Lamia Joreige: Objects of War

In ihrem Filmprojekt „Objects of War“, das von 1999 bis 2006 auf vier Teile heranwuchs, erforschte Lamia Joreige den Bürgerkrieg im Libanon (1975 bis 1990). Nicht der historische Kontext, die lineare Erzählung spielt hier eine Rolle; es sind die Menschen, die auf verschiedenste Weisen und Sichtweisen den Krieg unmittelbar erfuhren und von ihm geprägt wurden, die von Joreige hier zu einem vielfarbigen und – gestaltenden Mosaik des Berichtens eingeladen wurden. Jeder der Erzählenden darf sich als Ausgangspunkt seines ganz persönlichen Erinnerns ein Objekt wählen, das er oder sie mit dem Krieg verbindet. Die Erzählenden, ihre Assoziationen und ihre Emotionen, die Joreige filmisch einfängt, geben das Trauma des Bürgerkrieges und dessen Folgen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven wieder, die nicht vereinbar scheinen. Schon gar nicht auf analytische, von außen betrachtende Weise.

Objects of War – Die Kunst der Erinnerung

Wie ein Gemälde, das aus Schichten von Farben, Strichen, Formen besteht und sich erst im Auge des Betrachters zu einem zusammenhängenden Bild formt, entwickelt sich aus diesen sich jeder Einordnung entziehenden Fragmenten des Erzählens erst allmählich und subtil die Erfahrung eines kollektiven Traumas mit seinen Brüchen, Nachwirkungen und Folgen.

Radikal subjektiv und fragmentarisch sind diese Erinnerungen; die Frage, „was wahr ist“, wird hier in viele verschiedene und oftmals unvereinbar scheinende Facetten aufgebrochen. Kann und sollte man sie überhaupt stellen? Auch das ist eine Frage, die die Installation „Objects of War“ aufscheinen lässt, ohne sie aufzudrängen. Der Spannungsbogen zwischen individuellen Geschichten und kollektiver Geschichte, besonders der Geschichte des Libanons und ihrer Stadt Beirut, ist das Grundthema aller Werke von Lamia Joreige. Sie ist Mitbegründerin und Direktorin des Beirut Art Centers, das sich als Non-Profit-Organisation der zeitgenössischen Kunst des Libanon widmet.

Teil eins von „Objects of War“ wurde im Jahr 2000 der Öffentlichkeit vorgestellt; seither wurde die Videoinstallation unter anderem in Frankreich, Deutschland, den USA, der Türkei, Korea und Dänemark gezeigt.

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