Gute Argumente I

Überzeugende Argumente sind keine unveränderlichen Wahrheiten – und in den meisten Fällen werden mit argumentativen Mitteln auch keine ewigen Wahrheiten verhandelt. Man tut allerdings so, als ob. So ist es beispielsweise keinesfalls in irgendeiner Form wissenschaftlich ausgemacht, dass ein Menschenleben das höchste Gut auf Erden sei. Wir haben uns in unserer Gesellschaft aber argumentativ – und damit kulturell – darüber verständigt, dass wir es so halten wollen, als ob ein Menschenleben das höchste Gut sei, weil wir eben keine nordkoreanischen, irakischen oder sudanesischen Verhältnisse bei uns haben wollen.

Die Lehre von der Argumentation ist ein Teil der Rhetorik; sie lehrt den sprachlichen Umgang mit kulturellen und gesellschaftlichen Werten, mit den »weichen Fakten«. Argumentation ist also viel mehr als bloßer «Redeschmuck». diese Fähigkeiten kommen dort ständig zum Einsatz, wo Werturteile verhandelt werden. Sie sind kein Instrument der Manipulation, das rundheraus abzulehnen wäre, sie können aber gleichwohl als ein solches verwandt werden. Trotzdem kann niemand ohne Rhetorik leben, weil jeder argumentiert. Dort, wo die Wahrheiten der Wertewelt am unbestreitbarsten scheinen sollen, wird Rhetorik noch immer am meisten gepaukt, zum Beispiel in der Theologie.

Rhetorik ist ein Werkzeug in der Hand buchstäblich jedes Sprechenden, und jeder wendet es auch ständig an, nur wissen die wenigsten, dass sie dies tun. Wer dieses Werkzeug bewusst und nicht bloß unbewusst beherrscht, ist deshalb nur ein besserer Handwerker, und noch lange kein Verbrecher. Über die Qualität seines Tuns entscheiden die Zwecke, zu denen er dieses Werkzeug einsetzt. Nur weil es den Hammermörder gab, wird niemand den Hammer verteufeln, und nur weil es Goebbels gab, darf niemand die Rhetorik und die Kunst der Argumentation schlecht machen. Argumente sind schlicht diejenige Form, wie Menschen im kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Bereich gültige moralische Wahrheiten aushandeln; und die Rhetorik ist diejenige Wissenschaft, die uns dieses Argumentieren lehrt. Im nachfolgenden Thread folgen einige Beispiele aus einem uferlosen Gebiet, mit dem sich stofflich Bücher füllen ließen.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.