Instrumentell und hochwertig: 2Cellos alias Luka Sulic & Stjepan Hauser

In Deutschland war David Garret der Erste. Der erste wirklich erfolgreiche Streichspezialist mit einem Sinn für die Verarbeitung von Popsongs ins Instrumentelle. Die beiden Kroaten Luka Sulic & Stjepan Hauser wurden auf Youtube entdeckt – mit ihrer cellistischen Interpretation von Michael Jacksons Smooth Criminal. Jetzt mag man womöglich denken: War ja klar, einer der am meisten neuvertonten Songs überhaupt, wie einfallsreich. Aber halt: 2Cellos ist ein wirklich gelungenes Album, es ist abwechslungsreich in der musikalischen Ausgestaltung, wie in den Gefühlen, die beim Hören geweckt werden (Nicht wundern – das Album hat keinen Titel, der Komboname ist Programm). Nun ist nicht Jedermann Fan sanfter Streicher – doch wem so etwas gefällt, der sollte die Platte nicht ungehört im Laden stehen lassen.

Luka Sulic & Stjepan Hauser und ihre 2Cellos

Keineswegs nämlich sind die Songs willkürlich gewählt und keineswegs sind es durchweg absolute Megahits, bei denen sofort andere Bilder entstehen, als jene, die Sulic und Hauser vermitteln wollen bzw. tauchen nicht immer die bekanntesten Songs der gewählten, bekannten, Bands auf dem Album auf. Aber von vorne.
Zu Beginn klingt es etwas danach, als müssten zunächst die Saiten gestimmt werden doch schon bald können die sanften Klänge von U2s „Where the Streets have no Name“. Und bereits hier weiß man: Die Jungs wissen was sie tun. Man muss dazu sagen: Sulic hat Preise gewonnen, in der ganzen Welt gespielt und auch Sulic ist auf den Bühnen dieser Erde zu Hause, hat es sogar zweimal geschafft im Buckingham Palace etwas von seiner Begabung auch Prinz Charles vorzuführen.

Aber weiter im Text: Es schließt sich das obligatorische Pulp Fiction-Thema an, das aber angenehm kurz gehalten ist. Ehrlich gesagt hätte man darauf aber auch gänzlich verzichten können. Nun gut, vielleicht gehört das einfach auf ein instrumentelles Coveralbum. Und auch beim Folgesong fragt man sich: Muss das sein? Use Somebody wurde innerhalb kürzester Zeit sooft neu vertont, dass die Kings of Leon eine ganze Menge Geld allein damit gemacht haben müssen. Aber halt: Die hier vorliegende Version ist wirklich gut! 2Cellos haben einen ganz entscheidenden Vorteil: Es sind 2. So banal wie selbstverständlich, ja. Aber während Einer stets die leisen, die gefühlvollen Töne spielt, ergänzt der Andere, bringt das Stück nach vorne, treibt es an, um dann wieder Tempo herauszunehmen. Nirgends ist das so gut zu hören, wie beim benannten Titel.

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Um jetzt nicht in allen Einzelheiten das gesamte Werk auseinander zu nehmen, nur einige ausgewählte Beobachtungen. Großartig ist die Anordnung. Während man noch nachdenklich den Tönen von Stings „Fragile“ lauscht, die ja durchaus einen kubanisch-südamerikansichen Einfluss haben, der Song leise ausplätschert, beginnt im nächsten Moment als Crescendo angelegt eine fast schon monumentale, ja sakrale Auslegung von Muse's „The Resistance“. Ohne Ihnen alles vorwegzunehmen: Lauschen Sie unbedingt aufmerksam Track 9. Nochmal Michael, diesmal aber richtig spannend, voller Dynamik, abwechslungsreich. Was man Luka Sulic & Stjepan Hauser nicht vorwerfen kann ist, dass sie nicht alle Facetten ihrer Instrumente zum Ausdruck bringen. Alles was geht wird versucht und gemacht. Durchaus mutig.

Sony und die Internetgemeinde

Sony angelt also jetzt auch in der Community, hat 2Cellos produziert und promotet sie und das Album nun. Nachdem sie also in Deutschland auf landeseigene Musiker gestoßen sind, gehen sie auch massenmedial inzwischen mit der Zeit. Der große Vorteil der beiden Klassischen Musiker – sie sehen auch noch recht ansehnlich aus. Neue Musik, neue Töne, gutes Aussehen und wirkliche Experten in dem, was sie tun. Eigentlich ist alles angerichtet. Eigentlich.

Denn es ist nun mal so, dass nicht jedem das ewige Cellieren gefällt. Zwischendurch wünscht man sich dann doch die Stimme eines Chris Martin. Und auch „Smells like Teen Spirit“ versaut ein wenig den im Grunde überaus positiven Gesamteindruck. Vielleicht wollten sie und die Produzenten am Ende ein bisschen viel.

Fazit

Eine spannende Platte, man muss diese Art der Musik nur mögen. Das ist zwar eine Binsenweisheit, ist in diesem Fall aber umso wichtiger zu betonen. Warum? Ganz einfach: Braucht man unbedingt Gesang, dann bloß die Finger davon lassen (normalerweise hat man den ja zumindest inklusive, egal, ob man die Musikart an sich nicht sonderlich schätzt). Sonst macht man den Player nach dem zweiten Track aus. Wenn instrumentelle Interpretationen Ihre Sache sind, dann nichts wie raus zum Plattenladen und kaufen. 2Cellos kostet 14,99 Euro und ist ab sofort zu haben. Weiter Informationen finden Sie auf der Homepage der beiden Musiker.

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