gang und gebe oder gang und gäbe?

„gang und gäbe“ oder „gang und gebe“ wird im Alltag ständig verwendet: wenn etwas geläufig ist, eine übliche Handlungsweise oder ein Verhalten angebracht und häufig zu beobachten ist.

Die Wortherkunft beider Teile des Stabreims ist derweil ganz und gar nicht „gang und gäbe“, nicht einmal „gang und gebe“, denn während die Aussage klar und in ihrer Anwendung richtig ist, scheint die tatsächliche Bedeutung der Bestandteile nicht auf der Hand zu liegen.

gang und gäbe: mittelhochdeutscher Ausdruck

Es gibt eine Vielzahl von Fehlern, die in diesem einfachen geflügelten Wort auftauchen – von der Großschreibung beider Varianten, als „Gang und Gäbe“ oder eben „Gang und Gebe“, über die verdrehten Vokale bis zu Mischungen aus den beliebten Fehlern. Der Grund hierfür ist immer der gleiche und lässt sich durch die Unkenntnis der Etymologie erklären.

Aus dem „gang“ einen „Gang“ zu machen erscheint nur logisch, da es ja auch den „gewohnten Gang“ gibt – und in der Tat entstammt der erste Teil des Stabreims dem „gehen“, wenn auch nicht im Sinne der Fortbewegung. „Gang“ ist hier verwandter mit „gängig“, also dem, was zwischenmenschlich als üblich angenommen wird. Mit diesem Abschnitt gibt es selten Probleme, außer in der Groß- und Kleinschrift vielleicht, während das „gäbe“ hingegen schon etwas schwieriger ist, sich selbst zu erklären. Denn dieses Wort kommt in der deutschen Sprache nur noch in diesem Zusammenhang vor.

gang und gebe: Bedeutung begriffen und doch falsch

„Gäbe“ (und nicht „gebe“ – es hat nämlich nichts damit zu tun, jemandem etwas zu geben) kommt aus dem Mittelhochdeutschen: „gǣbe“ hieß zu Zeiten Walthers von der Vogelweide soviel wie „angenehm“ oder auch „gültig“ in Bezug auf Münzen und Geldverkehr im Allgemeinen. Auch der erste Teil „gang“ entstammt seinem ursprünglichen Sinn in dem Wortgefüge vom mittelhochdeutschen „genge“, was „verbreitet“ meint. „gang und gäbe“ könnte also mit „verbreitet und üblich“ übersetzt werden oder auch als „gängig und gültig“, wenn man bei der Alliteration bleiben möchte.

„gang und gebe“ ist der schriftlich gescheiterte Versuch, die bekannte, inhaltliche Bedeutung in aktueller Schreibweise auszudrücken, doch auch wenn die Schreibart veraltet ist, muss „gang und gäbe“ – kleingeschrieben und mit ä – als weiterhin richtig gelten.

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