Kinder, Papa ist zurück!

Er schläft am liebsten bis acht, ist morgens gern mit sich, seinem Kaffee und dem Radiomoderator allein. Trödelnde Kinder, die beim Zähneputzen Fontäne spielen oder plötzlich hektisch Schulsachen zusammenkramen, sind ihm ein Greuel. Dann muss er schreien. Mit den Kindern, mit mir, mit dem Radiomoderator. Hinterher tut es ihm Leid, aber ändern kann er es dennoch nicht.

Problem erkannt, Lösung gefunden: Schatzi bleibt bis acht im Bett, ich stehe um halb sieben auf, schmiere Brote, serviere gesundes Frühstück, lege Klamotten heraus, wühle unterm Bett nach dem Füller, lausche wilden Traumgeschichten, treibe die Kids zur Eile an und schicke sie mit einem Kuss auf den Weg.

Natürlich ist die Aufteilung ungerecht, da mein Tag mit Teilzeitjob, Kinder betreuen und Haushalt schmeißen eher länger dauert als seiner. (Zugegeben, manchmal darf ich einen Nachmittag mit einer Freundin dahinquatschen.) Aber Schatzi ist Chef seiner eigenen kleinen Firma, ernährt damit seine Familie sehr gut und findet, dass nach Büroschluss Feierabend (für ihn) ist. Am Wochenende packt er durchaus mit an, spielt mit den Kindern stundenlang „Siedler von Catan" und bekocht uns mit lecker Nudeln. Gleichzeitig bin ich schon irgendwie gluckig, polstere gern das Familiennest und freue mich, wenn Mann und Nachwuchs sich freuen. Außerdem nehme ich fast alles auf mich, wenn mein Morgen nicht mit cholerischen Anfällen beginnt.

Mit dieser Regelung ging seit einem Jahr alles gut. Die Kinder hatten ihren Rhythmus, ein perfektes Timing und vor allem einen ruhigen, fröhlichen Start in den Tag.

Heute dann der Knaller: Schatzi kündigt an bis zu den Herbstferien morgens mit den Kindern aufzustehen, um mehr an ihrem Leben teilzuhaben. Helle Begeisterung – zunächst. „Ja, ich dachte, ich sehe meine Kinder viel zu wenig. Man muss sich ja um sie kümmern und sie nicht nur irgendwie morgens rechtzeitig aus dem Haus jagen." 21, 22, 23, tief durchatmen, nur die Ruhe bewahren. Selbst wenn das im ganzen letzten Jahr so gelaufen wäre ­- mitbekommen hätte Schlafmütze-Schatzi von unserem Morgenritual sowieso nichts. Und nun möchte er gefeiert, gelobt und geherzt werden für seinen unermüdlichen, aufopferungsvollen Einsatz für die Kinder. Dabei graut mir regelrecht davor. Ob er sein Temperament in den Griff bekommt? Und warum eigentlich nur bis zu den Herbstferien? Darf ich danach wieder allein die Kinder aus dem Haus jagen???

P.S.: Nachklapp zum Text oben: Schatzi setzt seinen Plan in die Tat um. Drei Tage hintereinander schon. Kein Gemecker, keine Ungeduld, aber überschwängliche Abschiedszenen und Kommentare wie „Allein dafür lohnt es sich früher aufzustehen!" Woher dieser Stimmungswandel nur kommen mag? Hat er irgendwas gelesen? Sich mit Freunden beim Bierchen über den Nachwuchs unterhalten? Oder hat er wirklich erkannt, wie viel er verpasst und was für großartige Wundertüten seine Kleinen sind? Egal, denn langsam fangen alle an es zu genießen.

3 Meinungen

  1. Das ist ja ’ne schöne Geschichte!

  2. Das ist ja ’ne schöne Geschichte!

  3. Ich habe das Buch auch, allerdings erst halb gelesen, deshalb habe ich Deinen Post nur überflogen. Melde mich die nächsten Tage bei Dir. Du weißt schon warum! Gruß aus Wales…..!!Lissabon reizt mich. Da bin ich noch nicht gewesen, Annette.

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