Feel who I am Deluxe Edition: Das Debütalbum von Graziella Schazad

Musikalisch ist sie, das steht außer Frage. Seit sie denken kann, hat Graziella Schazad Musik gemacht, Gitarre, Geige und Klavier gelernt. Alle ihre Songs auf der Feel who I am Deluxe Edition sind selber komponiert und geschrieben – ein Plus in Zeiten allgemeiner Massenabwürfe. Und dennoch: So richtig mag kein Faden, keine Linie erkennbar werden. Vielleicht etwas zu lang, vielleicht zu viele Dopplungen. Vielleicht ist es aber auch schlicht der abermalige Versuch eine autobiografische Platte zu machen – und somit zu viel zu wollen.

Die Feel who I am Deluxe Edition – welche Gefühle genau?

Musikalisch sind die Songs absolut top. Viele „leichte“ Instrumente kommen zum Einsatz. Da ist die wiederkehrende Geige, eine sanft gespielte Gitarre, das Klavier und wenn ein Schlagzeug, dann abgestimmte, dezente Drums. Das sind jene Instrumente, die Schazad selber spielen kann. Und das ist gut. Und auch ihr Timbre fügt sich der entspannten, ruhigen Atmosphäre der CD. Sie streut ein Lied auf Französisch ein („Désolé“, 5), „Change“ lässt aufhorchen, das rhythmische Klatschen zu Beginn, die Drums im Stück – das alles macht gute Laune, ist frisch und vor allem – überraschend.

Denn genau daran fehlt es ansonsten in „Feel who I am“. Zwar gibt es interessante Einschübe, wie auch bspw. „Everybody“, bei dem man ihre musikalische Folk-Sozialisation durchblitzeln hört. Dann aber gibt es leider wieder Stücke, die einem nicht länger im Ohr bleiben. So vergeht „Welcome“, ohne größere Beachtung und auch „Leave me alone“ muss man wohl zu den weniger eingängigen Songs zählen. Der eine Track erinnert an Brenda Russells „Get there“, ein anderer wieder auf fatale Weise an – wer kennt sie noch? – die drei Pop-Mädels von Wonderwall, und bei einem weiteren denkt man an die Cranberries – leider war aber Dolores O'Riordans große Zeit in den 90ern. 17 Songs sind auf der Erweiterung von Schazads Album – das ist eine ganze Menge. Umso schwerer, jeden Track wirklich stimmig anzuordnen.

Und dennoch: teilweise ist es nachdenklich, viel aber ist auch (wenn auch etwas zu ruhig gewordene) Sommermusik. Solcher Art, die auf der Terrasse bei einem kalten Drink wunderbar nebenher laufen kann – ohne dabei wirklich aufzufallen. Vielleicht war dies auch die Idee, vielleicht entspricht dies dem Charakter Schazads. Und dann soll das auch so sein. Musik ist schließlich ein subjektiver Blick auf das Dargebotene.

Die Feel who I am Deluxe Edition als I-Punkt auf dem Höhepunkt

Multikulturell aufgewachsen (der Vater Afghane, die Mutter Deutsch-Polin), hat Schazad mit ihren nicht einmal 30 Jahren bereits ein bewegtes Leben hinter sich. In Berlin ist sie groß geworden, ging hier zur Schule und entschied sich mit einer Freundin in der elften Klasse das Abitur sausen zu lassen und viel lieber all ihre Zeit in die Musik zu stecken. Die Folk-Kombo „For Paradise and Jail“ hielt einige Jahre, ohne aber größere Erfolge zu feiern. So trennten sich die beiden und Schazad legte eine Schaffenspause ein.

Erst einige Jahre später, 2007, fand sie ihren Weg zurück zur Musik. Die bisherige Krönung ihrer Karriere ist dieses Album, erschienen bereits im Oktober 2010. Jetzt sind noch vier weitere Songs drauf („Safe“, „Somebody Else“, „Little by little“ und „Change“) und wieder hat Warner Music seine schützende Hand darüber. Bleibt abschließend die Frage, warum es vom Debütalbum ein halbes Jahr später bereits eine Deluxe Edition gibt?

Seit dem 8. April gibt es die CD im Handel – wer auf solid-softe Popmusik steht, der sollte zugreifen.

Ein kleiner Einblick in ihre Musik: Der einzige Cover-Song ihres Albums – Take on me von A-HA

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