Handy Knigge: 10 Hinweise für Bessertelefonierer

Denn woran kann es sonst liegen, dass es immer noch Gang und Gäbe ist, lautstark in der Bahn über seine privaten Probleme zu reden, immer und überall auf den Tasten herum zu drücken und auch Gespräche mit leibhaftig vor einem sitzenden Menschen zu unterbrechen, um SMS zu schreiben? Eine Handy Knigge ist daher angebracht, denn auch wenn die folgenden 10 Hinweise kein großes Geheimnis sind, fällt es vielen Leuten (und ich schließe mich nicht aus), dennoch schwer, sie alle zu befolgen.
Das würde jedoch helfen, die Kommunikation wieder etwas freundlicher zu gestalten und vor allem das Umfeld nicht so zu vergraulen, wie es die Nicht-Beachtung des Handy Knigge oftmals tut. Bei diesen Benimmregeln geht es nicht um starre Regeln, die altmodisch und angestaubt sind, sondern darum, den Leuten Respekt entgegen zu bringen, die gerade nicht am Handy hängen. 

Handy Knigge: Die Top 10

1

Ruhe bewahren

Wenn man auf Arbeit ist, bei einer Veranstaltung oder bei einem anderweitigen Treffen und nicht gerade einen ungemein wichtigen Anruf erwartet, in dem es um Leben oder Tod geht, sollte das Handy immer dann auf lautlos geschaltet sein, wenn es stören könnte. Kino, Vorlesungen, Seminare, Meetings, auch im öffentlichen Büro kann es nerven. Das Telefon auf Vibration stellen funktioniert dann, wenn man nicht zu den Leuten gehört, die alle 10 Minuten angerufen werden, denn ansonsten ist auch das sehr nervenaufreibend für die anderen. 

2

Keine Tischdeko

Bei einem Date oder Geschäftsessen gehört es nicht zum guten Ton, sein Handy demonstrativ auf den Tisch zu legen. Es signalisiert nämlich, dass man a) wichtigere Gespräche erwartet, als das, was man gerade führt und b) jederzeit gewillt ist, die Unterhaltung zu unterbrechen. Warum eigentlich? Wenn man sich mit jemanden auf einer Party unterhält, lässt man sich doch auch nicht ständig von anderen Leuten unterbrechen, sondern wartet, bis man Zeit für sie hat. Wer sein Handy in der Tasche lässt, zeigt, dass er vollkommen offen für die andere Person ist. 

3

Lautstärke runter drehen

Man könnte ja annehmen, dass es daran liegt, dass viele Leute noch die alten Telefone und Handys kennen, bei denen man tatsächlich rein brüllen musste, damit man sich am anderen Ende der Leitung versteht. Aber oftmals sind es Jungspunde, die diese Zeit gar nicht mehr erlebt haben. Also warum muss man immer doppelt so laut werden, wenn man sich am Handy unterhält? Die heutige Technik ist sehr wohl in der Lage, das Mikro so zu gestalten, dass man ganz normal reden kann, ansonsten gäbe es wohl auch Werbung, die stolz deklariert, dass man mit dem neuen iPhone nur halb so laut schreien muss, damit der andere einen versteht. Normale Redelautstärke ist angebracht, denn…

4

Öffentliche Talkshow?

…je lauter man ist, desto mehr teilt man mit der Welt. Gut, das klingt erstmal schön, aber will man wirklich, dass die gesamte S-Bahn weiß, dass man gerade Schluss gemacht hat, weil der Typ ein totaler Verlierer war? Für intime Gespräche gilt nicht nur eine angemessene Lautstärke. Wer sein Leben nicht vor allen ausbreiten will, der weist den Anrufer darauf hin, dass er sich später noch mal meldet, oder geht – wenn es möglich ist – irgendwo hin, wo man sich in Ruhe unterhalten kann. Denn ob man es glaubt oder nicht, nicht jeden interessiert es, was man die Woche über gemacht hat.

