Lausangriff!

Hochmut kommt vor dem Befall…

Eines Tages, mein Sohn muss ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein, betrat ich morgens den Kindergarten, wo mich ein Aushang mit den unschönen Worten „Wir haben Läuse“ begrüßte. Schluck! Ich fühlte mich immer noch nicht wirklich angesprochen. Abends, kurz vorm Schlafengehen, fiel mir die Läuse-Warnung wieder ein. Ich stillte gerade meine zwei Monate alte Tochter und bat daher meinen Ehemann, er solle doch mal den Kinderkopf kontrollieren. Der guckte kurz und bemerkte tonlos: „Da ist was.“

Panik!

Ich wusste, was zu tun war: Alles, was ansatzweise aus Stoff bestand oder mit Köpfen in Kontakt gekommen war, musste dekontaminiert werden. Mein Mann brauste zur Notdienst-Apotheke, organisierte das giftige Gegenmittel „Goldgeist“ und ich zog derweil Betten ab, stopfte Plüschtiere in luftdicht-verschlossene Müllsäcke, riss alle getragenen Klamotten aus den Schränken, schmiss diese in die Waschmaschine, füllte das Gefrierfach mit Dingen, die als nicht waschbar galten und saugte alles, was nicht bei drei aus dem Fenster gesprungen war, brutalst ab. Ich wäre am liebsten zu Hause ausgezogen.

Nebenbei verabreichte ich Mann, Sohn und mir haarmäßig eine goldgeistige Giftpackung. Das Zeug stinkt wie die Pest und wirkt wahrscheinlich nicht nur vernichtend gegen Läuse… Meine Tochter war zu dem Zeitpunkt glücklicherweise noch komplett unbehaart.

Tja, so ging es die folgenden Tage weiter: Waschen bis der Heizstab glüht, saugen, putzen, desinfizieren. Auf deutsch: kernsanieren. Das verlauste Kind durfte natürlich nicht in den Kindergarten, mich aber auch nicht bei der Arbeit stören, deshalb lief der Fernseher bis zum Erbrechen. Pädagogisch wertlos, aber was blieb uns übrig? Die Spielsachen waren doch alle entweder in der Waschmaschine, im Müllsack oder im Gefrierfach.

Dreimal täglich verzog ich mich mit dem armen Lausejungen zur Kontrolle ins Bad. Haar für Haar nahm ich unter die Lupe. Tierchen sah ich keine mehr, aber Nissen. Diese Laus-Eier mussten weg! Und wer meint, dass man das mit einem Nissenkamm bewerkstelligen kann, der irrt. Jedes einzelne Ei habe ich mit Fingernägeln rausgezogen. Ich mutierte zum Nissen-Suchgerät. „Gib mir ein Kind und ich finde die Nisse!“, war mein Schlachtruf.

Woran man Nissen erkennt? Ha! Das sind so kleine Dinger, die kurz über der Haarwurzel im Haar kleben. Zieht man sie ab, sehen sie aus wie eine Mini-Blüte, wie ein ganz kleines, graues Y. Besonders gerne findet man sie hinter den Ohren oder im Nackenbereich.

Nach einer Woche Quarantäne und einer giftigen Nachbehandlung fühlte ich mich auf der unlausigen Seite. Mein Sohn bekam den Persilschein des Hautarztes und besuchte wieder den Kindergarten. Als er am ersten Tag mittags nach Hause kam, unterzog ich ihn einer sofortigen Kontrolle. Positiv! Im kindlichen Nacken hockte eine lebende Laus!

Ich wäre am liebsten ohnmächtig geworden. Mir war klar, dass es sich bei dem Mini-Monster um frische Importware handelte und rief erzürnt in der Einrichtung an. Die zuständige Dame stritt alles ab und schob mir die Schuld in die Schuhe. Ich traute mir selber nicht mehr über den dekontaminierten Weg und das Spiel fing von vorne an: Giftpackung, putzen, waschen, kernsanieren.

Das gemeine an Läusen ist, dass nach dem Befall kein Immunschutz besteht. Sie können direkt wieder zuschlagen!

Ich bekam ein hektisches Zucken im rechten Auge.

Kurz darauf entdeckte man glücklicherweise die Quelle allen Übels: Ein Junge im Kindergarten wurde als megaverlaust entlarvt. Es war kein Geringerer als der Garderoben-Nachbar meines Sohnes. Der Spuk hatte vorerst ein Ende.

Heute weiß ich: Nach der Laus ist vor der Laus. Mit Sauberkeit hat der Befall nichts zu tun. Wer sich oft wäscht hat nur sauberere Gäste. Außerdem gilt „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“! Da meine Tochter diese Brut ebenfalls aus dem Kindergarten nach Hause gebracht hat, kontrolliere ich meine beiden Kinder täglich.

Mich beschäftigt allerdings die Frage, woher die Viecher kommen. Wieso waren sei in meiner Kindheit nicht da? Werden sie wirklich von Fernreisenden eingeschleppt?

Da Läuse zwar in erster Linie Kinderköpfe anfallen, die Mütter aber das Problem der Ausrottung an der Backe haben, glaube ich beinahe, dass Läuse eine Art Bio-Waffe sind. Sie werden von irgendwo eingeschleust um uns zivilisierte Eltern fertig zu machen. Ja, so wird es sein!

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