Können wir Depressionen am Gang erkennen?

Rentnerpaar beim Spazieren im Wald

Dass sich Gefühle und Stimmungen an der Mimik und Gestik ablesen lassen, ist keine neue Erkenntnis. Auch der Gang zeigt, ob jemand fröhlich oder traurig ist. Doch wie sieht es umgekehrt aus: Hat unsere Art zu gehen Einfluss darauf, ob uns negative oder positive Gefühle bestimmen? Eine Studie deckt auf.

Eine aktuelle Studie fand heraus, ob wir durch die Bewegung unseres Körpers unbewusst unterschiedliche Stimmungen ausdrückten.

Gefühle, die uns bewegen

Bei der durchgeführten Studie handelte es sich um eine Kooperation der Universität Witten/Herdecke mit der Queen’s University in Kingston, Kanada. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, inwieweit der Gang einer Person im positiven oder negativen Sinn Einfluss auf die aktuelle Gefühlslage nehmen kann. Denn dass sich Bewegung insgesamt eher positiv auf das körperliche und seelische Wohlbefinden auswirkt, ist längst hinreichend bekannt.

Der Versuchsaufbau der aktuellen Studie war einfach, aber effektiv. Die Teilnehmer bewegten sich langsam auf einem Laufband und mussten entscheiden, ob sie bestimmte Begriffe erklären wollten oder nicht. Einige dieser Begriffe hatten eine positive, andere eine negative Bedeutung. Gleichzeitig mussten die Probanden eine bestimmte Körperhaltung einnehmen.

Eine negative Körperhaltung trübt den Blick für fröhliche Dinge und Ereignisse

Die Studie belegt, dass eine permanente Negativhaltung einen positiven und optimistischen Blick auf die Welt kaum zulässt. Nach acht Minuten wurden die Teilnehmer gefragt, welche Begriffe sie sich gemerkt hatten. Die Probanden, die einen traurigen Gang zeigten und eine negative Körperhaltung einnahmen, merkten sich fast nur negative Begriffe. Die andere Gruppe hingegen behielt in erster Linie positive Worte im Gedächtnis.

Diese Erkenntnis deckt sich mit umfangreichen Forschungsergebnissen im Hinblick auf die Auswirkungen von depressiven Erkrankungen auf das Erleben von Alltag und Umwelt. Wer an Depressionen leidet, entwickelt eine selektive Wahrnehmung. Das bedeutet, dass nur noch negative Dinge bewusst wahrgenommen werden können, weshalb auch nur diese in unserem Gedächtnis verankert werden.

Unsere Haltung bestimmt unsere Gefühlslage

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass unsere Körperhaltung und unser Gang einen erheblichen Einfluss auf unsere Stimmungen haben. Daraus ergeben sich auch neue therapeutische Ansätze für die Behandlung von Depressionen. Wer sich gerade hält und aufrecht geht, fühlt sich optimistisch und gestärkt.

Also: Bauch rein, Brust raus – und schon wirkt die Welt ein wenig freundlicher.

Foto: Thinkstockphotos, iStock, 84120557, Siri Stafford

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