Lasst die Kinder spielen

Klar geht mir das auf den Geist, wenn die Kids immer nur Smash Bros. Melee spielen. Ich kann die düdeligen Melodien auswendig und die Geräuschkulisse zu hören reicht mir, um dem Spielverlauf zu folgen (Aha, der Handschuhversuchts mit der Faust). Aber so war da sfür meine Eltern sicher auch, wennich mit meinem Bruder nur Panzerschlacht gespielt habe und wir alle anderen Cardridges mit – sagen wir mal – kindgerechteren Themen liegen ließen.

Klar gibts auch Grenzen der Wahlfreiheit. Einmal natürlich die Altersvorgaben der Spiele, an die sich gehalten wird. Wenn ich dabei bin. Das bin ich zwar meistens, aber eben nicht immer. Dieser geheime Freiraum, in dem dann natürlich auch mal eines der „ab 16“-Spiele den Weg in den Gamecube findet, ist auch wichtig für Kinder. Neugier ist ein guter Antreiber.

Wobei das eine Gratwanderung ist, mit der viele Eltern, die nicht selbst spielen, ein Problem haben. Denn wenn die Eltern gar nicht nachvollziehen können, was da auf der Playstation läuft, gibt es auch keine Grenze, deren Überschreitung die Kinder bewusst eingehen können. Ich verlange nun nicht, daß sich diese Eltern an de Konsole setzen und Nachlernen (wenn sies tun könnte es allerdings passieren, daß sie auch was davon haben). Aber sie sollten dann wenigstens die Altersfreigaben beachten und ihre Einhaltung durchsetzen.

Eine andere Grenze sind die Inhalte. Armee-Spiele gibt es nicht. Was nicht heißt, daß es keine Shooter gibt, die Time Splitters Reihe oder Metroid Prime laufen hier auch hin und wieder und die X-Men sind auch alles andere als gewaltfrei. Sie werden später auch Spiele mit „realen“ Militärthemen spielen dürfen, aber erst, wenn sie einen gewissen Background erworben haben, was Armeen sind, wie militärische Konflikte funktionieren und wenn sie die Faszination für Zerstörung und die Effektivität der Technik einordnen können: Hört sich gestelzt an, soll aber heißen: Sie müssen unterscheiden können zwischen Krieg in der  Realität und im Spiel. Letzteres finde ich nicht verwerflich. Im Gegenteil, Mechanismen lernt man am besten spielerisch und wie Krieg funktioniert sollte man irgendwann wissen, um auchim echten Leben mit dem Thema umgehen zu können.

Auch der Gewaltlevel ist mir nicht sehr wichtig, das ist nur ein kurzlebiger Effekt. Ich achte allerdings auf ethische Ideen, die transportiert werden. Die GTA-Spiele zum Beispiel finde ich nicht wegen Gewalt schwierig, sondern wegen der Verhaltensweisen, die von Spiel belohnt werden. Das ist Ähnlich wie mit der Umgang mit der Militärthematik: Ein Spiel in dem es cool ist, einen Verbrecher zu spielen, verlangt vorher die Kompetenz, eine klare Differenzierung von Realität und Spiel herzustellen.

Was mich interessieren würde, falls hier Eltern mitlesen: Wie macht ihr das? Oder wenn ihr Kinder hättet, wie würdet ihr das handhaben? Oder wenn ihr Kinder seid: Wie machen das eure Eltern und was haltet ihr davon?

5 Meinungen

  1. Bei uns gilt eigentlich die Regel: erst die Schule, dann das Spiel. Eigentlich… Altersbeschränkungen werden eingehalten, aber das größere Thema ist die Daddeldauer. Gelingt selten, da einen „vernünftigen“ Mittelweg zu finden. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht: Je älter das Kind, desto weniger wird gedaddelt. Insofern: Lasst die Kinder spielen.

