Kunsthochschulen und Bologna

Bereits vor einem Jahr fassten die Präsidenten und Rektoren
der deutschen Kunsthochschulen einstimmig folgenden Beschluss: „Die Kunsthochschulrektorenkonferenz
bekräftigt mit Nachdruck ihren Beschluss vom 13. Mai 2004. Die als eindeutig
künstlerische Disziplinen ausgerichteten Studiengänge sind von Beginn an auf
die Person und die individuelle Entwicklung ihrer praktischen und
künstlerischen Fähigkeiten gerichtet. Dementsprechend findet sie in Deutschland
in der Regel als Einzelunterricht und/oder in Klassen statt. Künstlerische
Ausbildung ist daher weder modularisierbar noch international standardisierbar.“
 
Jetzt warnten sie
erneut. In Halle sagte Karin Stempel, Sprecherin der Rektorenkonferenz der
Kunsthochschulen und Rektorin der Kunsthochschule Kassel: „Wir sind
bereit zu Veränderungen, aber nicht durch ein abstrakt uns von außen
übergestülptes Regelwerk.“ Sie verwies wiederum auf die enge Verzahnung von
Lehrenden und Lernenden. Der Unterschied sei außerdem, dass jede
Kunsthochschule von ihrer eigenen besonderen Ausrichtung lebe.
„Kunsthochschulen sind nicht nur reine Ausbildungsstätten für künstlerische
Techniken, sondern auch Stätten, an denen sich künstlerische Persönlichkeiten
entwickeln können“, so Stempel weiter.
 
So stellen sich zwei Fragen: Ist Kunst überhaupt
modularisierbar? Und ist und war Kunst nicht immer schon international ausgerichtet?
Kunst braucht Freiraum und Zeit, das ist klar. Und von
den 20 000 Studierenden an den deutschen Kunsthochschulen seien bereits 30
Prozent Ausländer, so Stempel. Die Kunsthochschulen hätten von daher die durch den
Bologna-Prozess gewünschte Offenheit, Flexibilität und Internationalität
bereits umgesetzt.
 
In der Schrift „Hybride Dialoge – Kunstausbildung in der
Medienkultur“ von Dr. Ute Vorkoeper heißt es außerdem: „Darüber wird leicht vergessen, dass es die Autonomie der randständigen Kunsthochschulen war, die
über die vergangenen Jahrzehnte einen unzeitgemäßen, unendlich großen Freiraum
für Reflexionen und Experimente zu wahren vermochte, der sich konsequent der
Funktionslogik technischer Entwicklungen und medialer Kulturen entziehen
konnte. Gerade deshalb aber konnten Kunsthochschulen immer wieder zum „potential space“ für
unvorhergesehene, herausragende kulturtechnische Leistungen werden: Kunst.“
 
Die Kunsthochschulen
haben bereits einen Sonderstatus gegenüber anderen Universitäten. Momentan
können sie ihr Studiengänge reformieren, müssen dies aber nicht. Die
Entscheidung muss nur im Einklang mit dem jeweiligen Landesministerium stehen.
In einem Papier der Akkreditierungsagentur für Bachelor- und Masterstudienangebote heißt es: „Abweichend
von Ziffer 1.3 können in den künstlerischen Kernfächern an Kunst und Musikhochschulen nach
näherer Bestimmung des Landesrechts konsekutive Bachelor- und
Masterstudiengänge ausnahmsweise auch mit einer Gesamtregelstudienzeit von bis
zu sechs Jahren eingerichtet werden.“ An den Kunsthochschulen zählen zu den
künstlerischen Kernfächern das Fach Freie Kunst.
Ulrich Schießl, Professor
der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, äußerte aber bereits im letzten Juni gegenüber
der Wochenzeitung Die Zeit Bedenken. Der Sonderweg der Künstler könnte in dem
Moment zu Ende gehen, in dem die meisten Unis den Bachelor eingeführt hätten.

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