Neuer katholischer Superstar

Anselm Grün schreibt Bücher über den Glauben und über Spiritualität. Er ist in Deutschland der meistgelesenste Autor religiöser Bücher. Die Menschen bitten ihn um Autogramme, und er kommt ihren Bitten geduldig und freundlich nach. Er wird fotografiert und auch für das Fernsehen ist der Benediktinermönch im dunklen Mönchshabit und mit Rauschebart ein lohnendes Motiv.
 
Mit tosendem Beifall wird er begrüßt, wenn er auf dem Kirchentag ein Abendgebet hält. So ganz geheuer scheint ihm die Berühmtheit nicht zu sein. Wenn das Abschlusslied verklingt, entschwindet er schnell. Der Mann, der die Menschen lehrt, spirituell zu sein, hat Mühe, sich zum Gebet zu sammeln, wenn ihn die Fans bedrängen.
 
Grün wünscht sich mehr Spiritualität in der Kirche. Die Kirche habe sich manchmal zu sehr auf Organisation statt auf menschliche Erfahrungen konzentriert. Viele Menschen suchten außerhalb der Kirche nach Spiritualität während die Kirche mit organisatorischen Fragen beschäftigt ist. Der Meister will dazu die vorhandenen Rituale im Gottesdiensten wieder mit Leben zu füllen. Zudem müssten Priester mehr Mut zu spirituellen Erfahrungen haben.
 
Zugleich sprach sich der Theologe gegen eine Veränderung des Ritus aus. Die Messe brauche Kontinuität, statt einem „Inszenierungsdruck“ hinterherzulaufen. Menschen suchten auch verlässlichen Wurzeln.
 
Seine Anleitung zum Gebet klingt einfach: Sich selbst vor Gott bringen – so wie man im Augenblick fühlt. Der Sehnsucht nach Gott Raum geben. Gottes wohlwollenden Blick erspüren. „Wenn ich auf mein Ich schaue, wenn ich still werde, dann merke ich schnell: Mein Innerstes ist genauso unbeschreiblich wie der große Gott.“ Nicht in erster Linie fromm müsse das Gebet sein, sondern ehrlich. „Das bedeutet: Auch meine weniger fromme Seite, meine Angst, meine Unruhe. Das alles hat Platz im Gebet.“

„Auch Gottesferne verwandelt sich, wenn ich sie vor Gott hinhalte“, lautet sein Rezept für Zweifelnde. Jeder könne sich von Gott berühren lassen, der so viel größer ist als jeder Mensch. „Alle mitmenschlichen Probleme werden klein, wenn ich Gott in mir spüre.“
 
Wie schön und wie einfach dieses kleine Rezept doch klingt – von einem Mann im Habit mit Rauschbart gesprochen mit einer sanften und doch kräftigen Stimme. In der Münsterschwarzacher Missionsbenediktinerabtei kann so ein Rezept ja klappen. Bei Timm Mälzer in der Fernsehküche gelingt ja auch alles. Aber wenn man dann in der eigenen Küche steht, dann sieht das ganze doch etwas anders aus. Auch wenn ich Gott spüre, sind meine mitmenschlichen Probleme immer noch da. Und das Gefühl, von Gott getrennt zu sein, wird nur noch größer, wenn die spirituellen Rezepte nicht funktionieren.
 
Ich bin gegenüber dem Trend zur Spiritualität misstrauisch. Die Rezepte von Anselm Grün zu lesen hilft wenig. Ich halte viel von der Praxis und  – wie Grün auch – von Ritualen. Im Gottesdienst rufen Katholiken und Protestanten „Kyrie eleison – Herr erbarme dich“. Erbarme dich über die verunglückten Rezepte.

