Jamie Cullum live in Concert ? oder: eine Liebeserklärung

Pünktlich um zehn vor Acht betritt ein kleiner Junge mit
seinen 4 Musikern die Bühne, Wuschelhaare, zerrissene Jeans, T-Shirt und
Chucks. Er läuft nach vorne gibt ein Peacesign und setzt sich an einen
schwarzen Yamaha-Flügel. Dann die ersten drei Töne von „Ordinary Life“ mit
seiner samtig-kratzigen Stimme und sämtliche Nackenhaare stellen sich auf. Die
folgenden zwei Stunden sind ein Hochgenuss, den die beste Schokolade der Welt
nicht wettmachen könnte. Eine Art Jamsession mit feinstem Jazz (unter anderem
von seinen beiden Alben „Twentysomething“ und „Catching Tales“), spontane
Showeinlagen und improvisierte Medleys.
Locker führt Jamie Cullum durch den Abend, bedankt sich kurz bei Gott,
dass das Wetter gehalten hat (“Thank you God, I believe in you now!“), steigt
auf den Flügel, animiert das Publikum Begleitharmonien anzustimmen, macht
Headbanging und haut dabei in die Tasten, als gäbe es kein Morgen. Dann
funktioniert er das Piano zum Percussionset um, beatboxt minutenlang bis das
ganze in einem HipHop-Medley ausartet (Don’t Cha, 1 Thing, Get ur freak on).
Das Publikum tobt und Jamie fühlt sich beschwingt mit seinem Saxophonist und
seinem Trompeter ein kleines Konzert in der Mitte der Open-Air-Location
zwischen seinen Fans zu geben (ich war leider zu klein um zu sehen, was genau
da passierte. Kommentare bitte!). Man hat das Gefühl, er überrascht sogar noch
seine 4 Bandkollegen mit seinen spontanen Eingebungen; sei es ein jazziger
Song, der zum Marsch von Darth Vader wird oder eine Samba-Einlage (u.a. Sergio
Mendes ’Mas que Nada’), zu der er die Band mit ein paar Trommeln an den
Bühnenrand forderte. Auch die Gitarre beherrscht er. Er ist halt Musik-Genie in Gestalt eines 26-jährigen Engländers. Gepaart mit Charm, Humor
und dem Aussehen eines Lausbuben (hört sich spießig an, gibt aber kein besseres
Wort dafür) eine Mischung, die nicht nur mich um den Verstand gebracht hat. Ja,
wir haben gesungen, unsere Handys zum leuchten gebracht, sind gehüpft und haben
getanzt (“Girls, shake it like Rihanna! And the guys … just grab your
crouch.“). Um zehn vor Zehn haben wir um Zugabe gebettelt und er hat die Ordnungshüter
um noch ein paar Minuten angebettelt. Seine zweite Zugabe hat er kurz
angespielt, dann musste er von der Bühne (um Punkt 10, klar, wir sind hier in
Deutschland), hat aber beim Abgehen den Song im Schnelldurchlauf weiter
gesungen. Da merkt man, dass nicht nur das Publikum Spaß an seiner Musik hat.
Thank you
Jamie, I believe in God now! 

Für alle, die ihn verpasst haben …

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