Indian Diary 5: Hochzeitsfeier

Schon im Vorfeld versammeln sich die Familien der Heiratswilligen um Absprachen zu treffen. A’s Familie kommt aus dem bengalischen Kulturkreis, F’s aus dem Punjabischen. In Punjab reitet der Bräutigam auf einem  Pferd, unter Trommelwirbel und mit riesigen Menschenmengen zum Elternhaus seiner Braut. Das kam für die moderne, nach westlichem Standard und seit fünf Jahren in Amerika lebende A nicht in Frage. "Da lach ich mich doch tot!" lautete  ihr wenig respektvoller Kommentar. Es ist natürlich nicht so einfach, eine Tradition einfach nicht anzunehmen, weil man mit ihr nichts mehr anfangen kann. Es zieht das Unverständnis der Schwiegereltern nach sich, vielleicht sind sogar deren Gefühle verletzt und man muss dann anderswo wieder Abzüge machen. Diese ganzen "Vorgespräche" erschienen mir wie Verhandlungen: überlässt  du mir die Ausstattung der Braut, erlaube ich dir einige Fleischgerichte beim eigentlich fleischlosen Hochzeitsmahl. Und so ging das ewig, bis die "Kinder", die Hauptakteure, aufgaben. Die Hochzeit wurde ein Tag für die Eltern, ein show and tell und das Paar erledigte ergeben alle vorgeschriebenen Schritte.

Die Familie der Braut erwartete F’s Familie am Tor des Colleges, wo die Hochzeit ausgerichtet wurde. Die Brautmutter hielt eine Öllampe in der Hand, in einem Halbkreis um sie herum angeordnet Brautvater, Tanten, Onkel, Cousins usw., die jeweils Blumenkränze über ihre Arme gehangen hatten. Sobald alle versammelt waren, trat zuerst das höchste Familienmitglied des Bräutigams auf die Familie der Braut zu. Der Brautvater traf auf seinen Schwager, beide verbeugten sich respektvoll, gaben sich jeweils einen Blumenkranz und umarmten sich. So wurden alle gegenseitig in der neuen Familie willkommen geheissen. Am Ende der Vorstellung tanzten die Familien im Kreis miteinander.

Die Musiker, die bis jetzt den eintrefenden Gästen mit ihrem Spiel die Zeit vertrieben hatten, führten nun die Hochzeitsgesellschaft an. Auf gings zum Zeremonienzelt. Dort verteilten sich auch alle wieder nach Rang. Kissen auf dem Fussboden sollten das Sitzen bzw. Knieen erleichtern. Alles war mit Blüten ausgeschmückt. Das Brautpaar sass in einem Blumenmeer. Dann fing der Priester an zu sprechen. Ich weiß nicht, wie viele der Anwesenden Sanskrit verstanden. Für mich wurde das Ganze nun zum Stummfilm. Ich sah, wie Brautpaar und Brauteltern gemeinsam beteten, alle sitzen im Yoga Stil, nur die Frauen im Sari knieen sich hin. Innerhalb dieses privaten Kreises fand die Vermählung statt. Alle Menschen drum herum, ob Verwandte oder Freunde, sahen mal kurz hin, verliessen dann aber wieder diesen Kreis.

In einem anderen Zelt nämlich wurde schon serviert:

 MUTTON STEW – Hammelfleisch Eintopfgericht

CHICKEN KORMA  – Hühnchengericht mit scharfer Soße

Verschiedene KEBABS (Huhn oder Lamm)

 CHICKEN TIKKA – marinierte Hühnerfleischstücke mit sahniger Soße

FISH FRY – frittierter Fisch

 SHEERMAL, NAAN, MISSI ROTI, LACHCHA PARATHA  – spezielle Brotsorten

DAL MAKHANI  – Butter Linsen

SHAHI PANEER – Spinat mit Butter und Käse

 Während um die Ecke sich zwei Menschen  ewige treue Treue schworen (und wer weiß was noch alles in den Sanskrit-Gebeten gefordert wurde …) schlugen wir uns schonmal den bauch voll. Das sollte sich auch nach der Verheiratung nicht ändern. Das Brautpaar stand stundenlang lächelnd vor einem Thron für Fotos, Glückwünsche und zum Kennenlernen der Gäste bereit.

Alles in allem ein Erlebnis, das mir zu denken gab: ein Fest, das eigentlich nur zwei Personen und deren Bekenntnis zueinander angeht, aufgebauscht wie ein Schaulaufen der Stars. Hoffentlich haben sie selbst es anders empfunden.

zum ersten Teil

zum zweiten Teil

zum dritten Teil

zum vierten Teil

Keine Meinungen

  1. Good-bye Lenin. Ich liebe diesen Film. Ganz schön ergreifend irgendwie. Ich bin an der Grenze in Hessen, an der Grenze zu Thüringen, aufgewachsen, war vor dem Mauerfall oft in der DDR. Ich habe letzlich die DDR- Musik für mich wiederentdeckt, Karat, Puhdys. Mein Favorit ist Am Fenster von City. Das geht unter die Haut. Kennen Sie den Song?Notwendigkeit von Lügen als Diskussion. Gut.

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