 

Eine Meinung

  1. Mit Glauben, Spiritualität und Meditation ist es doch immer nur das gleiche Prinzip. Schon Caesar wusste folgende Tatsache an seinem Volk erfolgreich anzuwenden: „Der Mensch glaubt gerne, was er sich wünscht.“ Der Mensch hofft also , in seinem Innersten das zu finden, was er bewusst oder unbewusst schon von vornherein sehnsüchtig zu finden wünscht und geht gezielt darauf zu. Wie würde Pater Anselm wohl erschrecken, wenn er da drin in seinem tiefsten Innersten nicht sein eigenes Ziel, sondern eine andere Wahrheit fände! Wenn er z.B. erkennen müsste, dass jeder Mensch seiner Wunschvorstellung gemäß nur „sich selbst“ als überspitzen Gottmenschen dort drin findet, der alle Fähigkeit aufweist und all das besser kann, was der Mensch an sich selbst in seiner schwachen Unfähigkeit bemäkelt… Das bewegt sich meines Erachtens schon eher in der Nähe der Wahrheit!! Pater Anselm will wahrscheinlich diese perfekte Oberfigur mit ausgeprägter Führernatur in der Spiritualität bestätigt sehen, ihr dienen und ihr angebliches „Auffinden“ in seinem Inneren als Beweis ihrer Existenz gelten lassen. Ganz klar. Dabei wäre es eher der Gegenbeweis, nämlich, dass jedes Menschen Einbildung nur seine rein subjektive Wahrheit widerspiegelt, aber niemals DIE Wahrheit sein kann. Oder was wäre, wenn ein dreifaltigkeitsgläubiger Mensch wie Anselm tatsächlich meinetwegen Vishnu mit Gattin Lakshmi am Arm oder Manitu oder gar die schöne Aphrodite dort vorfinden würde oder eine völlig neue, unbekannte Gottheit, die er nun überhaupt nicht erwartet hätte, oder womöglich überhaupt gar keinen Gott?Würde Pater Anselm danach nun plötzlich an Aphrodite glauben, von nun an ihr huldigen, und seinem Christengott abschwören, weil diese Schönheit nun die volle Wahrheit für ihn sein müsste? Würde er Manitu seinen (unbehaarten) Skalp versprechen? Würde er in Zukunft nur noch Matjeshering, pardon, Matsya-Fisch verspeisen zu Ehren von Vishnus Avatara? Oder würde er vielleicht an eine Vorgaukelung seiner Psyche glauben (weil für ihn nicht sein kann, was nicht sein darf). Würde er gar teuflische Machenschaften und Versuchung dahinter vermuten? Hätte er irgendeine Sicherheit, dass da die Wahrheit drin ist in seinem Innersten? Oder müsste er einfach nur ein simples Daranglauben-Wollen erkennen? Fragen über Fragen.Könnte ein winziger, zappelnder Kolibri meditieren, würde er bestimmt in sich drin nach einer souveränen, unangreifbaren (heiligen) und majestätischen Mischfigur suchen, die großmächtig auf den breiten Schwingen dahingleitet wie Albatros, eine Sehschärfe aufweist wie Adlerauge, Blitzschnelligkeit besitzt wie Falke, Buntheit des Federkleides zeigt wie Papagei usw., einen feindlosen Großvogel eben, den niemand anzugreifen wagen würde, weil ihn niemand besiegen könnte. Dieser würde dem kleinen, von Gefahren gebeutelten Kolibri eines Tages einen Platz sichern in seinem geschützten Horst, hoch droben in den unerreichbaren Bergen, wo Kolibri zu Lebzeiten alleine nicht hinkommt. Dort wäre der optimale, liebevolle Schutz des Kleinen durch den überhöhten Großen in Ewigkeit gewährleistet. Teilhaben an dieser Größe und mit der Zeit ebenso unangreifbar und mächtig sein wollen wie Adlerhorstgott, Himmelsgott oder Unterweltgott. Das ist der Wunsch (siehe stellvertretend für alle z.B. Adam und Eva und Luzifer). Dies ist die notwendige Illusion, um das harte ungerechte Leben aushalten zu können: den Ausgleich, die Belohnung dafür irgendwann einmal in Äonen erhalten zu dürfen. Ein