Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus

Ève Charlier liebt ihre kleine Schwester Lucette und sie hasst ihren Mann, der sie nur wegen des Geldes geheiratet hat und nun versucht, sie loszuwerden, um sich an die Jüngere heranzumachen. Ève durchschaut das Spiel, kann sich aber nicht mehr wehren. André schafft es, sie zu vergiften. Im gleichen Moment, in dem Ève stirbt, wird auch Pierre Dumaine ermordet. Der Widerstandskämpfer, Revolutionär mit Leib und Seele und im Gegensatz zu der eleganten und reichen Ève ein Mann aus einfachen Verhältnissen, stirbt durch die Hand eines Verräters.

Kurz danach begegnen sich Ève und Pierre in der Rue Laguénésie – dem Übergang zur Schattenwelt. Sie sind tot, handlungsunfähig was das Leben angeht, können sich aber frei bewegen und dem zusehen, das sie hinterlassen haben. Die Totenwelt ist gleichgültig gegenüber dem Leben, aber die beiden Protagonisten wollen das so nicht akzeptieren. Sie kämpfen gegen die Hoffnungslosigkeit – doch ohne Hoffnung. Ève quält sich wegen Lucette, die unbedarft ins gleiche Schicksal rennt wie sie selbst, Pierre erkennt mit Entsetzen, dass seine Genossen im Begriff sind, in eine tödliche Falle zu laufen.

Schnell realisieren die beiden, dass sie sich lieben, bzw. geliebt hätten und bekommen doch tatsächlich mitgeteilt, dass ein Irrtum vorliegt – sie wären füreinander bestimmt gewesen und bekommen eine zweite Chance. Allerdings bedeutet das, dass sie ihre Liebe ganze 24 Stunden lang über alles andere stellen müssen, nur das leiseste Misstrauen dem anderen gegenüber und das Spiel um Leben oder Tod entscheidet sich zu des Todes Gunsten. Kaum zurück im Leben beginnt der Kampf um ihre Liebe, den sie – zur Freiheit verurteilt – zwangsläufig verlieren müssen…

Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte einfach, logisch und überschaubar. Doch tatsächlich finden sich unter dieser Oberfläche Verflechtungen zwischen Ève und Pierre, die zwangsläufig zum unheilvollen Ende führen müssen. Die Todesarten sind durch die jeweiligen Lebensformen bestimmt, gesellschaftlich bedingt also. Ebenso versuchen beide gegen das Unvermeidliche anzukämpfen und enden in direkter Verbindung zueinander – ohne wirklich verbunden zu sein.

Dieser Klassiker der modernen Literatur ist einfach zu schön. Die romantische Geschichte um die elegante und reiche Frau aus bester Gesellschaft und den trotzigen und ein bisschen ungehobelten Mann, für den seine Ideale die Welt bedeuten und dessen – eigentlich unsinnige, aber völlig nachvollziehbare – Loyalität zu seinen Genossen letztendlich den entscheidenden Wendepunkt vollbringen, verschafft einem ein paar Stunden reinen Lesegenuss – und die klitzekleine Hoffnung auf eine zweite Chance, wenn man sie mal braucht.

Jean-Paul Sartre: „Das Spiel ist aus", erschienen 1947 unter dem Titel „Les jeux sont faits" bei Édition Nagel Paris, ins Deutsche übersetzt von Alfred Dürr. Zu haben bei Rowohlt. 122 wunderbare Seiten für 4,90 €.

4 Meinungen

  1. Das Buch steht bei meine Mom im Regal, wie ich das so sehe, sollt ich mir das Buch mal mit in mein Zimmer nehmen 🙂

  2. christian schlegel

    Ich kann nur zustimmen – ein wunderbares – ein unterschätztes Buch. Habe vor einge Jahren den Film gesehen – traumhaft. (leider nicht auf DVD zu beschaffen) schade!! Lesen!!

  3. Mmh, das klingt ja toll. Eine richtig schöne Rezension, die Lust darauf macht, das Buch sofort zu kaufen und zu lesen. Hab auch schon nachgeschaut und ein gebrauchtes Exemplar im Angebot gefunden. Vielleicht lege ich mir das Buch ja auch zu.

  4. Ich habe das Buch gerade gelesen und bin begeistert. Zwei Menschen aus zwei verschiedenen Welten, die es versuchen, aber nicht schaffen zueiander zu finden ! Ich finde, die Geschichte hat zeitlosen Charakter. Kann nur empfehlen : unbedingt lesen!

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