires, Blick und Bildkomposition erzählt werden.

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Stil

Manga ist im großen Maße stilisiert: Bestimmte Darstellungsweisen haben sich so sehr etabliert, dass alleine sie reichen, um dem Betrachter zu vermitteln, dass die Illustration vom japanischen Comic beeinflusst wurde. Trotzdem hat auch hierbei jede Zeichnerin und jeder Zeichner einen eigenen Stil – man sollte versuchen, diesen zu entwickeln und nicht unbedingt nur die Vorbilder nachahmen.

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Anatomie

Prinzipiell sollte man sich, bevor man sich daranmacht, Mangabilder zeichnen zu wollen, mit Anatomie beschäftigen. Denn auch wenn im japanischen Comic etliche Abkürzungen genommen und Abstraktionen bemüht werden, ist doch die Grundlage immer die anatomisch korrekte Figur. Erst wenn man diese beherrscht, kann man auch abstrahieren.

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Features

Wenn man an Mangabilder denkt, fallen in der Regel zuerst die großen Augen auf. Doch es sind auch weitere Features, die den japanischen Zeichenstil von amerikanischen Comics oder franko-belgischen Bandes Dessinées unterscheiden. Die Kopfform, wie Finger gezeichnet werden, die Körperhaltung – all dies muss bedacht werden, wenn man sich hierin versucht.

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Genre

Wie alle Comics sind auch Mangas völlig frei in der Ausarbeitung des Genres. Typische und beliebte Themengebiete sind Science Fiction/Cyberpunk, Steampunk und Gothic, Samurai und Ninjas, Fantasy, das viktorianische England und das historische Japan. Auch Humor, meistens in Form der sogenannten Chibis (stark deformierte Kullerköpfe), findet seinen Weg in die Illustrationen.

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Emotionen

Japanische Figuren haben aufgrund ihres Abstraktionsgrades ein recht beschränktes Emotionsspektrum. Die zwei, drei (oftmals extremen) Gesichtsausdrücke werden deshalb durch Marker ergänzt, die dem japanischen Publikum bestimmte Gefühlszustände und Emotionen vermitteln. Besonders bekannt sind dabei ein überdimensionierter Tropfen an der Stirn, wenn etwas peinlich ist, eine Art Kreuz ebenfalls an der Stirn, um Anspannung zu signalisieren und auch fontänenartiges Nasenbluten für Erregung. Wenn man die genaue Bedeutung dieser Ikonographie nicht kennt, sollte man vielleicht besser einen Bogen um sie machen.

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Perspektive/Bildkomposition

Einfach eine Figur frontal aufs Papier zu bringen, ist für eine Skizze oder eine Studie sicherlich in Ordnung, möchte man eine gelungene Manga-Illustration fabrizieren, ist es eher uninteressant. Man kann daher mit Perspektiven spielen, die „Kamera“ so positionieren, dass die Blickrichtung des Betrachters einen interessanten Winkel einnimmt oder die Charaktere so im Raum anordnen, dass sie weniger aufgestellt wirken – zum Beispiel in einem ungewöhnlichen Verhältnis zu einer Zentralperspektive. Klassische Gemälde können ebenso als Orientierung dienen, wie auch Fotografie in Pulp Magazinen oder ähnlichem.

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Perspektivische Verkürzung

Sehr wichtig, um Dynamik im Bild zu erzeugen, ist die perspektivische Verkürzung. Stellt man dreidimensionale Objekte zweidimensional dar, wird man sehen, dass manches größer erscheint als anderes und weiteres überlagert wird. Ein Beispiel: Streckt eine Figur die Hand nach vorne in Richtung des Betrachters, so wird die Hand deutlich größer sein als der weiter entfernt liegende Kopf, Unter- und Oberarm verjüngen sich, vermutlich sind Teile des Ellenbogens oder des Handgelenks gar nicht sichtbar. Setzt man dieses Prinzip geschickt ein, erhält man eine dynamische Bewegung und eine gewisse Dreidimensionalität.

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Hintergrund

Oftmals werden in Illustrationen die Hintergründe einfach frei gelassen oder nur mit leichten Farbverläufen ausgestattet. An anderen Stellen finden sich ausgeklügelte Architektur-Systeme, abstrakte Technik oder Formenspiele. Die Entscheidung liegt ganz beim Künstler und die Inspiration kann auch hierbei aus der gesamten Kunstgeschichte bezogen werden.

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Farbe

Viele Mangazeichner arbeiten mit Copics – speziellen Filzstiften, die es ermöglichen, in mehreren Farbebenen zu arbeiten. Auf diese Weise können Licht- und Schattenverhältnisse schnell und einfach dargestellt werden, wobei man sich vorher über den Lichteinfall im Bild klar werden und später konsequent danach richten sollte.