psychologisch verständlicher und herbeigewünschter Trost, ohne den manch einer im Hier und Jetzt vielleicht durchdrehen würde. Menschen, die dieser stark helfenden Illusion bzw. Vision bzw. Führungsperson nicht bedürfen, können dafür real, ganzheitlich und von ethischen, humanistischen Werten geprägt im Hier und Jetzt leben und in Eigenverantwortlichkeit intensiv „für“ das gerade stattfindende Leben da sein, nicht für ein völlig unbewiesenes Leben nach diesem Leben. Eigenverantwortung heißt hierbei, nichts kann durch irgendeinen Gott entschuldbar sein oder mit Gottes angeblichem Wunsch begründbar sein. Es kann also nicht nach dem praktischen und gefährlichen Motto gehen: „Gott will es so“. Der will ja erstaunlicherweise immer genau all das, was geistliche oder staatlich-durchgeistigte Obrigkeiten vom gläubig-unterwürfigen Volk gerade erwirken wollen. So kommt es z.B. auch, dass Moses sagt: Gott will nicht, dass ihr tötet und anderer Leute Besitz begehrt, und höchst knapp darauf, kaum ist Moses für immer entschlafen, sagt dieser Gott durch einen völlig gegensätzlichen Befehl: Begehrt das Land der anderen Menschen, überfallt sie, tötet sie alle und nehmt deren Land für euch in Besitz. Das soll also „Gottes“ Art sein!? Toll. Kein Wunder, dass sich in so einer ständigen Doppelbindung und so einem Hin und Her kein Mensch mehr auskennt und sich womöglich zum Selbstschutz in Wahnvorstellungen flüchten muss. Realistischer klingt eher, als hätte irgendein Mitwanderer des braven Moses Eintritt ins gelobte Land absichtlich verhindert, um dessen wohldurchdachte Gebote ungehindert verdrehen zu können und sie zum nutzvolleren Erobern benutzen zu können. Wäre sozusagen der noch heute angewandte Präzedenzfall gewesen.Nicht Gott hat den Menschen (nach seinem Ebenbild) geschaffen, sonder der Mensch hat sich zu allen Zeiten in größter Vielfalt irgendwelche, zu ihren eigenen Lebensumständen passende, menschenähnliche Gott-Bilder erschaffen. Ich sage allen, die an einen Gott glauben, dass sie gleichzeitig mit ihrem körperlichen Ableben jegliches Bewusstsein verlieren werden und tröste sie damit, dass sie (Tod sei Dank!) nicht mehr mitkriegen müssen, dass da leider nichts ist, nie etwas gewesen ist und nie etwas sein wird. Denn bewusst können sie diese Desillusionierung sowieso anscheinend nicht aushalten und auch nicht das grausame Betrogenwordensein sowohl um ihr weltliches freies Leben als auch um ihren gerechten Ausgleich in einem nachfolgenden, paradiesischen Leben bei Gott. Ich bin froh, dass Sie, Herr Pastor, wenigstens schon real erkannt haben, dass kein Gott irgendwelche Probleme für den Menschen zu lösen im Stande ist. Und all die anderen, die sich auch nur selbst helfen müssen, können sich meinetwegen trotzdem danach einbilden, es habe ihnen Gott geholfen. Typischerweise wieder einmal in der perfekten Um-Drehung des Sachverhaltes! Und wenn diese Menschen z.B. einmal ins Krankenhaus müssen, so können sie ihrem Gott meinetwegen dafür auf Knien danken, dass er sie wieder gesund entlassen hat und dabei völlig ausblenden, dass er sie vorher ja mit der Krankheit dort hineingebracht hat. Oder war das etwa ein anderer? Wenn sie schon das Eine glauben, müssten sie logischerweise auch das Andere glauben. Aber was ist schon logisch im Zusammenhang mit dem Glauben. Die Unlogik ist schon eher sein Markenzeichen. Na ja, wie gesagt, des Menschen Himmelreich ist immer nur seine eigene Wunschvorstellung.

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