Heißt es „Gebahren“ oder „Gebaren“?

„Gebahren“ mit einem h in der Mitte klingt logisch, der Vokal wird lang gesprochen, der Konsonant würde das unterstützen. Dennoch kann nur „Gebaren“ ohne h die richtige Variante sein, sowohl durch die Herkunft des Wortes, als auch durch dessen Sinn. Denn obwohl der Schreibfehler durch die Aussprache logisch sein könnte, ist es der Sinnzusammenhang des falschen Wortes nicht.

Gebaren: Die richtige Schreibweise kommt aus dem Mittelhochdeutschen

Das richtige „Gebaren“ ohne das fehlerhafte h ist eines der Wörter, die noch aus dem Mittelhochdeutschen stammen. Während man im heutigen Sprachgebrauch von dem „Gebaren“ als sächliches Substantiv spricht, wurde es in den Zeiten von Walther von der Vogelweide noch als Verb verwendet, im Sinne von „sich betragen“. Das moderne „Gebaren“ hingegen ist synonym verwendbar mit „dem Verhalten“, „dem Benehmen“, „dem Habitus“ und „der Handlungsweise“.

Anders sieht es beim falschen „Gebahren“ aus: In der mit h geschriebenen Version scheint der Schreiber nicht nur die Länge des Vokals falsch einzuschätzen, sondern das Wort auch noch mit der „Bahre“ in Verbindung zu bringen. Was aber nun das Verhalten einer Person mit einer Tragevorrichtung für Kranke oder Tote zu tun hat, mag sich nicht völlig erschließen.

Das falsche Gebahren ist von der Aussprache her nachvollziehbar, aber vom Inhalt her sinnlos

Während es durchaus nachvollziehbar ist, wenn man glaubt, das ein lang ausgesprochenes a durch ein darauf folgendes h markiert wird, bekommt das Wort „Gebaren“ dadurch einen neuen, anderen und falschen Sinn, der bei „Gebahren“ noch nicht einmal klar umrissen werden kann. Wenn man an die „Bahre“ denkt, müsste „Gebahren“ etwas ähnliches bedeuten wie „herumliegen“ – was der Sprecher oder Schreiber mit Sicherheit nicht im Satzzusammenhang ausdrücken will.

Bei „Gebaren“ ohne h hingegen liegen, neben der Entwicklung des Wortes, auch andere Assoziationen nah, wie zum Beispiel die „Offenbarung“. Eine Verhaltensweise wird offen gelegt, das „Gebaren“ kann eingeschätzt werden – wobei man heute das Wort meist mit einer negativen oder affektierten Konnotation verwendet. „Was für ein seltsames Gebaren!“

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