5

Prioritäten setzen

Man ist gerade mitten in einer Unterhaltung mit seinen Freunden in gemütlicher Kneipenrunde, das Handy klingelt und schon sind die Freunde Nebensache. Ein einzigartiges Problem der Handyzeit. Man sollte immer zwei Mal überlegen, ob man ran geht oder nicht. Ist es wirklich wichtig? Kann es nicht auch warten, bis man das Gespräch beendet hat, um dann in Ruhe zurück zu rufen? Bei einem Date oder offiziellen Gespräch sollte man übrigens niemals ran gehen, es sei denn, man wurde bei „Wer wird Millionär“ als Telefonjoker gelistet.

6

SMS oder Anruf?

Es ist schon praktisch, dass man via Handy nicht nur telefonieren, sondern auch SMS (und inzwischen ja auch problemlos Mails) verschicken kann. Aber das macht dem Handy Knigge auch mehr Arbeit. Es gibt Dinge, die per SMS praktischer sind und es gibt Dinge, die mit einem Anruf nicht nur schneller zu erledigen sind, sondern auch angebrachter sind.

  • Listen, Adressen, Infos und Vereinbarungen, die nicht mehr groß abgesprochen werden müssen, sind per SMS immer praktisch, da der andere sie nicht falsch verstehen kann und notfalls noch einmal nachlesen kann.
  • Alles, was noch ausdiskutiert werden muss, sollte jedoch per Anruf erfolgen, da das meist schneller geht. Besonders Absagen von Terminen und andere schlechte Nachrichten sind per Anruf einfach persönlicher und werden dann auch weniger wütend in Empfang genommen, da man durch den Ton seiner Stimme gleich vermittelt, dass es einem wirklich leid tut.
  • Auch das berühmte Schluss machen per SMS ist immer noch ein großes Übel. Anrufen ist da nicht nur angebracht, sondern auch das Einzige, was einen davor bewahrt, für immer als der Gefühlsklotz ohne Klasse betrachtet zu werden.

7

Der Klingelton

Das eigene Lieblingslied oder der nervige Polyphon Klingelton – eigentlich kein Problem. Unangebracht wird es dann, wenn es die Spaßklingeltöne a la „Furz“, „I kill you“ oder die unzähligen süßen Tiere mit Autotune Songs sind. Man sollte sich bei der Auswahl seiner Klingeltöne immer fragen, ob sie wirklich für alle Situationen angebracht sind, also auch auf Arbeit oder bei einem Date. Wenn nicht – lieber einen anderen aussuchen.

8

Auch an der Supermarktkasse gültig

Wenn man etwas bestellt, an der Kasse steht oder anderweitig mit Leuten interagiert, die einem helfen, sollte man das Handy ausschalten, denn es ist mehr als unhöflich, wenn man sich nicht einmal halbwegs auf die Leute konzentriert, die einem bei einer Bestellung, dem Einkauf oder den Bankgeschäften helfen. Es sind immer noch Menschen, also sollten wir sie respektvoll behandeln, wir mögen es auch nicht, wenn man uns ignoriert, weil ein Anruf nicht 10 Sekunden warten konnte.

9

Tastenterror

Viele denken, dass Handys nur dann nicht erlaubt sind, wenn man Telefongespräche führt, aber hier geht es ja um die Handy Knigge und nicht um den Telefon Knigge. Auch das Herumspielen auf dem Handy, SMS schreiben oder Nachrichten checken ist unnötig, wenn man im Kino sitzt, im Theater oder sogar in einem Seminar. Grundsätzlich geht es darum, dass man den Leuten vor Ort die Aufmerksamkeit schenken sollte, die sie verdienen. Im Kino ist es außerdem lästig, da das Licht des Handys die anderen Zuschauer ablenkt.

10

TXT MSG

Wenn Sprachfanatiker darüber reden, dass SMS, Chat und Mails die Sprache ruinieren, dann ist das wohl etwas weit vorgegriffen, aber bevor man seine süßen Abkürzungen verwendet und sich quer durch den Raum ROFLT, sollte man überlegen, an wen man die Nachricht schreibt. Nur, weil man eine SMS schreibt, heißt das nicht, dass man Rechtschreibung und Stil völlig außer Acht lassen kann. Also lieber Punkt und Komma setzen und die Worte ausschrieben, bzw. korrekt abkürzen, als beim Empfänger der Nachricht als stillos empfunden zu werden. 
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