Ist die Zukunft linear?

In fünftausend Jahren haben Menschen versucht, sich den Wandel zu erklären. Im Resultat spielt in der westlichen Welt das Modell des Zyklus eine deutlich kleinere Rolle als in allen anderen nichtwestlichen Kulturkreisen. Die Vorstellung einer linearen Zeit stimmt schon allein deswegen nicht, weil wir Zeit sogar in der Gegenwart als relativ empfinden. Ist etwas schlimm, dann dauert es ewig, bis es vorbei ist; ist etwas schön, ist es schnell vorbei. Insofern ist Zeit relativ – und somit ist auch Zukunft relativ. Man kann durch eine neue Erkenntnis gewissermaßen Jahre seiner Zukunft überspringen.

Die Ahnung, dass wir es nicht mit einer festgeschriebenen linearen Zeitskala zu tun haben, macht Mut. Mut, sein Leben anders zu gestalten, als man es normalerweise tun würde. Für die Vergangenheit gilt das ebenso. Wir interpretieren Tag für Tag, wie die Vergangenheit war. Und dabei verdrängen wir manches und überbetonen anderes. Manche Dinge sind uns so sehr gegenwärtig, obwohl sie dreißig Jahre her sind. Andere Dinge vergessen wir, obwohl es erst gestern war. Wir können uns sogar alternative Vergangenheiten ausdenken und uns ausmalen, wie es wohl hätte anders kommen können, wäre das Eine oder Andere nicht oder anders passiert. Daher ist auch die Vergangenheit relativ.

Das Einzige, was tatsächlich ist, ist heute. Und deswegen ist der Satz „Zukunft ist heute" auch kein Widerspruch zur Idee des Zukunftsmanagements. Denn das, was wir für unsere Zukunft tun können, findet ja nicht irgendwann statt, sondern heute. Es sind unsere heutigen Überzeugungen, unser heutiges Wissen, unsere heutigen Hoffnungen und Ängste, unsere heutigen Annahmen und Chancen, die wir managen können.

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