  2. Wir haben für meinen 11jährigen Sohn ein Medienzeitlimit eingeführt. Dazu gehört: TV, Computer, Konsolen. Am Wochenende 1,5 h, in der Woche max. 1. Allerdings können wir das in der Woche überhaupt nicht überprüfen, da er nachmittags alleine ist und zwischen Schule und außerschulischen Unternehmungen immer noch genügend Zeit hat, rumzudaddeln. Insofern ist das Limit ein Witz. Rechner mit Internetzugang gibt es bei uns reichlich, und da er sehr technikinteressiert ist (Programmierkurs mit Jave usw.) kann er damit sehr gut umgehen, kennt sich auf allen Seiten aus und hat außerdem noch ein Bild-Spiele-online-Abo. Und da wir uns so gar nicht für so etwas interessieren, kann er da auch so ziemlich schalten und walten wie er möchte. Ich weiß, dass das nicht gut ist, habe aber auch keine Idee, wie ich das sinnvoll und vor allem auch realisierbar reglementieren könnte. Das einzige, was ich sehe, ist, dass ihm unkontrollierter Spielekonsum nicht gut tut und er danach launisch und unausgeglichen ist.Hilfreich finde ich dennoch J. Scholz Hinweis, auf die ethische Idee, die hinter den Spielen steckt, zu achten, mehr noch als auf das Gewaltlevel. Beruhigend finde ich auch Thomas Meins‘ Erfahrung: um so älter um so seltener. Ich hoffe, dass ist bei uns auch der Fall …

  3. Mein Problem ist zur Zeit eher, dass es sehr, sehr wenig aqäquates Spielematerial für Kinder gibt, was nicht Jump-and-Run oder Bang-Bumm-Zoom ist (tja, Mädel, 7 Jahre).Die Löwenzahn-Reihe ist sehr schön gemacht, aber irgendwann (und sie lässt mich das recht oft wissen 🙂 kennt man eben alle Stories und Spielchen auswendig. Die üblichen Kinderzockserien a la Mario et al. sind rein gar nix für sie (hm, Half Life 2 fand sie klasse..au weia). Daneben gibt es die oft strunzlangweiligen „Lernspiele“, das erinnert mich aber immer an das langweilige „pädagogisch wertvolle“ Holzspielzeug, was nun gar nicht gegen meine perfekte Replika des gesamten WK2-Fuhrparks anstinken konnte. :DKurz, abseits dieser üblichen Genres findet sich nichts, naja fast nichts. Einen interessanten Ansatz machte „Die einsame Insel“, ein Art Adventure auch für kleinere Kinder, was ich aber auch nicht durchgängig gut fand. „Ankh“ fand sie klasse (wir haben uns mal die Demo angeschaut), ist aber für ihre Altersstufe noch zu schwierig. Die Gewaltfrage stellt sich bei uns also (noch) nicht. Mädchen tendieren auch eher zu anderen Suchtgefährdungen: Endlosspiele wie „Die Sims“ können durchaus ein ähnliches Suchtpotential wie Counterstrike oder ein World of Warcraft bieten. Daher sehe ich bei der Frage „Kind und Computer“ auch weniger die Gewalt im Spiel als Problem, als vielmehr den zeitlichen Umgang mit dem Medium. Solange ich merke, dass Fernsehen und PC nicht zur Hauptbeschäftigung werden, darf beides ruhig Teil ihres Lebens sein (ist ja Teil von meinem)….sie fängt aber jetzt schon ihre Weihnachtstaktik an: wie toooooll doch Nintendogs ist und wiiiiiieee süss das ist und ob sie mal mit dem Nintendo ihrer Cousine spielen darf und…..Weihnachten kauf ich das Ding freiwillig. 😛

  4. Diese Liebesdingsda sind doch schon längst outgesourced. Zahlt sogar die Krankenkasse. Aber such du mal einen Therapieplatz…<|;)

  5. oh gott, das hört sich aber schrecklich an, wenn jeder nur noch perfekt gecoacht ist, da weiß man ja nie, ob dieser nette Spruch jetzt von ihm selbst oder von seinem Coach, dem er Unmengen von geld in den Rachen steckt, stammt. Gerade das Unperfekte ist ja oft so liebenswert, zum Glück bleibt es noch 44 jahre so wie es ist:-)

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