Erziehungsberechtigte Dinosaurier

Furby war ein wirklicher Knaller. 1,2  Milliarden Dollar Umsatz mit einem Plüschtier, das will schon etwas heißen. Mitentwickler Caleb Chung machte damit ein Vermögen und nutzte das Geld, um einerseits in Ruhe auf einer Ranch in Idaho zu leben und andererseits mit seinem in der Bay-Area angesiedelten Unternehmen Ugobe kompromisslos die nächste Stufe der Spielzeugroboter zu entwickeln: einen kleinen Saurier namens Pleo. Der soll nicht 2000 Dollar kosten wie der Roboterhund von SONY, sondern ein Zehntel davon.
Studien an der Natur für das Design, moderne Elektronik für die Show: 14 Motoren und 38 Sensoren, acht zusammengeschaltete Mikroprozessoren, Lichtsensor in der Nase, Mikrofon für die Kommunikation und Sensoren überall am Körper, so dass er spürt, wenn er gestreichelt wird.
Denn Emotion ist der zentrale Erfolgsfaktor eines Spielzeugroboters und um Emotionen auszulösen, muss er selber welche zeigen können. Er kann gähnen, den Hals verdrehen und aufstampfen wie unser „normaler“ Nachwuchs, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt. Denn die Software in Kombination mit der Sensorik macht eine Art individuelle Persönlichkeit möglich.
An solch einem Knuddelroboter in Verbund mit der Flexibilität von Software können einige Zukunftsperspektiven festgemacht werden. Wenn der Roboter schon die Begeisterung der lieben Kleinen weckt und sie ihn akzeptieren, könnte man ihn doch zum Trainieren und Kinder-Coachen einsetzen! Roboterdinosaurier, die (wenn sie in Zukunft etwas gesprächiger werden) Entspannungstraining durchführen oder Konfliktmanagement schulen? Wieso nicht, wenn die Softwarebasis offen gelegt würde und Entwickler weltweit ihre Kreativität für die Zusatzsoftware zum „Robo-Learning“ einsetzen würden. Nach eLearning und mLearning jetzt also rLearning . . . 
 
Ich höre schon einige Leser wettern, da würden wieder Ersatzbefriedigungen für die Kinder gesucht, weil sich die Eltern heutzutage ja gaaar nicht mehr um Kinder kümmern. Das spannende Element liegt aber woanders: Seit wann nehmen Kinder die Ratschläge ihrer Eltern an? Oft zeigt die Erfahrung, dass die Peer-Group, sprich in dem Fall insbesondere gleichaltrige Freunde wesentlich prägender für das Sozialverhalten ist. Was wäre, wenn ein Roboter Mitglied der Peer-Group würde und zur Abwechslung einmal etwas Vernünftiges erzählen würde?


Ugobe – Heimat von Pleo

Eine Meinung

  1. Naja, die Wahrheit liegt vermutlich wie so oft irgendwo dazwischen. Natürlich ist es ein Spielzeug (wer kauft seinem Kind ein 200 – 400 EUR teures Spielzeug?), natürlich ist es Kommerz.Faszinierend ist dennoch die Individualität, die sich auf Grund der bisherigen Erfahrungen aufbaut.Nennen wir es einfach einen in die Masse getragenen Feldversuch für autarke Lebewesen.http://www.pleo-web.de

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