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Verzierungen

Mangabilder sind dafür bekannt, entweder lediglich die Charaktere für sich sprechen zu lassen oder aber Verzierungen in die Illustration einzubauen, die die Stimmung unterstützen sollen. Klassiker sind fliegende Kirschblüten, Pusteblumen und Blätter, aber auch rankenartige Tribals und Elemente aus dem Jugendstil finden sich häufig wieder.

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Vorzeichnung

Man beginnt mit der Vorzeichnung: Mit Bleistift (oder einem blauen Buntstift, der vom Scanner oder Kopierer nicht erkannt wird) arbeitet man die grobe Form der späteren Zeichnung aus. Es werden nur die Positionen der Körperteile festgelegt, Details kommen später. Auf diese Weise kann man schnell und einfach herausfinden, ob die Zeichnung funktioniert, wie perspektivische Verkürzungen wirken und an welchen Stellen man seine Idee noch einmal abändern muss.

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Bleistiftzeichnung

Steht die Vorzeichnung, kann man mit dem eigentlichen Manga-Bild beginnen: Hat man vorher nur vage angedeutet, wo sich Augen, Nase, Mund, Hände etc. befinden, wird all das nun vollständig gezeichnet. Auch hierbei muss noch nicht jeder Strich sitzen, man kann noch einiges verändern und verbessern.

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Tusche

Mit Feder und Tusche oder Fineliner zieht man nun die Bleistift-Zeichnung nach. Beim sogenannten „inken“ legt man jedes Detail fest und macht die Zeichnung fertig. Man sollte darauf achten, durch verschiedene Stiftgrößen und Linienstärken der Figur Tiefe zu geben. Ein oft beobachteter Trick ist, den äußeren Linien und den Dingen, die sich im Vordergrund befinden, eine dickere Strichstärke zu geben und nach innen, beziehungsweise nach hinten, mit dünneren Stiften zu arbeiten.

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Scannen

Möchte man seine Zeichnung später drucken oder ins Internet stellen oder am Computer kolorieren, muss man sie an dieser Stelle scannen. Da sich ja noch keine Farbe darauf befindet, scannt man in Graustufen und stellt die Druckqualität auf 300 bis 600 dpi (für die reine Monitorausgabe benötigt man lediglich 72 dpi).

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Farbe

Viele Mangazeichner arbeiten mit Copics-Filzstiften. Mit diesen kann man mehrere Farbschichten auftragen und damit Licht- und Schattenverhältnisse erzeugen. Andere arbeiten am PC oder Mac und kolorieren mit Bildbearbeitungssoftware. Entscheidet man sich für die erste Variante, so muss man den Umgang mit den Stiften gut üben (am Besten auf Kopien der Zeichnungen) und später dann in Farbe scannen. Möchte man am Computer kolorieren, geht es weiter mit der Vorkolorierung.

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Vorkolorierung

Damit ein Mangabild gleichmäßig farbig wird, füllt man alle Flächen mit Farbe – am Besten kann man dies in Photoshop und anderen Programmen machen, die Ebenen zulassen. Man dupliziert die Tusche-Ebene und arbeitet auf der darunter, wobei man darauf achten muss, wirklich jeden Pixel zu erwischen.

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Abschattieren

Ist die Zeichnung komplett farbig, wählt man die Flächen aus und schattiert sie, beziehungsweise, fügt Lichter ein. Eine einfache Methode ist, mit dem Buntstift-, Pinsel- oder Airbrush-Tool und der jeweilig ausgewählten Farbe die Einstellungen „multiplizieren“ für Schatten und „negativ multiplizieren“ für Licht zu verwenden. Wenn man an den Reglern und Einstellungen ein bisschen spielt, lernt man nicht nur den Umgang mit der Bildbearbeitungssoftware, sondern entdeckt auch interessante neue Effekte.

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Fertigstellen

Hat man alle Highlights und Schatten gesetzt, Effekte eingefügt und die gewünschte Anmutung des Bildes erreicht, kann man es nun noch auf die Hintergrundebene reduzieren und im bevorzugten Dateiformat speichern. Wenn man das Mangabild seinen Freundinnen und Freunden im Internet zeigen möchte, sollte man es als 72 dpi Jpeg in RGB speichern und darauf achten, dass die Dateigröße bei guter Qualität nicht allzu hoch ist.

2 Meinungen

  1. Ich liebe Mangas und habe versucht auch diese selbst zu zeichnen. Es gibt ja spezielle Stifte hierfür. Aber irgendwie bin ich meiner alten Tusche treu geblieben – so kommt man mit schwarzweiss gut klar. So kennen wir ja eigentlich die Mangas) :)) Vielen Dank für die Infos!

  2. webseite erstellen lassen

    Wow, unglaublich! Vielen lieben herzlichen Dank für dieses tolle Tutorial! Das sollte man sich am besten gleich 3 mal durchlesen, habe auf jeden Fall ein Lesezeichen gesetzt! Das muss ziemlich viel Arbeit gewesen sein…vielen herzlichen Dank nochmal, das ist toll 🙂

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